Neues Screeningverfahren könnte Alternative zur unangenehmen Abtastuntersuchung sein Prostatakrebs: Urintest für Zuhause? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Prostatakrebs: Urintest für Zuhause?

Neues Screeningverfahren könnte Alternative zur unangenehmen Abtastuntersuchung sein

Urinprobe
Hilft ein Urintest künftig bei der Diagnose von Prostatakrebs? © cglade/ istock

Screening für Zuhause: Prostatakrebs könnte sich künftig mithilfe eines einfachen Urintests erkennen lassen. Anders als bisher üblich können Männer die Proben dafür in ihren eigenen vier Wände nehmen, wie eine Pilotstudie nahelegt. Demnach enthält der erste Morgenurin genügend Biomarker für die Früherkennung – eine vorherige Stimulation der Prostata durch Abtasten ist nicht mehr nötig. Zudem kann der Test aggressive von langsam wachsenden Tumorformen unterscheiden.

Prostatakrebs ist eine der häufigsten Krebserkrankungen älterer Männer. „Er entwickelt sich meist langsam und ein Großteil der Patienten müsste wahrscheinlich nie behandelt werden“, erklärt Jeremy Clark von der University of East Anglia in Norwich. Weil es jedoch auch äußerst aggressive Formen dieses Tumorleidens gibt, sind die rechtzeitige Diagnose und eine möglichst genaue Vorhersage des Krankheitsverlaufs von entscheidender Bedeutung.

Bisher versuchen Mediziner möglichen Entartungen der Vorsteherdrüse durch Tastuntersuchungen und den nicht unumstrittenen PSA-Test auf die Spur zu kommen. Entsteht dabei ein Krebsverdacht, folgen meist eine Biopsie oder eine MRT-Untersuchung. Vor allem das Abtasten der Prostata wird von vielen Männern jedoch als unangenehm empfunden.

Urintest als Alternative

Eine mögliche Alternative zu dieser unbeliebten Untersuchung könnten Urintests sein. Dabei dienen bestimmte RNA-Moleküle als Biomarker, die in Krebszellen der Prostata gehäuft vorkommen. „Diese Tests untersuchen die Genexpression und können Informationen darüber liefern, ob der Krebs aggressiv oder eher harmlos ist“, sagt Clark. Bislang ging jedoch auch solchen Urintests ein rektales Abtasten durch den Arzt voraus – dies galt als nötig, um die Prostatasekretion anzuregen und so die Menge der Biomarker im Urin zu erhöhen.

Clark und seine Kollegen um Erstautor Martyn Webb haben nun erstmals einen anderen Ansatz erprobt: einen Urintest für Zuhause. Die Idee war, dass im ersten Morgenurin von Natur aus mehr Biomarker enthalten sind, weil sich diese über Nacht ansammeln. Eine vorherige Stimulation via Tastuntersuchung wäre somit überflüssig. Doch wie gut funktioniert die Früherkennung mit dieser Methode wirklich?

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Aussagekräftiger und beliebter

Um dies herauszufinden, machten die Wissenschaftler mit 14 Probanden den Test. Für ihre Pilotstudie gaben sie den Teilnehmern jeweils ein Urinsammel-Kit mit. Die in deren eigenen vier Wänden nach dem Aufstehen genommenen Proben verglichen sie dann mit solchen, die nach einer ärztlichen Abtastuntersuchung abgegeben worden waren.

Das Ergebnis: Die Qualität und Menge der gewonnen RNA war in beiden Fällen ähnlich. „Allerdings zeigten die zuhause genommenen Urinproben bestimmte Biomarker für Prostatakrebs sogar deutlicher an“, berichtet Clark. „Außerdem offenbarte das Feedback der Probanden, dass sie die Testvariante für Zuhause bevorzugten.“

Aggressiv oder nicht?

Nach Ansicht des Forscherteams hat ihr Früherkennungstest somit gleich mehrere Vorteile. Zum einen erspart er Männern den lästigen Gang zum Arzt und eine für sie unangenehme Untersuchung. Dies könnte auch für Patienten gelten, die bereits eine Krebsdiagnose erhalten haben: Statt regelmäßig zur Kontrolle in die Praxis zu kommen, könnte bei ihnen der Urintest zur Beobachtung dienen.

Außerdem deuten andere Untersuchungen daraufhin, dass die Urintest-Methode das Risiko eines aggressiven Krankheitsverlaufs verlässlich prognostizieren kann. Demnach sagt das Verfahren bis zu fünf Jahre früher als gängige Methoden voraus, ob Patienten eine Behandlung benötigen werden oder nicht. „Der Test hat das Potenzial, uns zu sagen, ob wir bei diesen Patienten eingreifen müssen“, konstatiert Clark. Auf diese Weise könnten Überdiagnosen und damit viele unnötige Untersuchungen und Behandlungen vermieden werden, wie die Wissenschaftler betonen.

„Machbare und einfache Option“

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Urintest für Zuhause eine machbare und einfache Option ist“, so das Fazit der Forscher. In Zukunft wollen sie die Aussagekraft ihrer Methode in weiteren Untersuchungen bestätigen – und innerhalb von zehn Jahren einen Test für aggressiven Prostatakrebs in der klinischen Praxis implementieren.

Bewährt sich die Methode, könnte sie zudem als Vorbild für die Früherkennung anderer Krebsarten dienen. „Ein ähnliches Verfahren könnte sich auch als Screeningmethode für weitere, mit dem Harn in Verbindung stehende Tumore eignen – etwa Blasen- und Nierenkrebs“, schließt das Team. (BioTechniques, 2019; doi: 10.2144/btn-2019-0092)

Quelle: University of East Anglia

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