Shell ändert Routen-Verlauf im Ochotskischen Meer Pipeline-Projekt: Entwarnung für Grauwale? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Shell ändert Routen-Verlauf im Ochotskischen Meer

Pipeline-Projekt: Entwarnung für Grauwale?

Die Route einer umstrittenen Pipeline zur Öl- und Gasförderung im Ochotskischen Meer vor der russischen Insel Sachalin wird nach heftigen Protesten von Umweltschützern verlegt. Dazu hat sich die unter Federführung von Shell stehende „Sakhalin Energy Investment Company“ entschlossen. Die Pipeline sollte ursprünglich mitten durch die Nahrungsgründe der stark gefährdeten letzten 100 Westpazifischen Grauwale verlaufen, wird jetzt aber 20 Kilometer weiter südlich gebaut.

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Mitte Februar hatten unabhängige Walforscher der Weltnaturschutzunion IUCN das Projekt kritisiert, weil Lärm und Ölverschmutzung die Tiere gefährden. Ähnlich hatte sich 2004 auch die Internationale Walfangkommission IWC geäußert.

Der WWF begrüßte die Entscheidung in einer ersten Stellungnahme. „Das ist ein Sieg der Vernunft. Er wäre ohne den Druck der lokalen Bevölkerung, vieler Umweltverbände, Wissenschaftler und Regierungen nicht zustande gekommen. Für Shell geht es vor allem darum, einen ähnlichen Image-Schaden wie bei der Versenkung der ‚Brent Spar’ zu verhindern“, so WWF-Artenschützer Stefan Ziegler.

Entwarnung für die Grauwale gebe es aber noch nicht, betont der WWF. Denn bislang hält Shell am Bau einer ebenfalls umstrittenen Förder-Plattform in der Piltun-Bucht vor der Küste Sachalins fest. „Auch für die Plattform muss Shell nach Alternativen suchen“, betont Ziegler. Diese hatten auch die IUCN-Walforscher gefordert.

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Vor allem bei den Bauarbeiten könnten Wale durch Kollisionen mit Schiffen getötet werden. Erst wenn jede Gefahr für die Grauwale ausgeschlossen sei, solle mit der Ausbeutung der Öl- und Gasvorkommen begonnen werden. Vorher dürfe es auch keine Kredite der Europäischen Entwicklungsbank (EBRD) geben, so der WWF. Vor Sachalin liegen bedeutende Öl- und Gasvorkommen. Seit 1998 werden sie ausgebeutet, weitere Ausbaustufen sind geplant.

Insbesondere die enorme Belastung durch Ölbohrungen und Sprengungen für die Montage neuer Anlagen macht den Grauwalen zu schaffen. Die Tiere, die sich per Schallwellen orientieren und kommunizieren, reagieren sensibel auf Lärm. Forscherteams registrieren seit 1999 vermehrt abgemagerte Tiere, und auch die Fortpflanzung leidet unter den Störungen.

Die Westpazifischen Grauwale sind nach Angaben des WWF einer der am stärksten bedrohten Walbestände der Weltmeere. Unter den schätzungsweise hundert verbliebenen Tieren leben nur noch 23 fortpflanzungsfähige Weibchen. Die bis zu 35 Tonnen schweren und 14 Meter langen Tiere halten sich in den Sommermonaten in der Piltun-Bucht auf. Der WWF fordert die Einrichtung eines Schutzgebietes rund um die Bucht im Norden der Insel.

(WWF, 01.04.2005 – DLO)

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