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Dienstag, 24.05.2016
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Riesenschlange fraß Baby-Dino

Sensationeller Fossilfund enthüllt ungewöhnliche Ernährungsweise kreidezeitlicher Schlange

Die dreieinhalb Meter lange Schlange „Sanajeh indicus“ hatte eine gefährliche Leibspeise: Sie fraß die Eier der kreidezeitlichen Dinosaurier. Ein sensationelles Fossil hat die vor 67 Millionen Jahren lebende Schlange quasi auf frischer Tat konserviert und enthüllt so erstmals ihre ungewöhnliche Ernährungsweise. Über Fund und Interpretation des Fossils berichten Forscher jetzt in der Zeitschrift „PLoS Biology“.
Rekonstruktion von Schlange, Jungtier und Nest

Rekonstruktion von Schlange, Jungtier und Nest

Die entscheidende Entdeckung machte der Geologe Dhananjay Mohabey vom Geologischen Dienst Indiens schon in den 1980er Jahren: Er stieß in den 67 Millionen Jahre alten Sedimenten der Region Gujarat in Westindien auf ein sehr ungewöhnliches Fossil: ein stark verkrustetes Dinosaurier-Ei mit einigen Knochen drumherum. Wem diese Knochen gehörten, stellte sich jedoch erst 2001 heraus, als der Paläontologe Jeff Wilson von der Universität von Michigan zu Besuch kam.

„Ich sah die charakteristischen Wirbelverbindungen von Schlangen neben der Dino-Eierschale und anderen, größeren Knochen und wusste gleich, dass da ein ganz außergewöhnliches Fossil vor mir lag“, erzählt Wilson. „Aber ich wusste auch, dass wir das jetzt bearbeiten mussten.“ Mit dieser Feststellung begann eine Jahre dauernde Odyssee, bis das kostbare Fossil mit Hilfe weiterer Paläontologen und Schlangenexperten präpariert, analysiert und interpretiert worden war.

Die Grafik zeigt die Anordnung der Fossilien beim Fund

Die Grafik zeigt die Anordnung der Fossilien beim Fund

Schlange um Dino-Eier und Jungtier eingerollt


Jetzt aber tritt die im Fossil konservierte Szene klar zu Tage: Um ein gerade aufgebrochenes Ei liegt zusammengerollt eine Schlange, direkt daneben ein frisch geschlüpftes Dinosaurier-Junges. Die bisher unbekannte Schlangenart wollte das Jungtier offenbar gerade fressen, als eine vorzeitliche Katastrophe sie davon abhielt, beide tötete und sie für die Nachwelt konservierte. „Wir vermuten, dass das Junge gerade aus dem Ei geschlüpft war und dass dies die Schlange anzog“, erklärt Mohabey. Der Fund von anderen Exemplaren dieser Sanajeh indicus getauften Schlangenart ebenfalls in der Nähe von Dinosaurier-Nestern deutet daraufhin, dass das Reptil auf frisch geschlüpfte Junge und Eier als Nahrung spezialisiert gewesen sein könnte.


3,5 Meter lang und auf Dino-Junge spezialisiert


Obwohl die Dinosaurier, deren Jungtiere die Schlange fraß, zu den größten Tieren der Erde gehörten, begannen sie ihr Leben doch relativ klein, in diesem Fall war das frisch geschlüpfte Junge „nur“ einen halben Meter groß. Erst danach setzt ein rapider Wachstumsschub ein, der die Dinosaurier innerhalb eines Jahres aus der Reichweite der Riesenschlangen brachte.

„Sanajeh konnte das einen halben Meter große Jungtier verschlingen, weil sie selbst sehr groß war, sie maß fast 3,5 Meter“, erklärt Schlangenexperte Jason Head von der Universität von Toronto-Mississaugua. „Das deutet auf eine interessante evolutionäre Strategie der frühen Schlangen hin, ihre Körpergröße zu erhöhen um größere Beute fressen zu können.“

Fossilien im Sedimentblock

Fossilien im Sedimentblock

Sandsturm hielt die Szene fest


Aus der Dicke der bedeckenden Sedimentschicht und der Anordnung der Knochen schließen die Forscher, dass die Tiere damals sehr schnell von Staub oder Sand begraben wurden. „Die Eier lagen in losem Sand nahe einem kleinen Bach und waren von einer dünnen Sedimentschicht bedeckt“, so Mohabey. „Die Sedimentation war ungewöhnlich schnell und tief für diese Formation – ein Sandpuls, möglicherweise durch einen Sandsturm in Bewegung gebracht, hat die Anordnung vermutlich konserviert.“

Einblick in Evolution der „Großmaulschlangen“


Die neu entdeckte Schlangenart liefert darüber hinaus auch wertvolle Einblicke in die frühe Aufgliederung der Schlangen. Moderne Schlangen, die große Beute verschlingen, besitzen in der Regel nicht nur ein großes Maul, sondern auch bewegliche und dehnbare Schädel und aushängbare Kiefer, die ihnen das Herunterschlingen ermöglichen. Sanajeh dagegen hatte zwar schon ein großes Maul, die anderen Kennzeichen waren jedoch nur teilweise schon ausgeprägt. Damit bildet sie ein Zwischenglied in der Evolution dieses Schlangentyps. Ihr Fund belegt auch, dass der Indische Subkontinent länger mit den südlicher gelegenen Landmassen Gondwanas verbunden gewesen sein muss als früher angenommen. Denn ihre nächsten Verwandten lebten in Australien.
(University of Michigan, 04.03.2010 - NPO)