12.300 Jahre alte Angelhaken aus Knochen und Elfenbein in Brandenburg entdeckt Eiszeitjäger erfanden das Angeln - scinexx | Das Wissensmagazin
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12.300 Jahre alte Angelhaken aus Knochen und Elfenbein in Brandenburg entdeckt

Eiszeitjäger erfanden das Angeln

Steinzeitlicher Angelhaken aus der archäologischen Fundstelle Wustermark. Das Rohmaterial ist aus Mammut-Elfenbein und zirka 19.000 Jahre alt. Der Angelhaken selbst wurde von den Jägern und Sammlern jedoch erst vor zirka 12.300 Jahren hergestellt und wahrscheinlich zum Angeln von Hechten verwendet. © Sommer

Schon während der Eiszeit ergänzten unsere Vorfahren ihren Speiseplan mit geangelten Fischen. Das belegen 12.300 Jahre alte Angelhaken aus Knochen und Mammut-Elfenbein, die Archäologen in der Wustermark in Brandenburg entdeckt haben. Sie belegen, dass auch die eigentlich hoch spezialisierten Rentierjäger damals bereits begannen, in den neu entstehenden Seen und Flüssen zu angeln – und damit diese Technik des Fischfangs deutlich früher entwickelten als bisher angenommen, wie die Forscher im Fachmagazin „Journal of Archaeological Science“ berichten.

Erste Artefakte und Knochenspitzen hatte der Prähistoriker Jonas Beran bereits im Jahr 1998 bei einer Ausgrabung in der Gemeinde Wustermark in Brandenburg entdeckt. Sie wiesen auf urzeitliche Jäger und Sammler in dieser Region hin. In weiteren Ausgrabungen bargen dann Archäologen sechs Angelhaken aus Knochenmaterial, die auf ein Alter von 12.300 Jahren datiert wurden. Damit stellen die vorzeitlichen Angelhaken aus der Wustermark neben anderen Funden aus Frankreich, Deutschland und Österreich den bisher umfangreichsten Fund an Angelhaken aus der letzten Epoche der Altsteinzeit in Europa dar.

Klimaänderung eröffnete neue Nahrungsquellen

„Bisher glaubte man, dass die Angelhaken als Werkzeug zum Fischfang eine typische technische Errungenschaft der Mittleren Steinzeit waren – die Existenz der Funde aus Brandenburg sind jedoch ein Hinweis dafür, dass das Angeln seine Wurzeln schon in der Späten Altsteinzeit hat“, sagt der Archäologe Bernhard Gramsch, Erstautor der Studie. Nach Ansicht der Forscher brachten die sich vor rund 12.300 Jahren allmählich ändernden Umweltbedingungen die Rentierjäger vermutlich dazu, schon vor dem Ende der Eiszeit ans Angeln zu denken.

„Aufgrund der Knochen- und Pollenfunde aus der archäologischen Siedlung wissen wir, dass die Menschen in der ausgehenden Eiszeit schon Gewässer in der Landschaft vorfanden, die eine gute Voraussetzung für das Angeln von Hechten waren“, sagt Studienleiter Robert Sommer von der Universität Kiel. „Und das betrieben sie offensichtlich auch intensiv, denn das Auffinden von gleich sechs Angelhaken und zahlreichen Knochenresten von Hechten kann kein Zufall sein.“ Der einmalige Fund dokumentiere deshalb in anschaulicher Weise eine am Ende der Eiszeit erfolgte Wende im ökonomischen Verhalten des Menschen: Die hoch spezialisierten Rentierjäger beginnen mit dem Hechtangeln. „So passten sie sich an die zunehmende Klimaveränderung an“, erläutert der Forscher.

Mammut-Elfenbein als Rohstoff

„Als eine kleine Sensation stellte sich heraus, dass einer der Angelhaken gar nicht – wie zunächst vermutet – aus Knochenmaterial hergestellt war, sondern möglicherweise aus Elfenbein des Mammuts.“ Datierungen enthüllten, dass das für den Haken verwendete Elfenbein bereits 19.000 Jahre alt ist – und damit nicht von einem frisch getöteten Mammut stammen kann. Stattdessen müssen unsere Vorfahren die damals bereits 7.000 Jahre alten Stoßzähne gefunden und dann daraus den Angelhaken geschnitzt haben. „Wir können im Fall des Angelhakens aus Mammut-Elfenbein zeigen, dass die eiszeitlichen Menschen damit schon einen subfossilen Rohstoff für technische Zwecke nutzten“, sagt Gramsch. (Journal of Archaeological Science, 2013; doi: 10.1016/j.jas.2013.01.010)

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(Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, 19.02.2013 – NPO)

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