Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Sonntag, 21.03.2010
Facts
Das Wichtigste im Überblick

  • Von Permafrost spricht man immer dann, wenn ein Boden über mindestens zwei Jahre hinweg eine Temperatur von null Grad Celsius oder weniger hat. In erster Linie erfolgt die Definition demnach über die Temperatur, das Eis ist lediglich eine Folgeerscheinung. Permafrost erreicht Mächtigkeiten von bis zu 1.500 Metern.


  • Je nach Klimabedingungen und lokalen Gegebenheiten tritt Permafrost von flächendeckend bis lediglich fleckenhaft auf. Wo Permafrostböden nicht nahezu flächendeckend vorliegen, handelt es sich oft um eiszeitliche Reliktformen, die heutzutage nicht mehr entstehen würden. Sie schaffen es gerade so, unter den gegebenen Klimabedingungen knapp unterhalb des Nullpunktes zu existieren und reagieren deshalb besonders empfindlich auf Temperaturveränderungen.


  • Rund ein Viertel des Festlandes auf der Nordhalbkugel oder anders gesagt 22,79 Millionen Quadratkilometer liegen bislang noch im Permafrostbereich. Im Vergleich dazu: Unter ewiger Eis- und Schneedecke schlummern nur ganze drei Prozent der Erdoberfläche. Ausbreitungsgebiete sind die polnahen Regionen sowie die periglaziale Höhenstufe der Hochgebirge.


  • Periglaziale Prozesse sorgen für vielfältige, charakteristische Oberflächenformen. Die wasserdurchtränkte Auftauschicht des Permafrosts gerät an Hängen zum Beispiel leicht ins Rutschen. Dieses Bodenfließen kann ganze Hügel einebnen. Durch den Wechsel von Tauen und Frieren entsteht Druck im Boden. Die Bodensedimente und Steine werden deshalb durchmischt und es entstehen typische Froststrukturböden.


  • Der sensible Lebensraum in Permafrostgebieten gerät immer mehr aus dem ökologischen Gleichgewicht. Die Böden werden verschmutzt mit Öl aus leck geschlagenen Pipelines, der Permafrost durch Druck- und Wärmeeinwirkung von Straßen, Häusern oder anderen Konstruktionen zum schmelzen gebracht. Unter den extremen Klimabedingungen erholt sich die Landschaft - wenn überhaupt - nur im Zeitlupentempo.


  • Permafrostböden sind Klimaarchive. Besonders langfristige Temperaturänderungen schlagen sich im Temperaturprofil des Bodens nieder. Im Zusammenspiel mit anderen Klimaarchiven lässen sich längst vergangene Klimaphasen rekonstruieren.


  • Die globale Klimaerwärmung lässt die Dauerfrostböden schmelzen. In Kanada ist die Permafrostgenze schon um 100 Kilometer zurückgewichen. Abgesehen von Problemen wie Bodensenkungen und Zerstörung von Lebensräumen, kommt es zur Freisetzung der Treibhausgase Kohlendioxid und Methan, die im Boden fixiert sind. Dies beschleunigt wahrscheinlich die Klimaerwärmung noch zusätzlich.


  • Das Tauen der Permafrostböden mobilisiert große Schuttmengen in den Hochgebirgen. Eine Zunahme von Hangrutschungen und Murgängen ist bereits zu verzeichnen und wird sich noch verstärken. In den Alpen gehen ein Drittel aller Murgänge auf das Konto von schmelzendem Permafrost. Der Mensch ist hierdurch zunehmend gefährdet, insbesondere weil er inzwischen in Gebiete vorgedrungen ist, die in potenziellen Gefahrenzonen liegen.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Facts
Das Wichtigste im Überblick
Artikel zum Thema
Permafrost
Kalter Boden und seine globale Bedeutung
Was ist Permafrost?
Annäherung an ein unsichtbares Phänomen
Die Spielarten des Permafrosts
Von fleckenhaft bis flächendeckend
Von Spitzbergen bis zu den Anden
Wo findet man Permafrost?
Verbreitung des Phänomens
Permafrost auf der Nordhalbkugel
Periglaziale Dynamik und Solifluktion
Wenn der Boden zu fließen beginnt
Pingos, Palsen und Polygone
Kryoturbation und Bodeneis
Getarnter Gigant
Blockgletscher
Lebensraum Permafrost
Extreme Bedingungen
Schatzkammer Permafrost
Die Ausbeutung und ihre Folgen
Der Boden "merkt" sich alles
Permafrost als Klimarchiv
Illusion eines "Ice Age Parks"
Unternehmen Mammut
Die arktische Kühltruhe taut
Klimaerwärmung lässt Permafrost schwinden
Der Berg rutscht
Naturgefahren im Hochgebirge
Top-Diaschauen
Hypatia von Alexandria
2012 und die Maya
Erdbeben
Plastikmüll
Schatzkammer Ozean
Aktuelle Dossiers
Hypatia: Tod für die Wissenschaft
Die berühmteste Gelehrte des antiken Alexandria wird wiederentdeckt
Die Wetter-Zurücksage
Wie die Vergangenheit hilft, die zukünftige Reaktion des Klimasystems vorherzusagen
Wunderwelt Ozean
Zehn Jahre Volkszählung im Meer - „Census of Marine Life“
Strom aus der Salzkraft
Osmose-Kraftwerke: von der Vision zur Wirklichkeit
Vancouver 2010
Wie sauber sind die Winterspiele?
Honigbienen: Superhirn im Überlebenskampf
Wie Parasiten, Krankheit und Gift die Fähigkeiten der sozialen Insekten beeinträchtigen
Apophis: Asteroid auf Erdkurs
Einschlag oder knapp daneben? 2029 entscheidet
Vormenschen
Zu Besuch bei Ardi, Lucy & Co
Smarte Etiketten
Auf dem Weg zum “Internet der Dinge”
Der Kommunikations-Code
Die Vielfalt der Sprachen