Waranart belegt unterschätzte Vielfalt der Top-Raubtiere dieser Region Neuer „Drache“ in Indonesien entdeckt - scinexx | Das Wissensmagazin
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Waranart belegt unterschätzte Vielfalt der Top-Raubtiere dieser Region

Neuer „Drache“ in Indonesien entdeckt

Die neue Art Varanus lirungensis © Forschungsinstitut und Museum Alexander Koenig

Ein deutsch-indonesisches Forscherteam hat eine bisher unbekannte Großwaran-Art auf den Talaud-Inseln in Indonesien entdeckt. Die mittels morphologischer und molekularbiologischer Methoden identifzierte neue Art Varanus lirungensis kommt offenbar nur auf diesem Archipel vor und ist bereits jetzt durch Jäger bedroht, wie die Forscher in der Zeitschrift „Australian Journal of Zoology“ berichten.

Das südostasiatische Inselreich Indonesien ist bekannt für seinen außergewöhnlichen Artenreichtum. Es ist eines der Zentren der Artenvielfalt der Erde, ein Megadiversitätsland. Dies betrifft nicht nur Korallenfische oder Schmetterlinge, sondern auch die großen Beutegreifer der Region, die Warane ; allen voran der berühmt-berüchtigte Komodowaran. Besonders die Gruppe der Pazifikwarane um Varanus indicus hat in der jüngsten Vergangenheit wiederholt für spektakuläre Überraschungen gesorgt, da bisher unbekannte, und dazu noch zum Teil farbenprächtig gezeichnete Arten entdeckt wurden.

Diese neuen Arten gelangten zumeist über den internationalen Reptilhandel nach Europa und Deutschland, oder sie wurden in alten Sammlungen naturkundlicher Museen entdeckt, wo ihre wahre Identität of jahrzehntelang unerkannt blieb. Nicht so jedoch bei der vorerst letzten neuen Waranart, die ein deutsch- indonesisches Biologen-Team nun auf einer abgelegenen Inselgruppe Indonesiens aufspürte.

Überraschender Fund auf Talaud

Ursprünglich waren André Koch und seine indonesische Kooperationspartnerin Evy Arida vom Zoologischen Museum in Bogor auf Java auf die Talaud-Inseln gereist, um einen anderen weit verbreiteten Waran Südostasiens, den Bindenwaran (Varanus salvator), zu studieren. Da die Talaud-

Inseln zwischen der Nordhalbinsel Sulawesis und der philippinischen Insel Mindanao liegen, nahmen sie an, dass die kleinen Inseln wie eine Reihe von „Trittsteinen“ im Meer den großen Reptilien sowie anderen Tieren das Wandern von Insel zu Insel ermöglicht hätten.

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Welche Form des Bindenwarans den Talaud-Archipel bewohnen würde, war jedoch vollkommen unklar. Umso größer war die Überraschung, als Koch und Arida entdeckten, dass kein Bindenwaran, sondern ein weiterer, bisher unbekannter Vertreter der ebenfalls sehr weit verbreiteten Pazifikwarane (Varanus indicus-Gruppe) die Talaud-Inseln besiedelt. Die neue Art Varanus lirungensis ist nur von der kleinen Inselgruppe des Talaud-Archipels bekannt. Der wissenschaftliche Name lirungensis verweist auf den Fundort des neuen Warans, die kleine Ortschaft Lirung auf Salibabu, der zweitgrößten der Talaud-Inseln gelegen.

Keine direkte Koexistenz verschiedener Waranarten

Die Hoffnung, eventuell den Beleg für ein erstes gemeinsames Vorkommen dieser Großwarane zu liefern, konnte jedoch nicht erfüllt werden, da sich beide Arten aufgrund ihrer sehr ähnlichen Lebensweise gegenseitig auszuschließen scheinen. Somit mussten die Forscher ihre biogeographische Hypothese der Talaud-Inseln als Ausbreitungsweg zwischen den Philippinen und Sulawesi verwerfen oder doch zumindest einschränken.

„Der Fund von Varanus lirungensis ist besonders wichtig, weil er belegt, wie groß die Vielfalt der Warane in Indonesien tatsächlich ist“, äußert sich Koch. Professor Wolfgang Böhme, ebenfalls vom Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig, fügt hinzu: „Nach der Entdeckung gleich mehrerer bisher unbekannter Formen des Bindenwarans vor zwei Jahren auf Sulawesi und den umliegenden Inseln, ist dies ein weiterer Beleg für die unterschätzte Vielfalt indonesischer Warane.“

Auch neue Art bereits bedroht

Kaum entdeckt, könnte die neue Art möglicherweise schon bedroht sein. „Da Warane für den internationalen Tier- und Reptillederhandel gefangen werden, könnten kleine Inselpopulationen angesichts dieses Jagddrucks eventuell ausgelöscht werden“, befürchtet Professor Wolfgang Wägele, Direktor des ZFMK. Er befürwortet daher die taxonomische Überarbeitung der Warane Indonesiens. „Die wissenschaftlichen Untersuchungen sind dringend notwendig, um offizielle Fangquoten und den Schutzstatus einzelner Inselpopulationen anzupassen“, unterstützt ihn Thomas Ziegler, Co-Autor und Leiter des Aquariums am Kölner Zoo.

(Zoologisches Forschungsinstitut und Museum Alexander Koenig, 21.07.2009 – NPO)

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