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Samstag, 11.02.2012
Wie Viren Fieber auslösen
Studie erhellt Zusammenhang zwischen Grippeerregern und hohen Temperaturen
Ein auffälliges Kennzeichen der „Neuen Grippe“ oder „Schweinegrippe“ ist plötzlich auftretendes hohes Fieber. Bislang wusste man nicht genau, wie diese Reaktion zustande kommt. Forscher haben nun mit einer neuen Studie Licht ins Dunkel gebracht: Sie identifizierten einen bisher unbekannten Signalweg über den bestimmte Viren Entzündungsreaktionen und Fieber auslösen können.

Virus der Schweinegrippe neuen Typs: Influenza A H1N1
Virus der Schweinegrippe neuen Typs: Influenza A H1N1
© CDC Virus der Schweinegrippe neuen Typs: Influenza A H1N1
Die Wissenschaftler der Universität Bonn, der Technischen Universität München und der LMU München berichten über ihre Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature Immunology“.

Feindliche Übernahme
Viren sind mikroskopisch kleine Schmarotzer: Sie schleusen ihr Erbgut in die Zellen ihres Opfers ein, um diese so „umzuprogrammieren“. Die infizierten Zellen produzieren dann nicht mehr das, was sie selbst zum Leben brauchen, sondern bauen stattdessen jede Menge neue Viren.

Diese feindliche Übernahme bleibt zum Glück meist nicht unbemerkt. Dafür sorgen zelleigene Sensoren, die fremdes genetisches Material erkennen. Einer davon ist das so genannte RIG-I. Wenn RIG-I auf Viren-Erbgut stößt, sorgt es dafür, dass der Körper Interferon ausschüttet. Das Interferon versetzt seinerseits Killerzellen in Kampfbereitschaft, die die befallenen Zellen vernichten.

RIG-I spielt wichtige Rolle bei der Virenabwehr
Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. „Unseren Ergebnissen zufolge spielt RIG-I wohl eine viel zentralere Rolle bei der Virenabwehr als bislang gedacht“, erklärt Dr. Jürgen Ruland vom Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. So gehen viele Virusinfektionen mit hohem Fieber einher – so etwa auch die Grippe. Die Interferon-Ausschüttung allein kann dieses Symptom nicht erklären.

Auslöser von Fieber sind meist Entzündungsbotenstoffe, so genannte Zytokine. „Wir konnten nun erstmals zeigen, dass RIG-I im Falle einer Virusinfektion auch die Produktion eines zentralen Zytokins ankurbelt“, erklärt Dr. Hendrik Poeck, der sich zusammen mit seinen Kollegen Dr. Michael Bscheider und Dr. Olaf Groß die Erstautorenschaft der Studie teilt. Die Rede ist vom Interleukin 1, dem wohl wichtigsten Entzündungsbotenstoff, den man heute kennt.

Sorgen Zytokine für schwerere Krankheitsverläufe?
Wenn RIG-I mit Viren-Erbgut in Kontakt kommt, bewirkt es zweierlei: Zum einen sorgt es dafür, dass bestimmte Immunzellen massenhaft Pro-Interleukin produzieren – das ist der Vorläufer von Interleukin 1. Gleichzeitig aktiviert es über einen komplizierten Signalweg ein Enzym, das Pro-Interleukin in Interleukin 1 umwandelt. „Dieses Interleukin 1 sorgt dann für die typischen Symptome einer Virusinfektion wie Fieber oder Schüttelfrost“, erläutert Professor Dr. Veit Hornung vom Universitätsklinikum Bonn.

Noch wissen die Forscher nicht, wie wichtig dieser neu entdeckte Immunmechanismus für die erfolgreiche Abwehr des Virus ist. Eventuell hat die Interleukin-Ausschüttung mitunter sogar negative Folgen: „Es gibt die Hypothese, dass eine Überproduktion von Zytokinen zu extrem schweren Verläufen von Viruserkrankungen führen kann“, sagt Professor Dr. Gunther Hartmann. Möglicherweise können daher Medikamente, die einen solchen „Zytokin-Sturm“ verhindern, den Krankheitsverlauf mildern.
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