Forscher entdecken tausende kreisrunde Vertiefungen unbekannter Herkunft "Löcher" im Meeresgrund geben Rätsel auf - scinexx | Das Wissensmagazin
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„Löcher“ im Meeresgrund geben Rätsel auf

Forscher entdecken tausende kreisrunde Vertiefungen unbekannter Herkunft

Senken am Meeresgrund
Forscher haben am Meeresgrund vor Kalifornien tausende kreisrunder, große Senken (Pockmarks) und 15.000 kleinere Senken (Microdepressions) entdeckt. Ihre Ursache ist jedoch rätselhaft. © 2019 MABRI

Mysteriöse Senken: Am Meeresgrund vor der Küste Kaliforniens haben Forscher mehr als 5.000 kreisrunde, regelmäßig angeordnete Senken entdeckt. Wodurch diese bis zu 175 Meter großen „Pockennarben“ entstanden sind, ist unbekannt. Ebenfalls rätselhaft sind rund 15.000 kleinere Senken, die eher länglich geformt sind und auffallend oft Fremdkörper wie Steine, Knochen, Fischernetze oder Algenreste enthalten.

Die meisten Strukturen am Meeresgrund verdanken ihre Existenz verschiedenen geologischen Prozessen. So gehen Seamounts, aktive Untersee-Vulkane und auch hydrothermale Schlote auf vulkanische Aktivität im Untergrund zurück. Viele Senken und kleinere Krater werden dagegen von Gasaustritten aus dem Sediment oder aus Methanhydraten gebildet. Auch in der Nordsee vor Helgoland gibt es solche durch frische Methanausgasungen entstandenen „Pockennarben“ am Meeresgrund.

Pockmark-Verteilung
Verteilung der "Pockennarben" in eiem Teil des Untersuchungsgebiets. © 2019 MBARI

Zwei Arten von Senken

Doch jetzt haben Forscher „Pockennarben“ und Senken vor Kaliforniens Küste entdeckt, die ihnen Rätsel aufgeben. Im Verlauf der letzten Jahre hatten Eve Lundsten vom Monterey Bay Aquarium Research Institute (MBARI) und ihre Kollegen den Meeresgrund südlich von Monterey detailliert kartiert, weil dort mehrere Offshore-Windfarmen geplant sind. Bei der Kartierung mithilfe von mit Sonar ausgerüsteten autonomen Tauchrobotern stießen sie auf zwei verschiedene Arten merkwürdiger Vertiefungen.

Das erste Phänomen sind gut 5.200 nahezu kreisrunde Senken, die fast regelmäßig über den Meeresboden verteilt sind. Jede dieser „Pockennarben“ im Sediment ist rund fünf Meter tief und im Schnitt 175 Meter breit, wie die Forscher berichten. Der zweite Typ von Vertiefungen ist mit nur gut elf Metern Durchmesser deutlich kleiner und auch nur 90 Zentimeter tief. Dafür kommen diese Mikrodepressionen in diesem Küstenbereich umso zahlreicher vor: Mehr als 15.000 dieser Senken zählten die Wissenschaftler allein in ihrem Untersuchungsgebiet.

Ursache der „Pockennarben“ ungeklärt

Was aber ist die Ursache dieser merkwürdigen Senken? Die größeren „Pockennarben“ ähneln rein
äußerlich den bekannten Kratern aktiver Gasaustritte. Doch weder im umgebenden Meerwasser noch im Sediment konnten Lundsten und ihr Team Spuren von Methan oder anderen Gasen feststellen. Auch warum sich diese Senken ausgerechnet vor diesem Teil der Küste so häufen und warum sie fast regelmäßig angeordnet sind, ließ sich bisher nicht ermitteln.

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Sonar-Scans des Untergrunds sprechen aber dafür, dass diese Krater seit mindestens 50.000 Jahren bestehen und inaktiv sind. „Die Ursache und lange Erhaltungsdauer dieser Pockennarben bleibt weiterhin ein Rätsel“, sagt Lundsten. „Wir finden jedoch keinerlei Hinweise darauf, dass sie durch den Austritt eines Gases oder einer Flüssigkeit aus dem Meeresgrund entstanden sind.“

MIkrodepression
3D-Modell einer Mikrodrepssion am Meeresgrund. © 2019 MBARI

Mikrodepressionen mit Fremdobjekten

Ähnlich rätselhaft sind die kleineren Mikrodepressionen. Im Gegensatz zu den „Pockennarben“ liegen sie in deutlich jüngerem Sediment und haben steilere Ränder, wie die Aufnahmen der Tauchroboter zeigten. Zudem sind sie nicht kreisrund, sondern nach einer Seite hin länglich ausgezogen. Interessanterweise zeigt dabei der „Schweif“ vieler dieser Senken in die gleiche Richtung – nach Südosten.

Auffällig auch: Etwa die Hälfte der Mikrodepressionen enthielt fremdes Material. Die Spanne reichte von Algenklumpen, Walknochen oder Steinen bis zu gefüllten Müllsäcken, leeren Kanistern oder Resten von Fischernetzen. Die Forscher beobachteten zudem, dass Fische diese Objekte häufig als Unterschlupf nutzen. Sie vermuten deshalb, dass diese Tiere an der Bildung der Mikrodepressionen beteiligt sind:

„Wenn Fische immer wieder das feinkörnige Sediment aufwirbeln, wird es von der bodennahen Strömung weggetragen“, so Lundsten. „Das könnte dazu beitragen, dass im Laufe der Zeit diese erodierten Senken entstanden sind.“

„Noch eine Menge Arbeit“

Bisher allerdings ist dies nur eine Spekulation. Ob sie zutrifft, und wie die größeren „Pockennarben“ am Meeresgrund vor Big Sur entstanden sind, bleibt aber vorerst noch ungeklärt. „Es liegt noch eine Menge Arbeit vor uns, um zu verstehen, wie alle diese Phänomene gebildet wurden – wir haben gerade erst damit begonnen“, betont Lundsten. (AGU Fall meeting, 2019; talk EP11B-02)

Quelle: Monterey Bay Aquarium Research Institute (MBARI)

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