Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Montag, 21.05.2012
Zeitgeber Mond
Mondwesen in der Südsee

Das Leben der meisten Pflanzen und Tiere ist von Zyklen und Rhythmen bestimmt. Viele wichtige Zeitgeber werden von der Sonne angegeben. Über die Gezeiten der Meere herrscht jedoch fast ausschließlich der Mond. Damit ist er für Lebewesen, die nahe der Meeresoberfläche und vor allem für jene, die im Gezeitenbereich leben, ein bedeutender Zeitgeber.

Winkerkrabbe 
Winkerkrabbe
© Imageobserver  Winkerkrabbe
Einige Tierarten wurden bereits auf ihre »Mondtauglichkeit« untersucht, wobei beobachtet wurde, dass Arten der Gezeitenzone, die lunare Rhythmen von Ebbe und Flut angenommen hatten, um ihren Tagesablauf ungefährlich gestalten zu können. Beispielsweise verlässt die Winkerkrabbe bei Niedrigwasser ihre Höhle, um auf Nahrungssuche zu gehen. Rechtzeitig mit dem Herannahen der Flut begibt sie sich wieder in die schützende Höhle. Dieser Rhythmus verhindert, dass das Tier von der Flut überrascht und ins Meer gespült wird, was tödlich wäre.

Vollmond beeinflusst Fortpflanzung
Tiere, die im tieferen Wasser wohnen, orientieren ihre Fortpflanzung gerne am Mond. Im Meer ist es das einfachste, seine Fortpflanzungszellen einfach in den Wasserkörper abzugeben und darauf zu vertrauen, dass männliche und weibliche sich irgendwann treffen. Diese Methode ist nicht sehr aufwendig, doch ganz ohne Synchronisation wäre sie doch zu unsicher. Der Palolo-Wurm lebt in der Südsee in Korallenriffen. Jedes Jahr in der siebten Nacht nach dem ersten Vollmond nach Herbstbeginn stoßen tausende Würmer ihre mit Eiern oder Spermien gefüllten Hinterenden - die »Palolos« - ab, deren Hüllen an der Meeresoberfläche platzen, Eizellen und Spermien vermengen sich.

»Der Zyklus des Palolo-Wurmes war schon sehr früh bekannt, weil die Palolos bei den ansässigen Fischern als Delikatesse gelten«, so der Wiener Zoologe Ewald Gingl. »Doch auch Fische werden von diesem überwältigenden Nahrungsangebot angelockt. Wäre der Zyklus des Palolo-Wurmes da nicht exakt festgelegt, so würden nach und nach alle Palolos gefressen werden. Dieses plötzliche Überangebot überfordert selbst die Fressfeinde.«

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Die Macht des Mondes
Nur Mythen, Märchen und Magie?
Der Tanz im Mondlicht
Weisheiten der Mondmagie
Quell des Lebens
Gezeiten in der Ursuppe?
Das Auf und Ab der Meere
Der Mond und die Gezeiten
Bei Vollmond sind alle Katzen grau...
Warum erscheint das Mondlicht so fahl?
Helle Nächte ohne Schlaf
Beeinflussst der Mond den Biorhythmus des Menschen?
Zeitgeber Mond
Mondwesen in der Südsee
Der Mond und die Frauen...
Zusammenhang von Mondphasen und Menstruationszyklus?
Wetterfühlig statt mondsüchtig?
Alles eine Frage der Wahrnehmung...
Top-Diaschauen
Tiefseegräben
Bernstein
GAU in Fukushima
Das Geheimnis der Elemente
Weltraumschrott
Aktuelle Dossiers
Neutrinos
Den Geisterteilchen auf der Spur
Der unsichtbare Baumeister
Wind als Urheber von Staubstürmen, Singdünen und Felskulpturen
Der virtuelle Patient
"Gesundheit 2050" - Preisgekrönter Beitrag zum Essay-Wettbewerb
Informationsspeicher Gehirn
Den Mechanismen des Lernens auf der Spur
Titanic: Untergang eines Mythos
Spurensuche hundert Jahre nach der Katastrophe
Kräfte zwischen Kern und Kruste
Der Entstehung des Süddatlantik auf der Spur
Lego mit Lebensbausteinen
Was ist synthetische Biologie?
Bestens eingefügt
Anpassung an einen Lebensraum – die Schleiereule als Modelltier
Die zivilen Verwandten der Seekrieger
Ein echter Knochenjob
CeBIT 2012
Neues aus der Welt des digitalen Arbeitens und Lebens