Jeweils bis zu fünf Millionen Euro für neun internationale Spitzenforscher Erstmals Alexander von Humboldt-Professuren vergeben - scinexx | Das Wissensmagazin
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Jeweils bis zu fünf Millionen Euro für neun internationale Spitzenforscher

Erstmals Alexander von Humboldt-Professuren vergeben

Acht Forscher und eine Forscherin sind für die erstmals vergebenen Alexander von Humboldt-Professuren ausgewählt worden. Mit dem mit bis zu fünf Millionen Euro dotierten internationalen Preis für Forschung in Deutschland zeichnet die Alexander von Humboldt-Stiftung weltweit führende und im Ausland tätige Wissenschaftler aller Disziplinen aus. Die Ehrung soll herausragende Wissenschaftler nach Deutschland holen und ihnen ermöglichen, fünf Jahre lang zukunftsweisende Forschung an Hochschulen durchzuführen.

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Die Forscher sollen ihre Arbeit im kommenden Jahr beginnen und treten nun in die abschließenden Verhandlungen mit den nominierenden Universitäten ein. Die Preisverleihung findet im Mai 2009 in Berlin statt.

„Ich freue mich sehr, dass wir hervorragende Kandidaten für den Preis benennen können. Die Alexander von Humboldt-Professur ist ein starkes Argument für Spitzenforscherinnen und Spitzenforscher aus aller Welt, nach Deutschland zu kommen“, sagte Bundesforschungsministerin Annette Schavan am Mittwoch in Berlin. „Wir leisten damit einen wichtigen Beitrag, um Forschung und Hochschulen in Deutschland dauerhaft in der internationalen Spitzenliga zu halten“, so Schavan.

„Spitzenforschung ist heute Teamarbeit. Und doch sind es oft die einzelnen herausragenden Forscherpersönlichkeiten, ihre Ideen, ihre Kreativität und Energie, die den Unterschied machen. Mit der Alexander von Humboldt-Professur holen wir sie nach Deutschland, damit sich um sie herum starke Teams und dauerhafte Strukturen bilden. Damit tragen wir das Harnack-Prinzip in die Universitäten“, so Professor Helmut Schwarz, der Präsident der Humboldt-Stiftung.

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Langfristige Perspektive für die Arbeit in Deutschland

Den Hochschulen eröffnet der Preis die Chance, internationalen Spitzenkräften konkurrenzfähige Rahmenbedingungen und eine langfristige Perspektive für die Arbeit in Deutschland zu bieten sowie ihr Profil zu schärfen. Wie trägt der Preisträger dazu bei, die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Hochschule in seinem Fachgebiet zu stärken oder zu halten? Wie wird eine langfristige Perspektive sichergestellt? Diese Fragen muss die vorschlagende Hochschule in einem strategischen Gesamtkonzept beantworten, das neben der herausragenden wissenschaftlichen Qualifikation der Kandidaten das entscheidende Kriterium für die Auswahl der Preisträger ist.

Jährlich können ab 2008 bis zu zehn der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanzierten Preise verliehen werden. Die Preisträger und ihre Universitäten in Deutschland in diesem Jahr sind:

Oliver Brock, 38, Informatiker, zurzeit an der University of Massachusetts, USA

Brock soll künftig an der Technischen Universität Berlin forschen. Er ist ein Vorreiter der Erforschung von künstlicher Intelligenz für autonome Roboter der nächsten Generation, die komplizierte Reaktionen und Bewegungsabläufe beherrschen und so beispielsweise zum Einsatz in Medizin, Raumfahrt oder bei radioaktiven Unfällen geeignet sind. An der TU Berlin soll Brock nicht nur diesen Forschungsschwerpunkt ausbauen, sondern auch den Partnerschaften mit anderen Wissenschaftseinrichtungen und der Industrie einen neuen Schub geben.

Piet Wibertus Brouwer, 36, Theoretischer Festkörperphysiker, zurzeit an der Cornell University, Ithaca, USA

Brouwer soll künftig an der Freien Universität Berlin am Institut für Theoretische Physik forschen. Er erforscht aktuelle Themen der Festköpertheorie und des Quantentransports an

der Schnittstelle der Quantenwelt und der klassischen Welt und gilt in seiner Disziplin als einer der produktivsten und wichtigsten Köpfe. Unter seiner Federführung soll ein Zentrum für theoretische Physik an der FU Berlin entstehen, das Dahlem Center for Complex Quantum Systems.

