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Heilige Pferde
Die Przewalski-Pferde und ihr Niedergang

Bei uns sind sie als Urwildpferde oder auch Przewalski-Pferde bekannt - benannt nach dem russischen Entdecker Nikolai Przewalski, der 1878 von einer Reise nach Zentralasien Schädel und Haut dieser Pferdeart nach St. Petersburg brachte und die Art erstmals genauer beschrieb. Die Mongolen nennen diese Wildpferde ihrer Heimat allerdings Takhi, was soviel heißt wie heilig. Das gelblich- bis rötlich-braune, gedrungene Pferd mit der Stehmähne war Jahrtausende lang ein typischer Bewohner der Steppen und Wüstensteppen Asiens.

Als Heinrich Harder 1912 dieses Bild malte, standen die Przewalski-Pferden schon kurz vor dem Aussterben. 
Als Heinrich Harder 1912 dieses Bild malte, standen die Przewalski-Pferden schon kurz vor dem Aussterben.
© Heinrich Harder  Als Heinrich Harder 1912 dieses Bild malte, standen die Przewalski-Pferden schon kurz vor dem Aussterben.
Schon Dschingis-Khan soll auf seinen Eroberungszügen diesen Wildpferden in der Steppe begegnet sein. Im Jahr 1226 soll, so sagt es die Überlieferung, das Reitpferd des Mongolenherrschers gescheut haben, als sie einer Herde Przewalski-Pferde begegneten. Trotz seiner überragenden Reitkünste soll Dschingis Khan dabei sogar vom Pferd gestürzt sein. Dass die Przewalskis eher als Wildtiere denn als zähmbare Reittiere galten, zeigt auch der Bericht über einen Mandschurenkaiser, der 1750 eine große Jagdexpedition ausrichtete und dabei 200 bis 300 Wildpferde erbeutet haben soll.

Verdrängt in karge Halbwüste
Der natürliche Lebensraum der Przewalski-Pferde waren einst die gesamten Steppen Zentralasiens. Doch schon zur Zeit von Nikolai Przewalski hatte der Mensch die Wildpferde aus den fruchtbareren Gebieten verdrängt. Sie kamen bereits Ende des 18. Jahrhunderts vor allem in der Dschungarei vor, einem in der Mongolei liegenden Grenzgebiet zur Wüste Gobi. Dort ist es alles andere als üppig und mild. Stattdessen wird es in den eher kargen, windigen Ebenen im Sommer bis zu 40 Grad heiß, im Winter herrschen frostige minus 15 Grad und weniger. Regen fällt - wenn überhaupt, dann nur im Sommer, entsprechend dünn ist der Pflanzenwuchs. Nur einige Gräser, eine Wermutart und der Saxaulstrauch trotzen den widrigen Bedingungen. Für die Pferde heißt dies: Dem kargen Bewuchs hinterher wandern oder verhungern.

 Sand, Steine und Saxaulsträucher - karge Landschaft in der Dschungarei
Sand, Steine und Saxaulsträucher - karge Landschaft in der Dschungarei
© He-ba-mue / CC-by-sa 2.5 us  Sand, Steine und Saxaulsträucher - karge Landschaft in der Dschungarei
Und selbst in diesem ohnehin schon kargen Gebiet wurde der Mensch immer mehr zur Bedrohung für das letzte asiatische Wildpferd. "Die Przewalski-Pferde wurden als Fleischlieferanten gejagt und ihr natürlicher Lebensraum, die Steppen, wurden mehr und mehr in Weideland für Rinder und Schafe umgewandelt - den Pferden blieb dadurch im Prinzip kein Raum mehr, um zu leben und sich zu vermehren", erklärt Kateryna Makova von der Penn State University, die die Herkunft dieser Wildpferde erforscht. 1948 und 1956 trugen zwei extrem harte Winter vermutlich dazu bei, die Bestände dieser Wildpferde noch weiter zu reduzieren.

"In den späten 1950er Jahren waren nur noch zwölf einzelne Przewalski-Pferde übrig geblieben", berichtet Makova. Das allerletzte freilebende Wildpferd wurde 1968 in der Mongolei gesichtet - im Gebiet des strengen Naturreservats Great Gobi B. Seit dieser Zeit galt das Przewalski-Pferd als in der freien Natur ausgestorben.

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