45.000 Jahre alte Lachsgräten im Kaukasus deuten auf vielseitigen Speiseplan des Frühmenschen hin Neandertaler beim Fischessen "ertappt" - scinexx | Das Wissensmagazin
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Neandertaler beim Fischessen „ertappt“

45.000 Jahre alte Lachsgräten im Kaukasus deuten auf vielseitigen Speiseplan des Frühmenschen hin

Lachs hatte auch schon der Neandertaler auf seinem Speiseplan © SXC

Rätselhafter Fund in einer Höhle im Kaukasus: Ein ganzer Berg von Lachsgräten zeigt, dass dort vor rund 45.000 Jahren jemand jede Menge Fische verspeist haben muss. Mittels Knochenanalysen haben Forscher nun den Schuldigen überführt: Es waren höchstwahrscheinlich Neandertaler. Das aber belegt, dass diese Vettern des Menschen einen vielseitigeren Speiseplan hatten als bisher angenommen.

Es wird viel darüber gerätselt, warum die heutigen, anatomisch modernen Menschen die Neandertaler in Europa vor rund 40.000 Jahren verdrängten. Einer Hypothese zufolge waren die Neandertaler in der Wahl ihrer Nahrung zu stark eingeschränkt und hatten nur große pflanzenfressende Säugetiere wie Pferd, Bison und Mammut auf ihrem Speisezettel, während die anatomisch modernen Menschen ein breiteres Nahrungsspektrum nutzten, darunter auch Fisch. Diese Flexibilität soll ihnen entscheidende Vorteile gegenüber den in der Folge ausgestorbenen Neandertalern verschafft haben.

Isotope verraten den Schuldigen

Wie sich frühere Menschen ernährt haben, untersuchen Wissenschaftler häufig über die Funde von Tierknochen und anderen Überresten in den Höhlen, in denen auch die Menschen lebten. So auch an der Kudaro 3 genannten Fundstelle an den nördlichen Hängen des Kaukasusgebirges: Dort wurden in den archäologischen Schichten des Mittelpaläolithikums Gräten von großen Lachsen gefunden. Vermutlich wurden die Gräten vor 42.000 bis 48.000 Jahren von Neandertalern dort angehäuft – was nahelegt, dass sie den Fisch gegessen haben. Allerdings wurden am gleichen Ort auch Überreste von Asiatischen Höhlenbären und von Höhlenlöwen gefunden, die die Lachsgräten in die Höhle hätten bringen können.

Wer also war der Lachs-Esser? Das haben Hervé Bocherens von der Universität Tübingen und seine russischen und belgischen Kollegen nun anhand von Knochenanalysen überprüft. Sie verglichen dazu die Isotopen-Verteilung von Kohlenstoff, Stickstoff und Schwefel in Kollagenproben der Knochen von Höhlenbär und Höhlenlöwe mit dem Isotopenmuster der Lachsgräten. Da die verschieden schweren Atome über die Nahrung in den Körper gelangen und dort auch in den Knochen eingelagert werden, erlaubt dies Rückschlüsse über den Speiseplan auch urzeitlicher Tiere. Hätten die beiden Tiere den Fisch gefressen, müsste ihr Isotopenmuster dem der Gräten ähneln.

Weder Bär noch Löwe – der Neandertaler wars

Doch die Ergebnisse zeigen, dass weder Höhlenbären noch Höhlenlöwen den Lachs gefressen hatten. Die Bären waren – wie ihre europäischen Pendants – reine Vegetarier, und die Löwen erbeuteten pflanzenfressende Tiere der trockenen Gebiete. Nach dem Ausschlussverfahren bleibt daher nur noch ein Kandidat als Lachs-Esser übrig: der Neandertaler. „Die Studie liefert uns den indirekten Hinweis, dass mittelpaläolithische Menschen, vermutlich Neandertaler, Fisch aßen, wenn er verfügbar war“, sagt Hervé Bocherens.

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Die Ernährung von Neandertalern und anatomisch modernen Menschen war daher nicht grundsätzlich verschieden – auch der eiszeitliche Vetter des Homo sapiens hatte Fisch auf seinem Speiseplan. Nach Ansicht der Forscher kann ein zu enger Speiseplan der Neandertaler daher nicht der der Hauptgrund für ihren Untergang gewesen sein. (Quaternary International, 2013; doi: 10.1016/j.quaint.2013.06.026)

(Eberhard Karls Universität Tübingen, 18.09.2013 – NPO)

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