Onshore-Windenergie in Europa könnte den Weltenergiebedarf bis 2050 decken Europa: Windkraft-Potenzial größer als gedacht - scinexx | Das Wissensmagazin
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Europa: Windkraft-Potenzial größer als gedacht

Onshore-Windenergie in Europa könnte den Weltenergiebedarf bis 2050 decken

Windanlage
Selbst an Land gibt es in Europa noch viel ungenutztes Potenzial für die Windenergie, wie nun eine Studie zeigt. © Dar1930 / iStock

100-mal mehr als jetzt: Europa könnte 52 Terawatt an Windenergie allein durch Anlagen auf dem Land erzeugen – das entspricht einem Megawatt Strom pro 16 Einwohner. Denn einer neuen Studie zufolge eignen sich rund 46 Prozent der europäischen Landflächen für die Windkraft. Besonders großes Potenzial haben demnach die Türkei, der Balkan, Russland und Norwegen, aber auch weite Teile Westeuropas. Insgesamt wäre Platz für elf Millionen weitere Windräder, wie die Forscher berichten.

Der Wind liefert theoretisch genügend Energie, um die gesamte Menschheit mit Strom zu versorgen. Die Windkraft gilt daher als wichtiger Baustein der erneuerbaren Energieversorgung. Bisher decken Windanlagen an Land und auf See rund zwölf Prozent des Strombedarfs in Europa. Die Tendenz ist – auch dank fallender Preise für Anlagen – jedoch steigend.

Allerdings ist die Windkraft nicht unumstritten. Denn Windanlagen können erhebliche Auswirkungen auf Ökosysteme haben und für Fledermäuse und Vögel sogar zur Todesfalle werden. Zudem empfinden auch viele Menschen die Präsenz der Windturbinen als störend. Unter anderem deshalb sind beispielsweise in Deutschland viele Gebiete in der Nähe von Siedlungen oder Wäldern von einer Nutzung durch Windkraft ausgenommen.

Windkraftkarte
Windkraft-Potenzial der europäischen Länder. © University of Sussex/ Aarhus University

Platz für elf Millionen Windräder

Doch wie viel Windenergie könnte in Europa trotz solcher Einschränkungen an Land gewonnen werden? Das haben Peter Enevoldsen von der Universität Aarhus und seine Kollegen nun ermittelt. Für ihre Studie werteten sie Daten zu Winden, Landschaftsformen und anderen Parametern mithilfe eines Geoinformationssystems (GIS) aus. Dabei bezogen sie auch Ausschlussfaktoren wie Bebauung, Straßen, Sperrgebiete oder ungeeignetes Terrain mit ein.

Das Ergebnis: In Europa wären theoretisch 4,9 Millionen Quadratkilometer Landfläche für die Windenergie geeignet – das entspricht ungefähr 46 Prozent der gesamten Fläche des Kontinents. Theoretisch wäre demnach Platz für rund elf Millionen zusätzlicher Windräder. „Natürlich sagen wir damit nicht, dass wir Windturbinen an allen potenziell geeigneten Standorten installieren sollten“, betont Coautor Benjamin Sovacool von der University of Sussex. „Aber unsere Studie zeigt das enorme Potenzial der Windenergie quer durch Europa.“

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Ein Megawatt pro 16 Europäer

Konkret beziffern die Forscher dieses Potenzial so: „Insgesamt gibt es in Europa eine ungenutzte Windkraft-Kapazität von 52,5 Terawatt – das entspricht einem Megawatt auf 16 Europäer“, berichten Enevoldsen und sein Team. „Diese Energie wäre ausreichend, um den globalen Energiebedarf aller Sektoren von jetzt an bis zum Jahr 2050 zu decken.“ Das Windkraft-Potenzial Europas wäre damit deutlich größer als auf Basis früherer Studien angenommen.

Die größten Potenziale sehen die Forscher dabei in der Türkei, auf dem Balkan, in Russland und in Norwegen. Aber auch Teile Westeuropas seien wegen der günstigen Winde und flacher Landschaften gut für einen Ausbau der Onshore-Windkraft geeignet. Im dicht besiedelten Mitteuropa einschließlich Deutschlands gibt es dagegen nur geringeres Potenzial, wie ihre Karte zeigt.

„Schlüssel zur Dekarbonisierung“

„Die Onshore-Windkraft ist die billigste technisch ausgereifte Quelle für erneuerbare Energie“, betont Enevoldsen. „Die verschiedenen Windregionen Europas zu nutzen, ist daher der Schlüssel dazu, das Energiesystem zu dekarbonisieren und das Ziel von 100 Prozent erneuerbarer Energie zu erreichen.“ Selbst wenn man das Potenzial Europas für die Windkraft nur zu einem Teil ausnutzt, könnte dies schon gelingen. (Energy Policy, 2019; doi: 10.1016/j.enpol.2019.06.064)

Quelle: University of Sussex

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