Georgi Dvali, 44, Astrophysiker, zurzeit an der New York University, USA sowie am CERN in Genf, Schweiz

Dvali soll künftig an der Ludwig-Maximilians-Universität München forschen. Er gilt als einer der internationalen Topexperten der Teilchenforschung, der mit seinen Theorien zur Gravitationswechselwirkung in seinem Fach große Beachtung findet. Die Universität München will mit seiner Hilfe zu einem weltweit führenden Standort für kosmologische Teilchenforschung werden, der den Vergleich mit Princeton, Harvard oder Stanford nicht zu scheuen braucht. Dvali soll zudem am Münchener Max-Planck-Institut für Physik tätig sein, das mit der Universität München kooperiert.

Ulrike Gaul, 47, Molekularbiologin, zurzeit an der Rockefeller University, New York, USA

Gaul soll künftig an der Ludwig-Maximilians-Universität München forschen. Sie ist eine der weltweit führenden und innovativsten Expertinnen für Systembiologie, einem in Deutschland bislang wenig etablierten Forschungsgebiet, das einzelne Gene oder Proteine nicht isoliert, sondern im Gesamtzusammenhang ihrer Wirkung im Körper erforscht. Gaul soll am Genzentrum München die Forschung zur Systembiologie auf internationales Topniveau bringen und durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Arbeitsgruppen vernetzen.

Tamas L. Horvath, 41, Neurobiologe, zurzeit an der Yale University, New Haven, USA

Horvath soll künftig am Institut für Genetik der Universität zu Köln forschen. Er ist ein weltweit angesehener Experte auf dem Gebiet der Neuroendokrinologie und der Metabolismusforschung. Mit seinen Arbeiten soll er dazu beitragen, den Standort Köln zum international führenden Zentrum zur Erforschung der Biologie des Alterns und altersbedingter Krankheiten auszubauen. Hierzu ist die Zusammenarbeit mit dem neu in Köln angesiedelten Max- Planck-Institut für die Biologie des Alterns sowie mit dem im Aufbau befindlichen Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen der Helmholtz-Gemeinschaft vorgesehen.

Norbert Langer, 50, Astrophysiker, zurzeit an der Utrecht University, Niederlande

Langer soll künftig an der Universität Bonn forschen. Er gehört seit mehr als zwei Jahrzehnten zu den international führenden Experten auf dem Gebiet der theoretischen Astrophysik. Er erforscht die Entwicklung massereicher Sterne bis hin zu ihrer Explosion als Supernovae. Mit seiner Expertise schließt er eine Lücke innerhalb der Bonner Astronomie und ergänzt so das vorhandene wissenschaftliche Portfolio. Erfolg versprechend ist auch die geplante Zusammenarbeit mit dem benachbarten Max-Planck-Institut für Radioastronomie.

Martin Bodo Plenio, 40, Quantenoptiker, zurzeit am Imperial College London, Großbritannien

Plenio soll an der Universität Ulm forschen. Er ist international führend auf dem Gebiet der Quanteninformationstheorie und hat bahnbrechende Arbeiten zur Verschränkung zwischen Quantensystemen geleistet. In Ulm soll er maßgeblich zur Entstehung des geplanten Center for Quantum Engineering beitragen, an dem Mathematiker, Physiker und Elektroingenieure auf Augenhöhe mit der Spitze der internationalen Konkurrenz zusammenarbeiten sollen.

Burkhard Rost, 46, Bioinformatiker, zurzeit an der Columbia University, New York, USA

Rost soll künftig an der Technischen Universität München forschen. Er hat die Entstehung der Bioinformatik als heute unverzichtbare Disziplin maßgeblich mitgestaltet. Er soll seinem Fach in Deutschland neue Impulse und Schubkraft verleihen sowie eine Brücke schlagen zwischen den Biowissenschaften und der Medizin. Hierfür wird er in München eine Exzellenzforschergruppe aufbauen.

Thomas Tuschl, 42, Zellbiologe, zurzeit an der Rockefeller University, New York, USA

Tuschl soll an der Freien Universität Berlin forschen. Er zählt zur Weltspitze der biochemischen Forschung. Seine bahnbrechende Arbeit zur RNA-Interferenz hat die Möglichkeit geschaffen, einzelne krankmachende Gene quasi abzuschalten und hierauf basierend völlig neue Therapien zur Behandlung von Krankheiten zu entwickeln. Tuschl soll nicht nur den Forschungsbereich an der FU Berlin nach vorne bringen, sondern auch die Region Berlin mit ihren Biotechnik-Firmen als internationalen Standort stärken.

(idw – Alexander von Humboldt-Stiftung, 16.10.2008 – DLO)

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