Twiggy oder Rubensfrau - scinexx | Das Wissensmagazin
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Schönheit im Wandel der Zeit

Twiggy oder Rubensfrau

Die Steinzeit

Bereits sehr früh wurden menschliche Proportionen künstlerisch dargestellt. Ein berühmtes Beispiel ist die Venus von Willendorf. Wenn sie dem damaligen Schönheitsideal entsprach, hatten die Menschen der Steinzeit eine Vorliebe für voluminöse Bäuche und Hinterteile, große, hängende Brüste und dicke Beine.

Die Ägypter

Noch immer gilt Kleopatra als Inbegriff für eine schöne Frau. Anscheinend tat sie auch einiges für ihren Körper, überliefert ist etwa, dass sie täglich in Esels- oder Stutenmilch badete. Allgemein wurde im Alten Ägypten die Haut sehr sorgfältig gereinigt und gepflegt. Kosmetik war Schutz gegen die sengende Sonne, Sand und Fliegen, die Krankheiten übertragen konnten – Körperpflege war daher sowohl Frauen- als auch Männersache.

Vor allem die Augen wurden durch grüne oder schwarze Farbe betont – teils zum Schutz gegen Augenkrankheiten, teils aus religiösen Gründen. Der Sonnengott Ra wurde durch das Auge symbolisiert, spezielle Kosmetika hatten daher magische Bedeutung. Make-up-Herstellung war somit oft Sache der Priester.

Griechen

„Weißer als Elfenbein“ stellte sich Homer die perfekte Frauenhaut vor – bei Männern dagegen galt dunklere Haut als schön. Schließlich sollten sie – ganz dem Grundsatz ‚Mens sana in corpore sano‘ entsprechend – ein aktives, sportliches Leben im Freien geführt haben.

Insgesamt waren sowohl männliche als auch weibliche Schönheit sehr wichtig. Vor allem die Ausgewogenheit der Proportionen galt als wichtigstes Kriterium der Schönheit. Dieses Ideal hat die abendländische Kultur entscheidend geprägt.

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David von Michelangelo: Ästhetik der Proportionen in der Renaissance © IMSI MasterClips

Römer

Die Römer ließen sich genüsslich in Thermen oder Bädern von Sklaven massieren und ausgiebig duschen. Den Gestank der Barbaren, die sie besiegt hatten, erschien ihnen unerträglich, so entstand in den Kolonien schnell eine Vielzahl von Badehäusern.

Make-up war den Römern auch nicht fremd. Im Grab von Poppäa, der Frau Neros, fand man Lippenstift aus Zinnober, grüne Schminke aus Malachit, Bleiglanzpulver und gebrannten Kork, der als Wimperntusche verwendet wurde. Nachdem das römische Reich zerfallen war, wurde Make-up als heidnisch abgelehnt – der natürlich blasse Teint galt nun als schön.

Mittelalter

Das Christentum gewann immer mehr an Bedeutung – dadurch wurde das Schönheitsideal stark beeinflusst. Die übermäßige Pflege des Körpers oder das Auftragen von Schminke galten als heidnisch. Vor allem schönen Frauen wurde mit Misstrauen begegnet, galten sie doch seit der durch Eva verursachten Vertreibung aus dem Paradies als gefährliche Verführerinnen. Gemälde aus dieser Zeit zeigen eine zunehmend androgyne Darstellung der Frauen ohne üppige Proportionen.

Natürlich war das Aussehen trotzdem nicht völlig egal. So galt möglichst helle Haut als Schönheitsideal, wer es sich leisten konnte, mied also die Sonne. Regelmäßige Aderlässe verstärkten den blassen Teint und Frauen verwendeten sogar giftiges Bleiweiß, um ihr Gesicht aufzuhellen.

Auf Hygiene legte man allerdings keinen gesteigerten Wert. Sich nicht zu waschen galt als christlich – Wasser und Seife wurden durch Parfum und Puder ersetzt. In der Tat verdächtigte man übertriebene Hygiene sogar als Wegbereiter für die Pest.

