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Freitag, 10.02.2012
...ein unendlicher Ablauf ohne Ende?
Kant und Hutton gegen Abraham Werner und das statische Weltbild

James Hutton 
James Hutton
© USGS
Wegeners Theorie setzte im Prinzip eine Entwicklung fort, die bereits im 18. Jahrhundert ihren Anfang genommen hatte: Bis zu diesem Zeitpunkt herrschte unangefochten das statische christliche Weltbild. Die Erde war in einem göttlichen Schöpfungsakt einmal erschaffen worden und blieb nun so wie sie war.

Zwar hatten Geologen zu diesem Zeitpunkt bereits erste Hinweise darauf gefunden, dass die Erde in der Vergangenheit wohl anders ausgesehen haben musste, als in der Gegenwart, doch diese erdgeschichtliche Entwicklung wurde als abgeschlossen angesehen. Auch der deutsche Geologe Abraham Gottlob Werner war der Meinung, die Erdgeschichte sei einmalig und unwiederholbar und habe nur das Ziel gehabt, den gegenwärtigen Zustand herzustellen.

Doch es gab erste Gegenstimmen. Der Philosoph Immanuel Kant schrieb 1755 in seiner "Allgemeinen Naturgeschichte und Theorie des Himmels": "Die Schöpfung ist niemals vollendet. Sie hat zwar einmal angefangen, aber sie wird niemals aufhören. Sie ist immer geschäftig, mehr Auftritte der Natur, neue Dinge und neue Welten hervor zu bringen...". Der englische Geologe und Naturforscher James Hutton vertrat eine ähnliche Auffassung: Er glaubte, Gott habe zwar die Welt nach seinem Bilde geschaffen, er habe aber nach der Schöpfung die Herrschaft an die Naturgesetze abgetreten. Diese, so Hutton, walteten und walten ziellos, die Gegenwart sei daher nur ein momentanes Bild im unendlichen Ablauf ohne Ende.

Inzwischen ist klar, dass Abraham Werner komplett falsch lag und Hutton recht hatte. Nichts desto trotz hatte Werner damit dennoch der Geowissenschaft einen großen Dienst erwiesen. Durch seine mit Vehemenz vertretenen Positionen sorgte er dafür, dass auch die Öffentlichkeit begann, die Bedeutung dieser noch relativ jungen Wissenschaft zu erkennen.

Sein Verdienst wird daher heute weniger in der von ihm vertretenen konkreten Theorie gesehen, als vielmehr in seinem Bestreben, neue Impulse in der Geoforschung publik zu machen. Denn, wie es Rüdiger Proske in seinem Buch "Geologie, die uns angeht" beschreibt: "Der Anstoß zur Wahrheitsfindung ist nicht weniger wert als die Wahrheit selbst." Werner gilt darum noch heute als der Begründer der Geologie in Deutschland.

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