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Dienstag, 12.12.2017
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Stromimpulse helfen Menschen mit schweren Depressionen

Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN)

Die Elektrokonvulsionstherapie (EKT), auch bekannt als Elektrokrampftherapie, ist das wirksamste Mittel gegen schwere Depressionen. Jedoch ist kaum bekannt, wie die kurzen elektrischen Impulse im Gehirn der Patienten wirken. Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität München haben in einer aktuellen Studie einen bisher unbekannten Mechanismus der Therapie entdeckt. Sie beobachteten einen direkten Einfluss der EKT auf die Hirnströme in den für Depressionen verantwortlichen Hirnregionen.
Die detaillierten Ergebnisse stellt der Leiter der Studie auf der heutigen Pressekonferenz vor, die im Rahmen der 57. Wissenschaftlichen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN) an der Universität Leipzig stattfindet.

Bei der Elektronenkonvulsionstherapie (EKT) erhalten kurzzeitig narkotisierte Patienten über Elektroden am Kopf elektrische Impulse ins Gehirn. Die kurzen Stromstöße führen zu einem kontrollierten epileptischen Anfall von etwa einer halben Minute. Was zunächst eher ungesund klingt, kann bei einer Reihe psychischer Störungen sehr heilsam sein: „Bei schweren therapieresistenten Depressionen ist die EKT die Methode der Wahl. Bei Katatonien – einer verkrampften Haltung des gesamten Körpers – kann die EKT sogar lebensrettend sein“, erklärt Dr. med. Oliver Pogarell, Oberarzt und Leiter der Abteilung Klinische Neurophysiologie in der Psychiatrischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die heilende Wirkung trete in solchen Fällen schneller ein als bei medikamentösen Therapien, und das Risiko von Nebenwirkungen sei geringer.

„Trotz jahrzehntelanger erfolgreicher Anwendung und Forschung sind die exakten Wirkmechanismen der EKT noch nicht geklärt“, sagt Dr. Pogarell. In einer aktuellen Studie haben die Münchener Forscher daher EEG-Daten von 20 Patienten mit schweren, therapieresistenten Depressionen ausgewertet. Dabei fanden sie heraus, dass sich bei EKT-Patienten die elektrische Ruheaktivität in den vorderen Hirnregionen, die als Schlüsselstelle für den Ausbruch von Depressionen gelten, verändert: Die Hirnströme im niedrigen Frequenzbereich nahmen deutlich zu. „Die in der Depression überaktiven Regionen scheinen sich durch die kontrollierten Stromimpulse wieder zu beruhigen“, erklärt Pogarell, Leiter der Studie.

„Die veränderten niederfrequenten Hirnströme könnten die direkte Auswirkung der EKT darstellen. Damit hätten wir einen weiteren Hinweis zur Wirkung der elektrischen Impulse entdeckt“, sagt Pogarell. Die klinischen Neurophysiologen hoffen mit den neuen Erkenntnissen auch, die EKT künftig schonender und gezielter einsetzen zu können. „Kenntnisse über die Wirkungsweise der EKT sind besonders wichtig, weil die Therapie aufgrund der hohen Rückfallrate in Abständen wiederholt werden muss“, erklärt Professor Dr. med. Joseph Claßen, Tagungspräsident der 57. Wissenschaftlichen Jahrestagung der DGKN und Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie am Universitätsklinikum Leipzig. Auf der heutigen Kongress-Pressekonferenz der DGKN in Leipzig wird Pogarell neue Einblicke in die Hirnfunktionen depressiver Menschen unter einer Elektrokonvulsionstherapie geben.
(Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) , 22.03.2013 - NPO)
 
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