• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Donnerstag, 20.09.2018
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Mozart oder Madonna?

Schöne Musik

Es war bestimmt kein einfaches Konzert, das Johann Sebastian Bach seinen Zuhörern mit der "Kunst der Fuge" zumutete. Ähnlich irritierend wie ein abstraktes Gemälde gegenüber realistischen Darstellungen wirkt, mag diese neue Musik gewirkt haben, in der nicht der Inhalt, sondern vielmehr die Mathematik durch genau definierte Intervalle und geometrische Ordnungen im Vordergrund stand. Auch Pythagoras hatte bereits den Zusammenhang von Musik und Geometrie erkannt, als er eine Saite um genau die Hälfte verkürzte und auf diese Weise einen Ton erzeugte, der eine Oktave höher lag.

Partitur

Partitur

Musik bleibt nicht ohne Wirkung - bestimmte Musik lässt Pflanzen besser wachsen und regt die Milchproduktion bei Kühen an. Im Vergleich zu visuellen Eindrücken beeinflusst sie beim Menschen das vegetative Nervensystem stärker und spricht daher viel eher Emotionen und Erinnerungen an. Tatsächlich werden durch Musik jene Teile im Emotionssystem des Gehirns stimuliert, die auch von Sex oder einem guten Essen angeregt werden. Bestimmte Musik, die bei jedem Menschen verschieden ist, kann also Glücksgefühle auslösen und einen Schauer über den Rücken laufen lassen.

Während der evolutionäre Sinn eines angenehmen Gefühls bei der Nahrungsaufnahme oder der Fortpflanzung auf der Hand liegt, bleibt allerdings noch ungeklärt, welchen Vorteil das Hören von Musik bietet. Die Musiktherapie geht davon aus, dass bestimmte Musik dabei hilft, unterdrückte Emotionen freizusetzen und somit positiv auf das psychische Wohlbefinden wirken.

Auch wenn jeder einen anderen Musikgeschmack hat - einige Gemeinsamkeiten bei der Beurteilung der Ästhetik eines Tons gibt es doch. So wird zum Beispiel ein reiner Sinuston zunächst als schön, dann aber zunehmend als langweilig empfunden. In der Regel erzeugt sowieso kein Instrument einen reinen Sinuston ohne Oberschwingung. Sobald die Frequenzen dieser Obertöne ganzzahlige Vielfache der Grundtonfrequenz sind, wird der Ton als harmonisch, als schön empfunden. Ein Zweiklang gilt dann als schön, wenn das Verhältnis beider Frequenzen dem zweier nicht zu großer natürlicher Zahlen entspricht.

Bei der Beurteilung der Schönheit eines bestimmten Rhythmus spielt vielleicht eine embryonale Konditionierung auf den Herzschlag der Mutter eine Rolle, der dann als schön empfunden wird. So können Säuglinge beruhigt werden, indem man ihnen den Herzrhythmus der eigenen Mutter vorspielt. Ganz allgemein gibt es Rhythmen, die eher beruhigen und solche, die anregend wirken - und zwar kulturübergreifend auf der ganzen Welt. In beinahe allen Völkern wurden Rhythmen zur Koordinierung von Arbeitsleistungen und der Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls eingesetzt.

Wenn Techno-Jünger sich mithilfe eintöniger Rhythmen in Trance tanzen, wissen sie vermutlich nicht, dass die veränderten Bewusstseinszustände auf eine ähnliche Weise hervorgerufen werden wie epileptische Anfälle. Die einförmige Musik setzt mit wiederholtem Reiz Neuronen in Schwingung - durch Resonanzwirkung geraten immer mehr Neuronenkreise in eine gleichförmige Schwingung, wie bei einem Anfall.

Ob ein bestimmtes Geräusch als angenehm oder störend empfunden wird, hängt vor allem mit seiner Beschaffenheit zusammen. So werden künstlich erzeugte Geräusche in einer natürlichen Umgebung als störend empfunden, etwa der Motor eines Autos im Wald. Das Rauschen eines Baches dagegen wirkt - selbst wenn seine Lautstärke die des Autos übertrifft - eher angenehm. Ein gewisser Hintergrundlärm ist sogar nötig, damit wir uns wohl fühlen. Der Aufenthalt in einem schallisolierten Raum, in dem eine unnatürliche Stille herrscht, wird als erdrückend und beklemmend empfunden.

Stand: 01.07.2005
 
Printer IconShare Icon