Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Samstag, 11.02.2012
Asteroid Steins: Fliegende Schutthalde in Diamantform
Raumsonde Rosetta enthüllt Gestalt des Kleinplaneten
Im Fernrohr ist der Kleinplanet Steins ein unscheinbares Lichtpünktchen. Bei näherem Hinsehen entpuppt er sich aber als eine Art Schutthalde mit diamantähnlicher Form und großen Kratern auf der Oberfläche. Dies haben Max-Planck-Forscher jetzt mithilfe des Kamerasystems OSIRIS an Bord der europäischen Raumsonde Rosetta enthüllt. Sie berichten über ihre Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Science“.

Steins
Steins
© ESA 2008 MPS für das OSIRIS Team (MPS/UPD/LAM/IAA/ RSSD/INTA/UPM/DASP/IDA) Steins
Die neuen Bilder, die während eines Vorbeifluges der Sonde gewonnen wurden, zeigen, dass der Asteroid Steins kein großer Gesteinsbrocken ist, sondern vielmehr eine Ansammlung vieler kleiner, einzelner Trümmer darstellt. Das würde auch seine konische, diamantähnliche Form erklären, die offenbar durch YORP verursacht wurde.

Ungewöhnlicher YORP-Effekt
Diese Abkürzung steht für den Yarkovsky-O'Keefe-Radzievskii-Paddack-Effekt und beschreibt die Wirkung der Sonnenstrahlung auf einen kleinen Himmelskörper, etwa einen Planetoiden. Die Sonne heizt dessen Oberfläche auf; wird die Wärme als Strahlung wieder abgegeben, entsteht ein geringes Drehmoment. Dadurch kann sich die Rotationsgeschwindigkeit verlangsamen oder beschleunigen, die räumliche Lage der Rotationsachse verändern – und schließlich auch die Gestalt des Planetoiden, so die Forscher.

„Die detaillierte Analyse unserer Bilder weist darauf hin, dass der YORP-Effekt auch bei Asteroiden im Hauptgürtel eine entscheidende Rolle spielen kann. Dies war bisher nicht klar“, sagt Horst Uwe Keller vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung unter dessen Leitung die OSIRIS-Kamera entwickelt und gebaut wurde.

Vorbeiflug mit nur 800 Kilometer Abstand
Die europäische Raumsonde Rosetta flog am 5. September 2008 in einem Abstand von nur 800 Kilometern am Asteroiden (2867) Steins vorbei. Die Geschwindigkeit bei diesem flüchtigen Rendezvous betrug 30.000 Kilometer pro Stunde. Steins ist ein etwa 5,3 Kilometer großes Objekt im Asteroidengürtel zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter, wo sich mehr als 400.000 solcher Himmelskörper tummeln.

Er gehört zu den seltenen E-Typ Asteroiden, deren Oberflächen aus dem Mineral Enstatit bestehen und die ein relativ hohes Rückstrahlvermögen – Albedo - besitzen, das heißt, relativ hell sind.

Rosetta-Ziel: Komet 67P/Churyumov-Gerasimenko
Rosetta wurde an Bord einer Ariane 5-Rakete im Jahr 2004 gestartet und wird ihr eigentliches Ziel, den Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko, erst 2014 erreichen. Die Raumsonde soll in eine Umlaufbahn um den Kometen einschwenken und ein Landegerät namens Philae erstmals in der Geschichte der Weltraumforschung auf einem Kometenkern absetzen. Rosettas verschlungene Bahn führt unter anderem durch den Asteroidengürtel.

An dem außergewöhnlichen Projekt arbeiten Wissenschaftler aus 14 europäischen Nationen sowie Forscher aus Kanada, USA und Australien, darunter die drei Max-Planck-Institute für Sonnensystemforschung (Katlenburg-Lindau), Chemie (Mainz) und extraterrestrische Physik (Garching). An Bord von Rosetta und Philae befinden sich elf beziehungsweise neun wissenschaftliche Instrumente zur Untersuchung des Zielkometen.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Asteroiden, Steins, Kleinplanet, Diamant, Raumsonde, Rosetta, All, Kosmos, Universum, Krater, Oberfläche
Weitere News zum Thema
Aids-Studie ist wissenschaftlicher Durchbruch des Jahres (23.12.2011)
Fachmagazin "Science" listet die zehn wichtigsten Erkenntnisse 2011
Asteroid schubste Merkur in heutigen Tag-Nacht-Rhythmus (12.12.2011)
Einschlag könnte Rotation des Planeten entscheidend verändert haben
Asteroid Lutetia Zeuge der Geburtsstunde der Erde (14.11.2011)
Himmelskörper entstand in den innersten Bereichen des Sonnensystems
Asteroid Lutetia als Urgestein im All (31.10.2011)
Himmelskörper könnte Überbleibsel aus der frühen Phase des Sonnensystems sein
Erde: Kometen lieferten mehr Wasser als gedacht (06.10.2011)
Wissenschaftler entdecken Schweifstern dessen Wasser dem auf der Erde gleicht
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Kometenstaub
Die Dawn-Mission
Planeten
Dossiers zum Thema
Rosetta
Auf der Jagd nach dem Kometen
Kometen
Rätselhafte Vagabunden im Weltraum
Meteoriten
Gefahr aus dem All
Außenseiter im Sonnensystem
Pluto – ein Kleinplanet mit Geheimnissen
Kosmischer Staub im Nano-Labor
Ein Blick in die Kinderstube des Sonnensystems
Dawn – auf dem Weg zum Asteroidengürtel
Start der Weltraummission zur Erkundung von Vesta und Ceres
Phoenix auf dem Roten Planeten
NASA-Raumsonde sucht nach Wasser und Leben in der marsianischen Arktis
Diamanten
Hochkarätiges aus dem Bauch der Erde
News des Tages
Asteroid Steins: Fliegende Schutthalde in Diamantform
Den Goldenen Schnitt gibt es auch in der Quantenwelt
Weltrekord bei der Primfaktorzerlegung
Hyperaktives Protein fördert Tumorwachstum
Sumatratiger beim Familienausflug erwischt
Muskel setzt auf Müllabfuhr statt auf Recycling
Nervenzellen: "Knochen" wachsen überall
Bücher zum Thema
Chaos im Universum
Astereoiden und Kometen - Fremde Welten - Theorien über das Chaos von Joachim Bublath
Der Weltraum
Planeten, Sterne, Galaxien von Heather Couper & Nigel Henbest
Was zu entdecken bleibt
Über die Geheimnisse des Universums, den Ursprung des Lebens und die Zukunft der Menschheit von John R. Maddox
Hawkings neues Universum
Raum, Zeit und Ewigkeit von Rüdiger Vaas
Verborgenes Universum
von Lars Lindberg Christensen, Robert Fosbury und Robert L. Hurt
Das Sonnensystem
Planeten und ihre Entstehung von Bernd Lang
Armageddon
Der Einschlag von Nadja Podbregar, Ralf Blasius, Harald Frater und Stefan Schneider
Diamant
Zauber und Geschichte eines Wunders der Natur von Alois Haas und Horst Schneider
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Jeder Vierte stirbt an Krebs
3. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
4. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes