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Sonntag, 22.01.2017
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„Größte Reagenzgläser der Welt“ auf dem Weg in die Arktis

Expedition untersucht Folgen des Kohlendioxidanstiegs auf marine Ökosysteme

Zu einer insgesamt dreimonatigen Expedition sind jetzt Wissenschaftler und Umweltschützer gemeinsam in die Arktis aufgebrochen. Ziel ist es, den Einfluss des Klimawandels auf das ewige Eis, die Versauerung der Ozeane und die unkontrollierte Ausbeutung der Fischbestände zu untersuchen. Zum Einsatz kommen dabei auch die „größten Reagenzgläser der Welt“, ein weltweit einmaliges Langzeitexperiment, mit dem vor Ort die Auswirkungen der Versauerung auf die akrtische Organismenwelt erforscht werden soll.
Eisberg in der Arktis

Eisberg in der Arktis

Die Arktis gilt als besonders gefährdete Region, in der die Erderwärmung zu drastischen Änderungen der Umweltbedingungen führen wird. Aber nicht nur der Klimawandel macht der Arktis zu schaffen, auch die fortschreitende Ozeanversauerung trifft den Arktischen Ozean härter als andere Regionen. Ein internationales Forscherteam ist am 14. Mai gemeinsam mit Umweltschützern der Organisation Greenpeace zu einer insgesamt dreimonatigen Expedition in die Arktis aufgebrochen, um den Einfluss des Klimawandels auf das ewige Eis, die Versauerung der Ozeane und die unkontrollierte Ausbeutung der Fischbestände zu untersuchen.

Das etwa 80 Meter lange Greenpeace-Schiff „Esperanza“ wird Forscher und ihre umfangreiche Ausrüstung zunächst nach Spitzbergen transportieren, dann geht es weiter in die Barentssee und zur Fram-Straße. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace stellt ihre Schiffe bereits seit vielen Jahren immer wieder als Plattform für Forschungsarbeiten zur Verfügung.

Test der Mesokosmen in der Ostsee

Test der Mesokosmen in der Ostsee

Langzeitexperiment mit „Riesenreagenzgläsern“


Welche Folgen die durch den Klimawandel zunehmende Ozeanversauerung hat, untersuchen Wissenschaftler des Kieler Leibniz- Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) in einem mehr als fünfwöchigen Experiment vor der Küste Spitzbergens. Hier sollen mit Hilfe der weltweit größten Offshore- Mesokosmenanlage die Auswirkungen der zunehmenden Ozeanversauerung auf Meeresorganismen in einem Langzeitexperiment untersucht werden.


„Mit dieser mobilen Mesokosmenanlage können wir den Einfluss von Umweltveränderungen da untersuchen, wo wir die größten Risiken für die marinen Ökosysteme erwarten“, erklärt Projektleiter Professor Ulf Riebesell vom IFM-GEOMAR. Die „größten Reagenzgläser der Welt“ sehen schon an Land beeindruckend aus. Fast acht Meter hoch sind die Auftriebskörper, die für die notwendige Stabilität des eigentlichen „Wasserbehälters“ sorgen. Der besteht aus reißfestem, flexiblem Kunststoff und ist 17 Meter lang. 50.000 Liter Meerwasser fast jeder der neun Schläuche, die in die Auftriebskörper eingehängt und erst im Wasser entfaltet werden. Die Anlage ist weltweit einzigartig.

Karbonatsättigung entscheidender Faktor


„Im kalten Wasser der Polarmeere löst sich atmosphärisches CO2 besonders gut. Dies beschleunigt den Prozess der Ozeanversauerung in den hohen Breiten, die schon heute eine geringe Karbonatsättigung aufweisen“, erläutert Riebesell. Der Sättigungsgrad des Meerwassers für Karbonat ist ein wichtiges Maß für alle Kalk bildenden Organismen im Meer, hängt die Stabilität ihrer Kalkschalen und -skelette doch unmittelbar davon ab.

Jüngste Prognosen zeigen, dass bereits 2016 Teile der Arktis durch Ozeanversauerung im Winter untersättigt und somit korrosiv für Kalk sein werden. Noch vor 2050 wird mehr als 50 Prozent des Arktischen Ozeans ganzjährig karbonatuntersättigt sein. Dies wollen die Kieler Forscher in ihren neun Mesokosmen simulieren. „Aus Laborexperimenten wissen wir bereits, dass insbesondere Flügelschnecken, ein wichtiges Bindeglied im arktischen Nahrungsnetz, sehr empfindlich auf Ozeanversauerung reagieren“, so Riebesell. Jetzt wollen die Kieler Forscher gemeinsam mit Wissenschaftlern aus elf europäischen Instituten in ihren Mesokosmen untersuchen, welche Konsequenzen die Ozeanversauerung für arktische Lebensgemeinschaften hat.

Greenpeace-Forschungsschiff Esperanza in Kiel

Greenpeace-Forschungsschiff Esperanza in Kiel

Tiefsee-Kartierungen in der Barentssee


Das Experiment ist Teil einer mehr als dreimonatigen Expedition, in deren Rahmen Greenpeace gemeinsam mit Forschern verschiedene Aspekte des Klimawandels in der Arktis untersuchen sowie Daten zur Fischerei in hohen Breiten erheben wird. Die Crew der Esperanza wird in einem zweiten Expeditionsabschnitt in der nördlichen Barentssee die bisher unbekannte Tiefsee kartieren und Fischtrawler dokumentieren. Durch das zurückweichende Eis ziehen die großen Fischereiflotten immer weiter nordwärts an die neue "Eiskante” und wittern den Zugang zu neuen Fischgründen. In diesen Gebieten gibt es bislang keine Beschränkungen für die Fischerei. Mit ihren Grundschleppnetzen zerstören sie dort womöglich unentdeckte Naturwunder.

Meereisvermessung in der Fram-Straße


Bei der weiteren Fahrt untersuchen Wissenschaftler den Rückgang des arktischen Meereises. Gemeinsam mit Forschern aus dem britischen Cambridge soll das Meereis in der Fram-Straße zwischen Spitzbergen und Grönland vermessen werden. Weiterhin untersuchen Wissenschaftler des Woods Hole Institutes und der Universität Maine (USA) die rapide Gletscherschmelze auf Grönland. Im vergangenen Jahr fanden sie bereits erste Belege, dass warmes subtropisches Wasser bis in die Fjorde Grönlands dringt und dadurch die Gletscherschmelze von unten angetrieben wird.
(Leibniz-Institut für Meereswissenschaften, Greenpeace , 17.05.2010 - NPO)
 
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