Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Samstag, 11.02.2012
Bald Tiefseeabbau von Manganknollen?
Forschungsfahrt erkundete Rohstoffmenge und Ökologie im deutschen Manganknollen-Lizenzgebiet
Manganknollen sind wertvolle Lieferanten von Metallrohstoffen, doch sie liegen in tausenden Metern Tiefe am Meeresgrund. Trotzdem könnte sich der Abbau bald wieder lohnen. Auf einer Forschungsfahrt in das deutsche Manganknollen-Lizenzgebiet im Zentralpazifik haben Wissenschaftler jetzt Knollendichte und Ökologie des Tiefseeareals untersucht.

Im Pazifik geborgene Manganknolle
Im Pazifik geborgene Manganknolle
© BGR Im Pazifik geborgene Manganknolle
Manganknollen enthalten durchschnittlich einen Anteil von rund 25 Prozent Mangan, gemischt mit rund drei Prozent Kupfer, Nickel oder Kobalt. Damit sind die auf dem Grund der Ozeane wachsenden Knollen eine wertvolle Quelle für Metalle. Bereits in den 1970er Jahren führten daher Institute wie auch Industrieunternehmen zahlreicher Länder Forschungskampagnen und erste Aktivitäten für einen Testabbau in einem Gebiet nördlich des zentralen äquatorialen Pazifik durch. Als jedoch in den 1980er Jahren der Rohstoffpreis für Wertmetalle einbrach, erlahmte auch das Interesse der Industrie am technisch aufwändigen und damit teuren Tiefseebergbau.

Steigende Rohstoffpreise machen Abbau wieder lukrativ
Heute allerdings haben Manganknollen angesichts steigender Rohstoffpreise wieder Konjunktur. Die Internationale Meeresbodenbehörde (ISA hat bereits acht Lizenzgebiete für ihren Abbau an Vertragspartner aus verschiedenen Ländern vergeben, darunter auch Deutschland. Es erhält damit das exklusive Recht, in rund 5.000 Metern Tiefe auf einem Meeresareal von 75.000 Quadratkilometern Größe fünfzehn Jahre lang den Bestand der rohstoffreichen Manganknollen zu erfassen.

Eine erste fünfwöchige Forschungsfahrt in das Gebiet hat jetzt ein Wissenschaftler-Team der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) absolviert. Neben den Wissenschaftlern der BGR nahmen Forscher des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften in Kiel, des Alfred-Wegener Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, des Deutschen Zentrums für Marine Biodiversitätsforschung (DZMB) am Senckenberg-Institut in Wilhelmshaven und des Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie in Bremen teil.

Manganknollendichte ausreichend
Die Untersuchungen des Meeresbodens in verschiedenen Arealen des Lizenzgebietes mit einem Videoschlitten haben gezeigt, dass der deutsche Claim großflächig dicht mit Manganknollen belegt ist. „Die Knollen sind meist 3-6 Zentimeter groß, die größten Exemplare erreichen 20 Zentimeter Durchmesser. Erste Abschätzungen anhand der neugewonnenen Daten zeigen, dass im Lizenzgebiet etwa eine Milliarde Tonnen Knollen liegen, mit hohen Nickel- und Kupfergehalte zwischen 2,3 und 3,0 Prozent", erklärt Thomas Kuhn, BGR-Leiter des Geologielabors an Bord.

Manganknollen- Lizenzgebiete im Zentralpazifik
Manganknollen- Lizenzgebiete im Zentralpazifik
© BGR Manganknollen- Lizenzgebiete im Zentralpazifik
Tiefsee-Ökosystem untersucht
Strittig ist bisher, wie die Ökosysteme der Tiefsee den starken Eingriff in ihren Lebensraum verkraften,. Die Testgebiete aus den 1970er Jahren sind bis heute deutlich an geringerem Artenreichtum und weniger dichter Besiedelung zu erkennen. Um hier Aufschluss zu gewinnen, untersuchten die Wissenschaftler den Artenreichtum der Tierwelt in den ausgedehnten Knollenfeldern unter den extremen Bedingungen der Tiefsee mit völliger Dunkelheit, frostiger Kälte und enormem Druck. Für eine Bestandsaufnahme der Bodenlebewesen stanzten sie mit Hilfe von so genannten Kastengreifern 50 x 50 Zentimeter große Proben des Meeresbodens aus und hievten sie an Bord. Zusätzlich wurde mehrfach eine Art Fangnetz, das in einen Metallschlitten eingespannt war, über den Meeresboden gezogen, um möglichst viele Tierarten bestimmen zu können.

