Forscher ermitteln Spracheinstellungen in Deutschland Deutsche lieben ihre Sprache - scinexx | Das Wissensmagazin
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Forscher ermitteln Spracheinstellungen in Deutschland

Deutsche lieben ihre Sprache

Sprache © MMCD

Die große Mehrheit der Deutschen empfindet Liebe und Stolz für die deutsche Sprache. Das ist das Ergebnis einer neuen, deutschlandweiten Studie Mannheimer Wissenschaftler. Über 2.000 Menschen, darunter auch Nicht-Muttersprachler, wurden darin nach ihren Gefühlen gefragt, die sie für die deutsche Sprache haben.

Sie bewerteten aber auch Dialekte und fremdsprachige Akzente, äußerten sich zur Entwicklung des Deutschen und machten Angaben zu ihrem Mediengebrauch.

Eines der wichtigsten Ergebnisse der Untersuchung des Mannheimer Instituts für Deutsche Sprache (IDS) und der Universität Mannheim ist die große Verbundenheit der Deutschen mit ihrer Sprache. 87 Prozent aller Befragten geben an, dass ihnen die deutsche Sprache gut bis sehr gut gefällt. Sie empfinden Stolz (56%) und Liebe (47%) für ihre Sprache und beschreiben sie als schön, anziehend, logisch, aber auch schwierig. Während in einer früheren Studie aus dem Jahr 1997/1998 nur 13 Prozent aller Deutschen erklärten, ein großes Interesse an der Pflege der deutschen Sprache zu haben, sind es heute mehr als ein Drittel.

Norddeutscher Dialekt am sympathischsten

Mehr als die Hälfte aller Deutschen sprechen nach Angaben der Forscher einen Dialekt. Die meisten davon leben im Süden bzw. Südwesten Deutschlands und im Ostteil Berlins.

Das Vorurteil, Dialekte seien ein Zeichen von niedrigem sozialen Status, konnte die Studie widerlegen: Es zeigte sich nach Angaben der Wissenschaftler kein Zusammenhang zwischen Dialektkompetenz und Bildungsgrad. Am sympathischsten wird der norddeutsche Dialekt empfunden (24%), gefolgt von Bairisch (20%) und Alemannisch (13%). Nur eine Minderheit (9%) gibt an, keinen Dialekt zu mögen, und immerhin fast ein Drittel der Befragten findet keinen der deutschen Dialekte unsympathisch.

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Französischer Akzent am beliebtesten

Auch fremdsprachigen Akzenten stehen die Deutschen laut der Studie eher positiv gegenüber. Fast die Hälfte aller Teilnehmer der Untersuchung erklärten, dass es keinen Akzent gibt, der ihnen unsympathisch ist. Nur ein Fünftel findet keinen Akzent sympathisch. In der Liste der positiv bewerteten Akzente schneidet der französische mit mehr als einem Drittel eindeutig am besten ab. Auch deutsch mit einem italienischen Einschlag wird immerhin von 21 Prozent der Befragten als sympathisch bewertet.

Verständigung mit Einwanderern schwierig?

Ein großer Teil der deutschen Bevölkerung empfindet dagegen die Verständigung mit Einwanderern als schwierig oder sogar sehr schwierig. Dass Einwanderer in bestimmten Lebensbereichen überwiegend ihre Muttersprache sprechen, bewerten 44 Prozent der Befragten ebenfalls als schlecht oder sehr schlecht.

Sorgen um die Zukunft der deutschen Sprache

Die Mehrheit der Deutschen betrachtet zudem die Entwicklung der deutschen Sprache mit gemischten Gefühlen und Sorge: Waren es 1997/1998 noch 53 Prozent der Deutschen, denen Veränderungen in der deutschen Sprache auffielen, so sind es heute 84 Prozent. Als Ursachen des Wandels wird der Einfluss durch fremde Sprachen, und hier vor allem des Englischen, wahrgenommen. Hinzu komen die (neue) Rechtschreibung, die Sprache der Jugend, mangelnde Sprachsorgfalt, unangemessenes Sprechen und Schreiben sowie Veränderungen in der Grammatik. Die Hauptverantwortung an der Veränderung der deutschen Sprache wird nach den Ergebnissen der Wissenschaftler vor allem den Medien zugeschrieben.

Die Mehrheit der Befragten betrachtet darüber hinaus die Entwicklung der deutschen Sprache mit gemischten Gefühlen oder sogar mit Sorge. Auf die Frage, ob die Veränderung der deutschen Sprache positiv oder negativ zu bewerten sei, antwortet mehr als die Hälfte der Befragten unentschieden. 30 Prozent sind aber der Ansicht, die Entwicklung sei „eher besorgniserregend“ oder „sehr besorgniserregend“. Immerhin 16 Prozent der in Deutschland lebenden Bevölkerung finden die Veränderungen jedoch „eher erfreulich“ bzw. „sehr erfreulich“.

Schule und Politik sollten mehr für die deutsche Sprache tun

78 Prozent der Deutschen sind, so die Wissenschaftler, der Meinung, dass mehr für die deutsche Sprache getan werden sollte. Ein Gesetz zum Schutz der deutschen Sprache lehnt die Mehrheit dennoch ab. Vor allem von Lehrern, Schulen und Jugendeinrichtungen wird erwartet, dass sie sich stärker um die Sprache kümmern sollten. An zweiter Stelle wird die Politik genannt, erst an dritter Stelle kommen die Eltern.

(idw – Institut für Deutsche Sprache, 18.06.2009 – DLO)

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