300 Lichtjahre große, verdrehte Struktur überrascht Astronomen Milchstraße: Rätselhafter Gasring entdeckt - scinexx | Das Wissensmagazin
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300 Lichtjahre große, verdrehte Struktur überrascht Astronomen

Milchstraße: Rätselhafter Gasring entdeckt

Schema des rund 300 Lichtjahre großen Gasrings im Zentrum der Milchstraße auf der Infrarotaufnahme des Welttraumteleskops Herschel. © ESA / NASA / JPL-Caltech

Im Herzen der Milchstraße haben Astronomen einen gut 300 Lichtjahre großen, bizarr verformten Ring aus dichtem Gas entdeckt. Er zieht sich um das Zentrum unserer Galaxie wie die liegende Acht eines Unendlichkeits-Symbols. Diese Form habe sie extrem überrascht, sagen die Forscher des internationalen Teams. Zwar seien auch aus anderen Galaxien Ringe bekannt, aber die seltsam verdrehte Struktur sei etwas völlig Neues.

„Wir haben damit ein neues und aufregendes Rätsel vor uns, direkt im Zentrum unserer eigenen Galaxie“, sagt Teamleiter Sergio Molinari vom Institut für Weltraumphysik in Rom. Aufgespürt hat den Gasring die hochauflösende Infrarot-Optik des Herschel Weltraumobservatoriums der Europäischen Weltraumagentur ESA. Aus den Aufnahmen im Submillimeter-Bereich schließen die Forscher, dass der mit kaltem Gas und Staub gefüllte Ring um 40 Grad gegenüber der Hauptebene der Milchstraße geneigt ist.

Um mehr über die Bewegungen des Gases im Ring zu erfahren, beobachteten die Astronomen die Struktur zusätzlich mit dem Nobeyama Radio-Observatorium in Japan. Dabei zeigte sich, dass sich der gesamte Ring als eine Einheit bewegt. Seine Geschwindigkeit relativ zum Rest der Milchstraße sei an allen Punkten gleich, berichten die Astronomen in ihrer beim Fachmagazin „Astrophysical Journal Letters“ eingereichten Publikation.

Form der Gasringe in anderen Galaxien nicht erkennbar

Das bekannteste Beispiel für einen Gas- und Staubring im Inneren einer Galaxie ist die Balkenspirale NGC 1097. In ihr ist diese Zone starker Sternenbildung deutlich im Infrarotlicht zu erkennen. Da die 52 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxie uns ihre flächige Seite zukehrt, können Astronomen nicht feststellen, ob ihr Ring verdreht ist oder nicht.

Wie die Balken und Ringe im Herzen von Spiralgalaxien entstehen, haben Forscher bisher nur in Computermodellen simuliert. Demnach könnten Schwerkraft-Wechselwirkungen beispielsweise zwischen zwei Galaxien solche Phänomene hervorbringen. Möglicherweise verdanke auch der Balken im Inneren der Milchstraße seine Existenz der Einwirkung ihres nächsten Nachbarn, der Andromedagalaxie. Ob der neuentdeckte Ring ebenfalls auf das Konto solcher Gravitationseinflüsse geht, ist noch unklar. Nach Angaben der Forscher sprechen einige seiner Eigenschaften dafür.

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Diese Infrarotaufnahme des Herschel-Weltraumteleskops zeigt den Gasring als leicht gelbliche Struktur beiderseits des galaktischen Zentrums der Milchstraße. © ESA / NASA / JPL-Caltech

Zentrum des Rings ist verschoben

Die seltsame Form des galaktischen Gasrings ist nicht das einzige Rätsel für die Astronomen: Auch die Mitte der Struktur befinde sich nicht dort, wo nach gängiger Annahme das Zentrum der Milchstraße liegt, sondern sei leicht versetzt, berichten die Forscher. Statt um die Region Sagittarius A*, wo wahrscheinlich ein supermassereiches Schwarzes Loch sitzt, bewegt sich der Gasring leicht außerhalb. Noch sei nicht klar warum. „Es gibt noch immer sehr viel über unsere Galaxie zu entdecken“, sagt Alberto Noriega-Crespo vom California Institute of Technology in Pasadena. (Astrophysical Journal Letters, 2011; arXiv:1105.5486v1)

(Astrophysical Journal Letters / Institut für Weltraumphysik / dapd, 25.07.2011 – NPO)

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