Bericht zur „2°max-Klimastrategie“ zeigt Konstruktionsfehler im bestehenden Klimaschutzsystem auf Klimaschutz: Globaler Emissionshandel könnte Zwei Grad Ziel retten - scinexx | Das Wissensmagazin
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Bericht zur „2°max-Klimastrategie“ zeigt Konstruktionsfehler im bestehenden Klimaschutzsystem auf

Klimaschutz: Globaler Emissionshandel könnte Zwei Grad Ziel retten

Das bestehende System zum Weltklimaschutz hat erhebliche Konstruktionsfehler, das konstatieren Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Doch noch gibt es Möglichkeiten, die Mängel zu überwinden und eine wirkungsvolle Strategie umzusetzen, mit der die globale Erwärmung auf zwei Grad Celsius begrenzt werden kann. Wie dies genau aussehen kann, beschreiben die Autoren nun in ihrem Bericht.

„Klimabasar“ nicht zielführend

Die nach Kopenhagen eingereichten Selbstverpflichtungen der Länder, ihre Emissionen von Treibhausgasen zu senken, reichen nicht aus, um einen ambitionierten Klimaschutz umzusetzen. „Das Schema Klimabasar – jeder gibt so wenig, wie er kann – hat die Verhandlungen in eine Sackgasse geführt“, erklärt Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Um das Zwei-Grad-Limit realistisch einhalten zu können, müssten die weltweiten Emissionen vor 2020 sinken und bis 2050 auf die Hälfte des Wertes von 1990 reduziert werden. Die bisher zur Kopenhagen-Vereinbarung eingereichten Selbstverpflichtungen der Länder bedeuteten dagegen einen Anstieg der globalen Mitteltemperatur um mehr als drei Grad Celsius in diesem Jahrhundert.

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„Um neuen Schwung in die Verhandlungen über ein globales Klimaschutzabkommen zu bringen, bedarf es einer wirkungsvollen und gerechten Strategie“, erklärt Lutz Wicke. Diese müsste die Interessen aller Länder gleichermaßen berücksichtigen. Gemeinsam mit Hans Joachim Schellnhuber und Daniel Klingenfeld vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) legt der Direktor des Instituts für Umweltmanagement an der Wirtschaftshochschule ESCP Europe nun die „2°max-Klimastrategie“ vor. Aufbauend auf dem Budgetansatz des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung für globale Umweltveränderungen (WBGU) zeigen die Autoren, wie das Ziel der Kopenhagen-Vereinbarung („Copenhagen Accord“) erreicht werden kann, die globale Erwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen.

Globaler Emissionshandel als zentrales Element

Zunächst gelte es, die Konstruktionsmängel des Kyoto-Protokolls zu überwinden, heißt es in dem Bericht. Die Autoren fordern eine weltweite, mit dem Zwei-Grad-Limit vereinbare Emissionsbegrenzung. Auf diese Weise berücksichtigt die 2°max-Klimastrategie auch die Interessen Chinas und der USA, keine nationalen Emissionsbeschränkungen zu akzeptieren. Die Emissionsbegrenzung soll nicht national, sondern global definiert und über ein „Peak and Trade“-Emissionshandelssystem umgesetzt werden.

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Die erste, keineswegs zu enge weltweit verbindliche Höchstemissionsgrenze – der „Peak“ – von beispielsweise 35 Milliarden Tonnen Kohlendioxid (CO2) im Jahr 2015 müsste zu Erreichung des vereinbarten maximal plus 2°-Klimazieles in den folgenden Jahren stufenweise reduziert werden. Gleichmäßig auf die Weltbevölkerung von 6,9 Milliarden Menschen im Basisjahr 2010 verteilt, ergäben sich Emissionsrechte von zunächst rund fünf Tonnen CO2 pro Kopf.

Anreiz auch für Entwicklungsländer

„Das Verteilungsprinzip ‚one human, one emissions right’, wie es auch dem Budgetansatz des WBGU zugrunde liegt, ist Voraussetzung dafür, die Entwicklungsländer fair und aktiv einzubinden“, sagt Wicke. Für diese Länder ergäbe sich daraus der große ökonomische Anreiz, bei nachhaltiger klimafreundlicher Entwicklung dauerhaft nicht benötigte Überschussemissionsrechte verkaufen zu können. Ein einheitlicher Preis für Brennstoffzertifikate würde weltweit starke Anreize für klimafreundliches Investieren und Konsumieren, für Energiesparen und Effizienzsteigerungen und für den Ausbau erneuerbarer Energien setzen.

(Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), 28.04.2010 – NPO)

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