Renaissance, Barock und Rokoko

Kurvenreich - die Frauengestalten des Barock © IMSI MasterClips

In der Renaissance wurden antike Kulturen und deren Schönheitsideale wiederentdeckt. Ein schöner Körper musste nun nicht gleich eine Versuchung des Teufels sein – vielmehr galt alles hässliche nun als diabolisch. Frauenkörper wurden nicht mehr männlich schmal sondern sehr üppig dargestellt. Die Frauen auf den Bildern des Malers Peter Paul Rubens stehen noch heute als stellvertretend für das mollige Ideal der damaligen Zeit.

Männer und Frauen verwenden daher wieder sehr viel Zeit mit der Pflege ihres Körpers – Wasser und Seife kamen jedoch noch immer selten zum Einsatz. So gab es in Versailles, dem prächtigen Schloss des Sonnenkönigs Ludwig XIV, für Hunderte von Menschen nur zwei Badezimmer und keine einzige Toilette. Stattdessen wurden Unmengen an Puder und Parfum verwendet. Ins Gesicht geklebte Schönheitsflecken sollten zudem die Pockennarben verdecken.

Die französische Revolution wurde unter anderem auch deshalb ausgelöst, weil das hungernde Volk Anstoß an der Tatsache nahm, dass der Adel verschwenderisch Weizenmehl zum Pudern der weißen Perücken verwendete.

19. Jahrhundert

Nach der französichen Revolution war die Kleidung für eine Weile bequemer und praktischer geworden – bald aber mussten Frauen sich in enge Korsetts und aufwendige Kleider zwängen. Für Frisuren und Make-up wurde noch immer viel Zeit verwendet, allerdings nur bei Frauen. Inzwischen galt es als unmännlich, sich herauszuputzen. Männer trugen keine Schminke mehr, keine Perücken und hatten vorwiegend kurzes Haar.

Zunehmend galt dann auch bei Frauen starkes Make-up als unmoralisch.

20. Jahrhundert

In den 20er Jahren kam mit beginnender Emanzipation die erste Schlankheitswelle und mit ihr männliche Kurzhaarschnitte für Frauen auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg dagegen waren gut genährte Körper begehrter – gepolsterte BHs sollten der Statur mehr Fülle verleihen.

Allgemein wurde das Schönheitsideal stark durch das Kino mitgeformt. Marlene Dietrich, Audrey Hepburn oder Marylin Monroe verkörperten jeweils den Frauentyp einer bestimmten Zeit – Millionen von Frauen wollten so aussehen wie sie. In den 60er Jahren hätte aber Marylin Monroe mit Kleidergröße 44 schon als zu mollig gegolten. Das dünne Model Twiggy bescherte mit ihren 42 Kilo bei 1,70 Metern Körpergröße zahlreichen Frauen eine neue Krankheit – die Magersucht.

Heute

Erst in den letzten Jahren ist Schönheitspflege auch bei Männern wieder allgemein akzeptiert. Die natürliche Schönheit reicht einmal wieder nicht, man sollte für den Körper auch etwas tun. So schlagen sich Männer wie Frauen mit unzähligen Pflegeprodukten herum, formen sich im Fitness-Center und vor allem bei den Jüngeren wächst die Akzeptanz für plastische Chirurgie.

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Stand: 01.07.2005

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Schönheit
Symmetrie, Kindchenschema und Proportionen

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Wettstreit der Göttinnen
Warum wollen wir überhaupt schön sein?

Voll normal
Ist Durchschnitt Trumpf?

Spieglein, Spieglein an der Wand...
Symmetrie und Kindchenschema

Mehr Geld, mehr Sex, mehr Freunde
Schöne haben's leichter

Twiggy oder Rubensfrau
Schönheit im Wandel der Zeit

Lippenteller gefällig?
Der gemeinsame Nenner der Schönheit

Es grünt so grün
Welche Landschaft ist schön?

Mozart oder Madonna?
Schöne Musik

Starb Napoleon an der Farbe Grün?
Farben und ihre Wirkung

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