Pilotstudie weckt Hoffnung für Demenzpatienten Hirnschrittmacher gegen Alzheimer? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Hirnschrittmacher gegen Alzheimer?

Pilotstudie weckt Hoffnung für Demenzpatienten

Bisher gibt es gegen Alzheimer kein Heilmittel. Doch die tiefe Hirnstimulation kann vielleicht wenigstens die Symptome lindern. © Wildpixel/ istock

Neue Lebensqualität dank Hirnschrittmacher: Die sogenannte tiefe Hirnstimulation kann womöglich auch Alzheimer-Patienten helfen. Eine Pilotstudie zeigt: Bekommen Betroffene einen Hirnschrittmacher in den Frontallappen implantiert, schreiten typische Symptome der Erkrankung langsamer voran und verbessern sich teilweise sogar. So konnten Probanden dank des Eingriffs wieder Aufgaben wie das Kochen einer Mahlzeit bewältigen und länger aktiv am Alltag teilhaben, berichten Forscher.

Bei Parkinson-Leiden ist die tiefe Hirnstimulation bereits eine anerkannte Behandlungsmethode – und auch bei Erkrankungen wie Depressionen oder Magersucht zeigt sich ihr Einsatz in ersten Studien vielversprechend. Es scheint, dass die Stimulation bestimmter tiefliegender Hirnregionen mithilfe von implantierten Elektroden die Symptome von Patienten erheblich zu lindern vermag.

Kaum Behandlungsmöglichkeiten

Jetzt gibt es Hinweise darauf, dass ein solcher Hirnschrittmacher auch Menschen mit Alzheimer helfen könnte. Betroffene dieser Form der Demenz verlieren nach und nach ihr Erinnerungsvermögen. Außerdem fällt es ihnen mit fortschreitendem Verlauf der Erkrankung immer schwerer, ihren Tagesablauf zu planen, Entscheidungen zu treffen und Probleme zu lösen.

„Diese Fähigkeiten sind wichtig, um mit alltäglichen Aufgaben zurechtzukommen – zum Beispiel das Bett zu machen oder sich zu überlegen, was man essen möchte“, sagt Douglas Scharre von der Ohio State University in Wexner. „Doch während wir Wege und Wirkstoffe haben, um das Gedächtnis Betroffener zu trainieren, fehlt es an Mitteln, die ihnen bei dieser Art von Problemen helfen.“

Im Rahmen einer Pilotstudie wurde Alzheimer-Patienten ein Hirnschrittmacher implantiert – mit vielversprechenden Erfolgen.© The Ohio State University Wexner Medical Center

Stromimpulse für mehr Lebensqualität

Was die tiefe Hirnstimulation in diesem Zusammenhang leisten kann, haben Scharre und seine Kollegen nun in einer Pilotstudie mit drei Probanden getestet. Dafür implantierten sie den Alzheimer-Patienten dünne Elektroden in den Frontallappen – ein Hirnbereich, der unter anderem für Planungsprozesse, das Urteilsvermögen sowie das Lösen von Problemen verantwortlich ist.

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Würde die Stimulation dieser Region das Fortschreiten der Symptome verlangsamen können? Tatsächlich zeigten sich bei den Teilnehmern deutliche Effekte: Ihre kognitiven Fähigkeiten in Bezug auf die Bewältigung alltäglicher Aufgaben ließen im Verlauf der Studie weniger stark nach als bei Alzheimer-Patienten, die keinen Hirnschrittmacher eingesetzt bekommen hatten.

Studienteilnehmerin LaVonne Moore kann dank des Hirnschrittmachers immer noch ihre Lieblingsmelodien auf dem Klavier spielen. © The Ohio State University Wexner Medical Center

Kochen klappt wieder

Im Gegenteil: In einigen Bereichen ergaben sich bei den Probanden sogar deutliche Verbesserungen – zum Beispiel bei der 85-jährigen LaVonne Moore: Sie konnte sich zu Beginn der Untersuchung im Jahr 2013 keine Mahlzeiten mehr selbst zubereiten. Nach zwei Jahren mit Hirnschrittmacher sah das anders aus, wie die Forscher berichten. Sie kam von selbst auf die Idee, ein Essen vorbereiten zu wollen, konnte sich selbständig die Zutaten dafür zusammensuchen und ein einfaches Gericht kochen.

Zwar kann auch die tiefe Hirnstimulation das Fortschreiten der Alzheimer-Erkrankung nicht aufhalten, wie die Forscher betonen. Doch sie scheint Betroffenen zu ermöglichen, länger aktiv am Alltag teilhaben zu können – ein enormer Gewinn an Lebensqualität. „Die gleiche Methode ist bei weltweit mehr als 135.000 Parkinson-Patienten bereits erfolgreich eingesetzt worden. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass ihr potenzieller Nutzen auch bei Menschen mit Alzheimer eingehender untersucht werden sollte“, sagt Mitautor Ali Rezai von der West Virginia University in Morgantown.

In einem nächsten Schritt will das Team nun nicht-operative Methoden zur Stimulation des Frontallappens erforschen. Ein weniger invasiver Ansatz würde ein geringeres Risiko bedeuten und die Therapiemethode künftig womöglich mehr Patienten zugänglich machen, sollte sich ihr positiver Einfluss auf die Alzheimer-Symptomatik bestätigen. (Alzheimer’s Disease, 2018)

(The Ohio State University Wexner Medical Center, 31.01.2018 – DAL)

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