Geringerer Ausstoß von Treibhausgasen wird durch andere Umweltbelastungen wettgemacht Nur wenige Biotreibstoffe sind "grün" - scinexx | Das Wissensmagazin
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Geringerer Ausstoß von Treibhausgasen wird durch andere Umweltbelastungen wettgemacht

Nur wenige Biotreibstoffe sind „grün“

Landschaft mit Rapsfeldern am Wohlenberger Wiek. Raps weist im Vergleich mit Benzin ein niedrigeres Treibhausgaspotental aber auch den größeren Resourcenverbrauch bei der Erzeugung auf. © Ch.Pagenkopf / CC BY-SA 3.0

Nur wenige Biotreibstoffe sind in ihrer Ökobilanz umweltfreundlicher als Benzin. Das zeigt eine Studie Schweizer Forscher, die die Umweltauswirkungen von Treibstoffen aus Raps, Mais, Holzabfällen und anderen nachwachsenden Rohstoffen analysiert haben. Demnach helfen einige Biotreibstoffe aus Agrarerzeugnissen zwar, den Ausstoß an Treibhausgasen zu verringern. Sie führen dafür aber zu anderen Umweltschäden. „Die meisten Biotreibstoffe verlagern lediglich die Umweltbelastungen: weniger Treibhausgase, dafür mehr anbaubedingte Schäden an landwirtschaftlich genutzten Böden“, erklärt Studienleiter Rainer Zah von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa. Nur wenige Biotreibstoffe, darunter vor allem Biogas aus Rest- oder Abfallstoffen wie beispielsweise Holzschnitzeln, hätten daher eine bessere Ökobilanz als Benzin aus fossilen Rohstoffen.

In den letzten Jahren ist die Nachfrage nach vermeintlich umweltfreundlichen Biotreibstoffen weltweit deutlich angestiegen. Gleichzeitig aber sind diese alternativen Antriebsmittel in die Diskussion geraten. Im Kern geht es dabei um die Frage, ob die Produktion von Biotreibstoffen aus ökologischer Sicht vertretbar ist, oder ob beispielsweise der vermehrte Anbau von Energiepflanzen dem Nahrungsanbau Konkurrenz macht und welche Folgen diese Art der Butzung für die Böden hat.

Um darauf eine fundierte Antwort geben zu können, haben Forscher der Empa im Auftrag des Schweizer Bundesamts für Energie (BFE) die Umweltbilanz zahlreicher Biotreibstoffe inklusive ihrer Produktionsketten analysiert. Im Vergleich zur weltweit ersten derartigen Ökobilanzstudie aus dem Jahr 2007 hat das Team unter der Leitung von Empa-Forscher Rainer Zah neuartige Energiepflanzen wie die Tropenpflanze Jatropha und auch neue Verarbeitungsprozesse mit einbezogen.

Rodungen verschlechtern die Ökobilanz

Die Studie zeigt, dass beispielsweise Biodiesel aus Raps zwar weniger Treibhausgas pro gefahrenem Kilometer freisetzt als herkömmliches Benzin. Dafür aber führt der Anbau dieser Energiepflanze zu Überdüngung von Böden und Gewässern und anderen negativen Umweltfolgen. Raps schneide damit in allen Punkten außer dem Treibhausgasausstoß schlechter ab als Benzin, berichten die Forscher.

Ein weiteres Ergebnis: Biotreibstoffe können bei ihrer Erzeugung und Nutzung sogar mehr Treibhausgase ausstoßen als fossile Treibstoffe, wenn sie auf eigens dafür gerodeten Flächen angebaut wurden. Dies gelte auch für eine indirekte Landumwandlung, schreiben die Forscher. Bei dieser werden zwar bestehende Agrarflächen für die Biotreibstoffproduktion verwendet, um diese bisher für die Nahrungsmittel- oder Futterproduktion genutzten Gebiete zu ersetzen, müsse aber Wald gerodet werden. Positive Effekte können dagegen erzielt werden, wenn verödetes Land wieder urbar gemacht wird, wie die Forscher berichten. So erhöhe beispielsweise der Anbau von Ölpalmen auf ungenutztem Weideland in Kolumbien oder von Jatropha in Indien und Ostafrika, den Kohlenstoffgehalt des Bodens und wirke sich so positiv auf die Umwelt aus.

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Günstig ist der Studie nach auch die energetische Nutzung von land- und forstwirtschaftlichen Reststoffen wie Stroh, Grünabfällen und Restholz. Biotreibstoffe aus solchen Materialien belasteten die Umwelt bis zur Hälfte weniger als Benzin, wie die Forscher berichten.

Aber auch das sei nur dann der Fall, wenn der Entzug dieser Reststoffe aus dem natürlichen Kreislauf nicht die Fruchtbarkeit der Böden und die Biodiversität verringere. Jeder Biotreibstoff und sein Herstellungsweg müssen demnach genau und separat unter die Lupe genommen werden, konstatieren die Forscher.

Die Studie steht auch zum Download (PDF) zur Verfügung.

(Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa), 25.09.2012 – NPO)

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