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Raumsonde „Hope“ erreicht den Mars

Erste arabische Marssonde schwenkt in den Orbit des roten Planeten ein

Hope
Die Raumsonde "Hope" erreicht am 9. Februar 2021 den Mars und soll ihn dann als "Wettersatellit" umkreisen. © UAE Space Agency

Historischer Moment: Die erste Raumsonde aus der Arabischen Welt hat den Roten Planeten erreicht. Gegen 16:30 Uhr unserer Zeit hat die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gebaute Raumsonde „Hope“ das Manöver zum Einschwenken in den Marsorbit begonnen. Sie soll nun ein Jahr lang das Wetter und Klima unseres Nachbarplaneten erforschen.

Unser Nachbar Mars ist der Planet im Sonnensystem, der den meisten Besuch von menschengemachten Gefährten bekommen hat. Neben mehreren Raumsonden im Orbit haben schon einige Rover und Landesonden die Oberfläche des Roten Planeten erkundet. Aktuell sind der NASA-Marsrover Curiosity und die stationäre NASA-Sonde Mars Insight auf dem Mars aktiv. Bislang allerdings haben nur die USA, Russland, Europa und Indien Raumsonden erfolgreich Raumsonden zum Roten Planeten entsandt.

Gelungener Orbit-Eintritt

Jetzt kommt ein Land hinzu, das bis vor sieben Jahren nicht einmal ein Raumfahrtprogramm besaß: die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Am 9. Februar 2021 ab 16:30 Uhr begann die Raumsonde „Hope“ mit dem Manöver zum Einschwenken in die Mars-Umlaufbahn . Dafür wurden die Triebwerke rund 27 Minuten lang gezündet, um die Geschwindigkeit der Sonde von gut 120.000 auf nur noch gut 17.000 Kilometer pro Stunde zu verringern.

Auf diese Weise abgebremst, kreist die würfelförmige Sonde von etwa der Größe eines Kleinwagens den Roten Planeten zunächst in einem stark elliptischen Einfang-Orbit, der sie bis auf 1.000 Kilometer an die Marsoberfläche heranbringt und bis zu 43.000 Kilometer weit von ihr weg führt. Erst nach und nach erreicht Hope dann ihre endgültige Umlaufbahn in 20.000 bis 43.0000 Kilometer Höhe. Für einen Umlauf benötigt sie dann rund 55 Stunden – das entspricht etwa einem Marstag.

Missionsablauf
Missionsablauf der Emirates-Marsmission. © UAE Space Agency

Ein Wettersatellit für den Mars

Aufgabe der ersten arabischen Marssonde wird es sein, das Wetter und Klima des Mars näher zu erforschen. Nach Angaben des Missionsteams ist Hope der „erste echte Wettersatellit“ des Mars.  Sie trägt dafür drei wissenschaftliche Instrumente an Bord: eine Multispektralkamera, ein Infrarot-Spektrometer und ein UV-Spektrometer. Sie sollen ein nahezu täglich aktualisiertes Gesamtprofil der Zusammensetzung und Temperatur der Marsatmosphäre liefern.

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Die Raumsonde schließt damit eine Lücke in den bisherigen Beobachtungen. „Es war uns sehr wichtig, dass wir einen Forschungsbereich erschließen, der nicht nur für die Vereinigten Arabischen Emirate relevant ist, sondern für die gesamte globale Wissenschaftsgemeinschaft“, sagt Missionsleiterin Sarah Al Amiri.

Von null auf hundert in sechs Jahren

Doch wie kamen ausgerechnet die Vereinigten Arabischen Emirate dazu, eine Marsmission durchzuführen? Immerhin verfügte das Land zuvor über so gut wie keine Erfahrung in der Raumfahrt. Den Anfang nahm die arabische Marsmission im Jahr 2014, als der Emir von Dubai, Muhammad bin Raschid Al Maktum, den Plan vorstellte, zum 50. Geburtstag der Emirate im Jahr 2021 eine Marsmission durchzuführen.

Für die Entwicklung der Sonde und aller für die Mission nötigen Technologien blieben damit nicht einmal mehr ganz sechs Jahre. Und wie lanciert man eine Marsmission ohne Erfahrung und ohne geschultes Personal? Die Verantwortlichen in den VAE holten sich dafür Hilfe von altgedienten US-Raumfahrt-Spezialisten, unter anderem von der University of Colorado in Boulder. Das Team dort hat bereits die NASA-Marssonde MAVEN entwickelt, eine Orbitersonde, die ähnlich wie nun Hope die Marsatmosphäre erforscht.

Sechs Jahre lang arbeiteten junge Wissenschaftler und Ingenieure aus den Emiraten gemeinsam mit den US-Spezialisten an der Entwicklung der Marssonde „Hope“ – arabisch „Al-Amal“. Der Bau fand dabei größtenteils in den USA statt, die Missionsleitung und Finanzierung übernahmen jedoch die Emirate. Am 20. Juli 2020 war es dann soweit: „Hope“ startete vom Tanegashima-Weltraumbahnhof in Japan Richtung Mars.

Quelle: UAE Space Agency, Northern Arizona University

(Upgedatet am 10. Februar 2021)

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