Erster Tauchgang nach 14 Jahren enthüllt zunehmende Schäden am Schiffswrack Wrack der Titanic zerfällt - scinexx | Das Wissensmagazin
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Wrack der Titanic zerfällt

Erster Tauchgang nach 14 Jahren enthüllt zunehmende Schäden am Schiffswrack

Titanic
Der berühmte Bug der Titanic ist auch jetzt noch relativ gut erhalten, doch an den Offiziersquartieren der Steuerbordseite nagt der Zerfall, wie aktuelle Tauchgänge zeigen. © Atlantic Productions

Denkmal einer Katastrophe: Seit ihrem Untergang im Jahr 1912 liegt das Wrack der Titanic auf dem Grund des Nordatlantiks – sie ist das wahrscheinlich berühmteste Schiffswrack der Welt. Ihren aktuellen Zustand hat nun ein Team von Tauchern und Forschern beim ersten Tauchgang seit 14 Jahren untersucht. Er enthüllte, dass das Metall des Wracks zunehmend von Bakterien zerfressen wird und dass Teile des Schiffs dadurch schon eingestürzt sind.

Als die RMS Titanic im April 1912 zu ihrer Jungfernfahrt von Southampton nach New York aufbrach, wurde sie als das modernste und größte Passagierschiff ihrer Zeit bejubelt. Der 296 Meter lange Luxusdampfer galt als unsinkbar. Doch am 14. April ereignete sich die Katastrophe: Das Schiff kollidierte mit einem Eisberg und sank – rund 1.500 Menschen starben in den eiskalten Fluten des Nordatlantik.

Titanic Badewanne
Die Badewanne des Kapitäns der Titanic in einer Aufnahme von 2003. © RMS Titanic Expedition/ NOAA-OE

Erster Tauchgang nach 14 Jahren Pause

Das Wrack des berühmten Ozeandampfers wurde erst im Jahr 1985 wiederentdeckt. Es liegt heute in rund 3.800 Metern Tiefe am Grund eines Meeresgebiets rund 600 Kilometer südöstlich der Küste von Neufundland. Bereits 1987 wurden mithilfe eines Tauchboots mehr als 1. 800 Fundstücke geborgen und an die Oberfläche gebracht, darunter auch viele persönliche Gegenstände der Gestorbenen. Im Jahr 1995 besuchte der Filmemacher James Cameron das Wrack und machte dort Aufnahmen, die er später in seinem Spielfilm „Titanic“ verwendete. Den letzten Besuch erhielt das Titanic-Wrack im Jahr 2005 von zwei ferngesteuerten Tauchbooten.

Jetzt – nach 14 Jahren Pause – ist wieder ein Team zum Wrack der Titanic hinabgetaucht. In fünf Tauchgängen mit dem Tauchboot Triton erkundeten Forscher und Bergungsexperten um Rob McCallum von EYOS Expeditions den Zustand des Schiffswracks. Mithilfe von speziell angepassten Kameras führten sie dabei auch eine hochauflösende photogrammetrische Kartierung des Wracks durch.

Bullaugen sind noch intakt, der Rumpf nicht

„Ich war nicht darauf gefasst, wie groß dieses Schiff war“, berichtet der Tauchbootpilot Victor Vescovo von Caladan Oceanic. „Der beeindruckendste Moment kam, als ich an der Seite der Titanic entlangfuhr und die hellen Lichter des Tauchboots von einem Bullauge reflektiert wurden – es war als wenn das Schiff mir zublinkte.“ Denn trotz des enormen Wasserdrucks in dieser Tiefe sind viele gläserne Bullaugen und Fenster noch intakt.

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Anders sieht dies allerdings mit dem metallenen Rumpf des Schiffes aus: Die Korrosion durch das Salzwasser und vor allem die Tätigkeit von eisen- und schwefelfressenden Bakterien haben der Titanic inzwischen stark zugesetzt, wie die Tauchgänge enthüllten. Während der berühmte Bug des Schiffes noch weitgehend intakt erscheint, hat vor allem die Steuerbordseite der Titanic bereits stark gelitten.

Kapitänskabine ist zerstört

„Der schockierendste Verfall zeigt sich steuerbords in den Offiziersquartieren, dort, wo auch die Kabine des Kapitäns war“, berichtet der Historiker Parks Stephenson. „Die Badewanne des Kapitäns war immer das beliebteste Bild der Titanic-Fans, doch sie ist nun weitgehend zerstört.“ Von der Kapitänskabine und angrenzenden Quartieren ist nur noch wenig übrig geblieben. Denn das große Loch in dieser Seite des Rumpfs ist durch den Kollaps von Decks und Wänden weiter gewachsen, wie das Team berichtet.

Die Zukunft des Wracks sieht damit düster aus. „Es wird im Laufe der Zeit weiter zerfallen, das ist ein ganz natürlicher Prozess“, erklärt Forscherin und Expeditionsmitglied Lori Johnson. „Der Grund für die fortschreitende Zerstörung sind natürliche Bakteriengemeinschaften, die symbiotisch zusammenarbeiten und dabei vor allem das Eisen und den Schwefel im Metall des Schiffsrumpfs abbauen.

Mithilfe ihrer hochaufgelösten Kartierung der Titanic wollen die Forscher nun ein fotorealistisches und präzises 3D-Modell des Schiffswracks erstellen. Dies soll zum einen helfen, seinen Zustand genauer einzuschätzen. Zum anderen könnte dieses Modell künftig auch einer breiten Öffentlichkeit die Gelegenheit bieten, dieses berühmte Wrack mittels VR zu erkunden.

Quelle: Atlantic Productions

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