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Samstag, 20.03.2010
Gendefekt erhöht Selbstmord-Risiko
Mutationen im Rezeptorgen NTRK2 steigern die Wahrscheinlichkeit eines Suizidversuchs
Mutationen im Tyrosin Kinase 2 Rezeptor Gen (NTRK2) erhöhen das Risiko für einen Suizidversuch bei depressiven Menschen. Dies berichten jetzt Wissenschaftler in einer neuen Studie in der Fachzeitschrift „Archives of General Psychiatry“.

DNA
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© MMCD
Als Bindestelle für den Nervennährstoff BDNF - Brain Derived Neurotrophic Factor - besitzt NTRK2 danach eine wichtige Funktion zur zielgerichteten Netzwerkbildung von Nervenzellen und somit zur geordneten neuronalen Kommunikation. „Unsere Untersuchung weist erstmalig eine genetische Assoziation von NTRK2 mit Suizidverhalten nach und eröffnet uns damit detaillierte Studien um mögliche therapeutische Angriffspunkte an diesen Rezeptor zu identifizieren", erklärt die Medizinerin Elisabeth Binder vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie.

20 Millionen Selbstmordversuche pro Jahr?
Weltweit werden jährlich geschätzte zehn bis 20 Millionen Selbstmordversuche unternommen und circa eine Million Suizide vollzogen. In Deutschland waren es 9.402 Menschen, die sich 2007 das Leben nahmen. Das sind umgerechnet 1,1 Prozent aller Todesfälle. Bei den unter 30-Jährigen ist sogar jeder vierte Todesfall die Folge eines Suizidversuchs.

Die allgemeine lebenslange Wahrscheinlichkeit zum Suizidversuch wird mit drei bis fünf Prozent angegeben, wobei unter psychiatrischen Patienten höhere Zahlen ermittelt werden und fast ein Drittel der Patienten mit Depression einen Suizidversuch unternehmen. Zwillings- und Familienstudien legen nahe, dass Suizide und Suizidversuche eine genetische Grundlage haben, wobei diese unabhängig von möglichen psychiatrischen Erkrankungen sind.

Die Suche nach genetischen Unterschiedem
Martin Kohli und seine Kollegen vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie gingen deshalb in ihrer Untersuchung der Frage nach, ob genetische Unterschiede zwischen depressiven Menschen mit und ohne Suizidversuchen vorliegen. In ihrer Analyse konzentrierten sie sich auf die Gene des Nervennährstoffes BDNF und seines Rezeptors NTRK2, die nachweislich im Hirngewebe von Suizidopfern in geringeren Mengen vorkommen.

Zunächst untersuchten die Forscher Variationen in einzelnen Gen-Bausteinen bei 366 gesunden Personen und 394 Patienten mit verschiedenen Gemütserkrankungen, von denen 113 Suizidversuche unternommen hatten. Während im BDNF Gen keine signifikanten Unterschiede entdeckt werden konnten, wurden im NTRK2 Gen gleich drei Genvarianten identifiziert, die mit einem erhöhten Risiko zum Suizidversuch assoziiert sind.

Tatsächlich steigt nach Angaben der Wissenschaftler bei Depressiven das Risiko zu Suizidverhalten um das 4,5-fache an, wenn alle drei ungünstigen Genvarianten zusammen wirken.

Prävention und Therapie verbessern
Zusätzliche Studien an einer deutschen Patientengruppe mit 744 Depressiven und einer 921 Personen umfassenden afrikanischen nichtpsychiatrischen Patientengruppe, von denen 152 bzw. 119 Suizidversuche aufwiesen, kamen zu dem gleichen Ergebnis.

Aufgrund der Unterschiede der untersuchten Patienten hinsichtlich ihrer Diagnose und Herkunft und der nicht nachweisbaren Assoziation zwischen Suizidversuchen und der Depressionserkrankung an sich, scheinen die entdeckten Mutationen im NTRK2 Gen spezifisch für Suizidverhalten zu sein, so die Forscher. Sie hoffen mit den neuen Ergebnissen neben der Ursachenforschung auch die Prävention und Therapie der Betroffenen langfristig verbessern zu können.
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