Forscher weisen „Yersinia pestis“ in mittelalterlichen Pestopfern nach Pestbakterium war Erreger des Schwarzen Todes - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Forscher weisen „Yersinia pestis“ in mittelalterlichen Pestopfern nach

Pestbakterium war Erreger des Schwarzen Todes

Darstellung des "Schwarzen Todes" in einer Miniatur aus der Toggenburg-Bibel von 1411. © historisch

Forscher haben jetzt endgültig nachgewiesen, dass das Pestbaktierum Yersinia pestis tatsächlich der Erreger des „Schwarzen Todes“ war. Bisher war umstritten, ob dieses Bakterium die Seuche des Mittelalters auslöste. Eine genetische Analyse von Skeletten mittelalterlicher Pestopfer belegt jetzt die Präsenz des Pestbakteriums. Eine Kontamination mit modernen Bakterien sei ausgeschlossen, berichtet das Forscherteam im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS).

Der Schwarze Tod ist bis heute die wohl größte Seuchenepidemie in der Menschheitsgeschichte, ihr fielen in nur fünf Jahren, zwischen 1348 und 1353, ein Drittel aller Europäer zum Opfer. Es galt lange als umstritten, ob der bekannte heutige Pesterreger, das Bakterium Yersinia pestis, auch für den

Schwarzen Tod im Mittelalter verantwortlich war. In einer Kooperation zwischen dem Institut für Naturwissenschaftliche Archäologie der Universität Tübingen und der McMaster Universität in Kanada konnte das Bakterium zweifelsfrei als Erreger für die Pest nachgewiesen werden.

Genetische Untersuchungen, die das Bakterium auch in mittelalterlichen Proben nachwiesen, wurden bisher als Kontamination mit moderner DNA oder der DNA von Bodenbakterien bezeichnet. Zweifel an den Ergebnissen bestanden vor allem, da sich die heutige Variante der Pest, auch ohne moderne medizinische Behandlung, wesentlich langsamer ausbreitet und weniger tödlich im Vergleich zur historischen Variante verläuft.

DNA des Erregers in Pestopfern nachgewiesen

Dem internationalen Forscherteam ist es erstmals gelungen, ein für die Virulenz des Pesterregers wichtiges Ringgenom, das sogenannte „pPCP1 Plasmid, aus Skeletten eines Londoner Pestfriedhofs zu entschlüsseln. Das Ringgenom umfasst etwa 10.000 Positionen der DNA des Erregers. Für die Analyse verwendete die Arbeitsgruppe um Johannes Krause eine neue Technik des „molekularen Angelns“: Pest-DNA-Fragmente wurden aus einem Zahn-Extrakt molekular angereichert und anschließend auf modernsten DNA- Sequenzier-Maschinen entschlüsselt.

Anzeige

Die so erhaltenen kurzen Fragmente konnten zu einer langen Ringgenom-Sequenz zusammengesetzt werden, die sich als identisch im Vergleich zu heutigen Pesterregern offenbarte. „Dies deutet darauf hin, dass sich zumindest dieser Teil der Erbinformation der Pesterreger in den letzten 600 Jahren kaum verändert hat“, erklärt Krause.

Zusätzlich konnte das Forscherteam zeigen, dass es sich bei der Pest-DNA aus den Londoner Zähnen tatsächlich um mittelalterliche DNA handelt. Dafür untersuchte das Team Beschädigungen der DNA, die so nur in alter DNA vorkommen – es kann sich bei der mittelalterlichen Pest-DNA also nicht um Kontamination mit moderner DNA aus dem Labor oder von Bodenbakterien handeln. „Damit ist zweifelsfrei bewiesen, dass der heute bekannte Pesterreger Y. pestis auch Auslöser der Pest im Mittelalter war“, sagt Krause. (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2011; doi: 10.1073/pnas.1105107108)

(Universität Tübingen, 31.08.2011 – NPO)

Anzeige

In den Schlagzeilen

Diaschauen zum Thema

Dossiers zum Thema

News des Tages

Wassermoleküle

Wasser: Doch keine zwei Varianten?

Fördert Salz Allergien?

Neptun: Rätsel des "unmöglichen" Mondes gelöst

Wie gelangen Schwermetalle in Bier und Wein?

Bücher zum Thema

Welt der Bakterien - Die unsichtbaren Beherrscher unseres Planeten

Wächst die Seuchengefahr? - von Stefan H. E. Kaufmann und Susan Schädlich

Die Geschichte der Medizin - Von der Antike bis zur Gegenwart von Bernt Karger-Decker

Der Kampf zwischen Mensch und Mikrobe - 2 CDs (Audio CD) von Stefan H. E. Kaufmann (Erzähler), Klaus Sander (Produzent)

Top-Clicks der Woche

Anzeige
Anzeige