Möglichkeit der Wiederbesiedlung theoretisch gegeben
Die Untersuchungen zur Biodiversität ergaben, dass die Tierwelt auf dem Meeresboden im
deutschen Lizenzgebiet sehr stark der des französischen Lizenzgebietes rund. 1.000 Kilometer weiter westlich ähnelt. Daraus schließen die Wissenschaftler, dass zumindest innerhalb der Clarion- und Clipperton-Bruchzonen, die den Manganknollengürtel im Norden und Süden begrenzen, keine Barrieren vorhanden sind, die eine Wiederbesiedlung nach einem möglichen zukünftigen Abbau von Manganknollen verhindern würden. Ob und in welchem Zeitraum eine solche „Renaturierung“ stattfinden wird, ist damit allerdings nicht geklärt.

Nach Angaben der Forscher deuten die Beobachtungen mit dem Videoschlitten zudem darauf hin, dass die Tierwelt der untermeerischen Vulkane den Bodenlebewesen der Tiefseeebenen entspricht. Damit könnten die Vulkane Refugien für die Tiefseebewohner darstellen, von denen aus eine Neubesiedlung stattfinden könnte.

„Manganknollen sind eine Rohstoffquelle der Zukunft für Buntmetalle wie Kupfer oder Nickel“, erklärt BGR-Expeditionsleiter Carsten Rühlemann. „Vor diesem Hintergrund ist das Vorhaben auch eine Maßnahme der strategischen Zukunftsvorsorge. Durch die frühzeitige Forschungstätigkeit der BGR wird ein Beitrag zur künftigen Rohstoffsicherung unseres Landes geleistet.“
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Manganknollen, Tiefsee, Tiefseebergbau, Rohstoff, Metall, Ökologie, Lizenzgebiet, Ozean, Tiefseeorganismen, marine Ökologie, Tiere, Abbau
Weitere News zum Thema
Tiefsee birgt weniger Rohstoffe als gedacht (23.11.2011)
Meeresboden kann weltweiten Bedarf an Kupfer und Zink nicht decken
Wer haftet für Rohstoffabbau in der Tiefsee? (02.02.2011)
Entscheidung des Internationalen Seegerichtshofs fordert „Sorgfaltspflicht“ und empfiehlt Fonds
Manganknollen: Mikroben als Starthilfe (20.05.2009)
Bio-Starter für Rohstoff-Ablagerungen in der Tiefsee enthüllt
Erfolgreiche Manganknollen-Ernte im Pazifik (19.12.2008)
Wissenschaftler erkundeten rohstoffreichen Manganknollengürtel zwischen Hawaii und Mexiko
Manganknollenjagd im Pazifik (28.10.2008)
Wissenschaftler erforschen Rohstoffquelle der Zukunft
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Tiefseegräben
Kohlebrände
Mineralien
Shale Gas
Dossiers zum Thema
Geheimnisvolle Manganknollen
Rohstoffjagd in Neptuns Reich
Brennendes Eis
Gashydrate - Energielieferanten der Zukunft
Black Smoker
Expedition zu den Geysiren der Tiefsee
Coltan
Ein seltenes Erz und die Folgen seiner Nutzung
Die Schlünde der Meere
Eine Reise in die Tiefseegräben
Tiefe Biosphäre
Rätselhafte Lebenswelt im "Keller der Erde"
Wunderwelt Ozean
Zehn Jahre Volkszählung im Meer - „Census of Marine Life“
News des Tages
Gibt es doch keine Dunkle Materie?
Bald Tiefseeabbau von Manganknollen?
Deutsche Badegewässer sauber wie nie
Exoplaneten wechselt die Seiten
Kinder lernen Geschlechterrollen im Spiel
„Nano- Fußbälle“ jetzt auch schichtweise
Selbstverteidigung von Moosen hilft gegen Schneckenplage
Bücher zum Thema
Nachrichten aus einem unbekannten Universum
Eine Zeitreise durch die Meere
Was sind die Energien des 21. Jahrhunderts?
Der Wettlauf um die Lagerstätten von Hermann-Josef Wagner
Der unsichtbare Kontinent
Die Entdeckung der Meerestiefe von Robert Kunzig
Minerale und Gesteine
Mineralogie - Petrologie - Geochemie von Gregor Markl
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Jeder Vierte stirbt an Krebs
3. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
4. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes