Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Haben Korallen heilende Kräfte?
Schutz vor bösen Geistern und Wundermittel gegen fast alles

Korallen wurden schon immer erstaunliche Schutz- und Heilfunktionen nachgesagt, weshalb Korallenstücke auch häufig in "magischen" Amuletten oder anderen Schmuckstücken wieder zu finden sind.

Koralle 
Koralle
© NOAA
Bereits im alten Ägypten waren Korallen als Grabbeigabe üblich, um die Toten auf dem Weg ins Jenseits vor bösen Geistern zu bewahren. Auch bei den Griechen galten Korallen als Wundermittel. Dioskurides - ein griechischer Arzt - schrieb vor allem der Roten Edelkoralle besondere Heilwirkungen zu. So soll sie unter anderem adstringierend, das heißt zusammenziehend, und gegen Blutauswurf gewirkt haben. Zur Zeit des Mittelalters wurden dann aus Edelkorallen Lebenselixiere, geheimnisvolle Abwehrmittel und Allheilmittel gemixt und gebraut. Im asiatischen Raum waren Korallen vor allem als Stärkungsmitteln bekannt.
Die Schutz- und Heilfunktionen sind allerdings unterschiedlich, und hängen von der jeweiligen Korallenart ab.

Auch heute noch gelten Wirkstoffe in Korallen als besonders wirksam, vor allem gegen Aids und Krebs. Forscher sind überzeugt, dass die winzigen Lebewesen in Millionen von Jahren natürliche chemische Waffen gegen alle möglichen Einflüsse entwickelt haben und unter anderem Zellen töten können.

Kleinere Erfolge auf der Suche nach neuen Wirkstoffen im Great Barrier Reef gab es bereits: Australische Forscher entdeckten in Korallen ein natürliches Herbizid zur optimalen Herstellung von Sonnenschutzmitteln. Dieses schützt die von der Ebbe freigelegten Korallen vor dem Verbrennen in der aggressiven tropischen Sonne. Außerdem stellten Wissenschaftler bereits fest, dass das Gift einer besonderen Art der Kegelschnecke wirksam bei Gürtelrosen, Nervenverletzungen und neuropathologischen Tumoren ist. Manche dieser Gifte können allerdings für den Menschen auch tödlich sein.

Eine medizinische Meisterleistung ist britischen Ärzten gelungen. Sie spritzten Zellen eines Patienten in ein poröses Korallengerüst, das die ungefähre Form eines Daumenknochens hatte und bildeten so ein verlorenes Daumenglied nach. Bei einer Gewebeentnahme nach zehn Monaten bestand ein Großteil des Implantats immer noch aus Korallen, aber es hatte sich auch schon neuer Knochen gebildet. Der neue Daumen ist zwar nicht so stabil wie ein "richtiger" Daumen, aber diese Methode der Nachzüchtung von knochigen Gliedern und Implantaten ist vielversprechend.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Great Barrier Reef
Bedrohte Wunderwelt des Meeres
Tückische Gefahr im kristallklaren Wasser
Wo liegt das Riff und wie kam es zu seinem Namen?
Das größte Lebewesen unserer Zeit
Sogar vom Mond aus ist es noch zu erkennen...
Die Riff-Baumeister
Korallenpolypen, Kalkskelette und Korallenstöcke
Leben auf einem toten Kern
Stadien des Riffwachstums
Ganz schön anspruchsvoll...
Die Lebensbedingungen der Korallen
Was für Rifftypen gibt es?
Schon Darwin kannte sie
Wer hier alles so lebt...
Von bizarren Korallen und bunten Fischen
Gefahren lauern überall
Vorsicht vor Haien, Krokodilen und box jelly-fish
Ein Klimaphänomen lässt Korallen erblassen
El Nino und seine Folgen
Von Eingriffen des Menschen...
...und wie man Riffe wiederherstellen kann
Haben Korallen heilende Kräfte?
Schutz vor bösen Geistern und Wundermittel gegen fast alles
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen