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Freitag, 10.02.2012
Roboter retten Leben
Hilfe im Katastrophenfall

Scorpion im  
Scorpion im "Gelände"
© Harald Frater  Scorpion im
Sie können sehen, laufen, fahren und kriechen. Können nach Menschen suchen, wo kein Rettungshelfer oder Spürhund hinkommt, brauchen weder Luft zum Atmen noch eine Überlebenschance. Roboter sind die Katastropheneinheit von Morgen. Aber wie kann ihre Hilfe im konkreten Fall aussehen?

Nach einem Erdbeben beispielsweise beginnen die Schwierigkeiten der Rettungskräfte schon mit ihrem ersten Schritt am Einsatzort: Sie müssen in das Zentrum der Gefahr, um nach möglichen Opfern zu suchen. Feuerwehrmänner rennen in brennende Häuser und Sanitäter wagen sich in die zusammengestürzten Überreste eines Bürogebäudes – ohne das Risiko für das eigene Leben genau abschätzen zu können. Ohne zu wissen, ob überhaupt noch Überlebende auf ihre Hilfe warten, oder sie ihr Leben umsonst aufs Spiel setzen.

Doppelte Sicherung
Die technischen Hilfsmittel sichern daher gleich im doppelten Sinne Leben: die Verletzten und den Retter. Bisher untersuchen Feuerwehrmänner vom Einsturz gefährdete Räume meist mit Kameras an Teleskopstöcken. Die Rettungsroboter dagegen können sich weiter vorwagen und das ganze Stockwerk gründlich und gefahrlos nach Opfern absuchen. Dabei misst der mechanische Helfer auf seinem Weg die Lufttemperatur, den Sauerstoffgehalt und mit neuester Technik sogar die Statik der Räume, so dass die Rettungskräfte das Einsatzgebiet in unterschiedliche Gefahrenzonen unterteilen können. Findet der Roboter ein verletztes Opfer, funkt er der Leitstelle die Position, damit sich Bergungsspezialisten anhand seiner Umgebungskarte einen möglichst sicheren Weg bahnen können.

KURT 3D im Test 
KURT 3D im Test
© Fraunhofer AIS
Doch damit beginnt für die Rettungsroboter erst die eigentliche Aufgabe: die Versorgung der Verletzten. Zur Grundausstattung gehört dafür in der Regel ein Funkgerät, das als Richtmikrophon nach menschlichen Geräuschen sucht und es den Sanitätern ermöglicht, mit einem ansprechbaren Opfer Kontakt aufzunehmen. In Zukunft allerdings werden die Roboter auch Erste Hilfe und eine Kurz-Diagnose durchführen.

Roboter als Sanitäter
Zunächst sollen medizinische Instrumente anhand von Puls oder Atmung den Gesundheitszustand des Opfers klären, damit die Rettungskräfte ihr Leben nicht für die Bergung eines Toten riskieren. Bislang noch eine Zukunftsvision, präsentierte 2004 eine amerikanische Firma in Zusammenarbeit mit CRASAR die ersten Sensor zur Messung von Lebensfunktionen in Notsituationen. Der Roboter drückt den Sensor in Größe einer Münze auf die Haut und misst damit Puls und Blutdruck. Mit einem zweiten Messgerät analysiert er die Atemluft des Patienten auf den Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalt, womit etwa ein Koma des Patienten festgestellt werden könnte. Entweder er funkt die Messungen dem medizinischen Rettungspersonal oder entscheidet selbst anhand von Grenzwerten, in welchem Zustand sich das Opfer befindet.

Ist der Verletzte noch bei Bewusstsein, versorgt der Roboter ihn mit Wasser, Nahrung und Sauerstoff, bis die Behandlung durch medizinisches Personal beginnt. Seitdem Präzisionsarbeit auf dem Operationstisch schon von Robotern durchgeführt wird, ist eine sogar noch weitergehende Ausstattung mit medizinischem Material für die Roboterteams durchaus vorstellbar.

Das bekommt jedoch längst nicht jeder Roboter. Damit ihre Mitarbeit bei Rettungsaktionen aber hilfreich und sinnvoll ist, wurden Mindestanforderungen festgelegt. CRASAR entwickelt in Zusammenarbeit mit der amerikanischen Homeland Security Behörde und dem National Institute for Standards and Technology eine Checkliste, die Roboter auf ihre Tauglichkeit für solche Einsätze überprüfen soll. Für seine eigene Notfall-Einheit hat CRASAR bereits einen solchen Kriterienkatalog aus ihren bisherigen Erfahrungen in Katastrophengebieten erstellt.

Im Ernstfall bewährt
 CRASAR-Roboter im WTC
CRASAR-Roboter im WTC
© CRASAR
Während des Einsatzes 2001 am World Trade Center etwa, bewährte sich vor allem die Micro-Serie. Große und schwere Roboter konnten die Trümmer weder unterlaufen noch überklettern und ließen sich auch nur schwer von einem Einsatzort zum nächsten transportieren. Nicht zuletzt wegen der dichten Staubwolken setzte Robin Murphy, die Leiterin von CRASAR, nur ferngesteuerte Roboter ein. Die Orientierung autonomer Maschinen ist ihr noch zu unsicher und die Laser hätten womöglich in dem Staub nicht richtig funktioniert. Überhaupt war der Einsatz für Murphy eher ernüchternd: „Die meisten der Roboter waren noch nicht entwickelt genug, um in dem Chaos zurecht zu kommen“.

Auf ihrer Liste stehen daher bis jetzt nur Roboter, die durch ein Kommando-Team über den Bildschirm gesteuert werden. Kleine tragbare Maschinen, die in Zukunft kabellos am besten 90 Stunden, aber mindestens 20 Stunden ohne Strom im Einsatz bleiben können. Neben Licht, Video, Mikrophon und Wärmebildkamera steht Robin Murphy jetzt auch schon der Prototyp des medizinischen Sensors zur Verfügung. Nur das selbstständige Arbeiten ist aus ihren Augen noch in weiter Ferne.

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