Biomechanik der Sauropoden untersucht Megasaurier flinker als gedacht - scinexx | Das Wissensmagazin
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Biomechanik der Sauropoden untersucht

Megasaurier flinker als gedacht

Brachiosaurus © Joe Tucciarone

15 Meter hoch, 40 Meter lang und bis zu 100 Tonnen schwer: Sauropoden wie Brachiosaurus, Seismosaurus oder Argentinosaurus gehören zu den größten Landlebewesen, die es jemals auf der Erde gab. Trotzdem waren diese gewaltigen Dinosaurier viel beweglicher und wendiger als bisher vermutet. Dies haben Biologen der Universität Flensburg in einem internationalen Forschungsprojekt zur Biomechanik der Sauropoden ermittelt.

Vor über 65 Millionen Jahren starben die größten Dinosaurier aus – und bis heute geben sie den Wissenschaftlern Rätsel auf: Wie konnten die Sauropoden solche Ausmaße erreichen? Wie viel Nahrung mussten sie zu sich nehmen, um zu wachsen und sich zu vermehren? Und wie beweglich waren sie mit ihren riesigen Körpern überhaupt? – Beweglicher, als Dino-Experten bislang angenommen haben. Das sagen jedenfalls Professor Andreas Christian und Gordon Dzemski vom Institut für Biologie und Sachunterricht und ihre Didaktik an der Universität Flensburg.

Biologie des Gigantismus

Im Rahmen des internationalen Projekts „Biologie des Gigantismus“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) rekonstruieren die beiden Wissenschaftler die Halsstellung der großen Tiere. „Die wird schon seit langem sehr kontrovers diskutiert“, erklärt Christian. War der Hals der Riesenechsen nach oben gebogen wie beispielsweise bei der Giraffe? Oder hielten die Sauropoden ihren Kopf beim Fressen dicht über dem Boden – und ernährten sich somit nach dem „Staubsauger- Prinzip“?

Sollte sich herausstellen, dass die erste Variante zutraf, wäre dies eine „brisante Entdeckung“, so Christian. „Bei ihrer enormen Größe würde das bedeuten, dass die Tiere ein besonders leistungsfähiges Herz und einen extrem hohen Blutdruck gehabt haben müssen, damit das Blut beim Fressen bis zum Kopf hinauf gepumpt werden konnte.“ Manche Dino-Experten vermuten sogar, dass die Tiere zusätzliche „Hilfsherzen“ im Hals gehabt hätten.

Erste Ergebnisse zeigen nun, dass der lange Hals von Sauropoden offenbar unterschiedlich eingesetzt wurde. „Tiere, die neben einem langen Hals auch lange Vorderbeine hatten – wie etwa der Brachiosaurus – nutzen ihn wohl vorwiegend zum Fressen in der Höhe“, erläutert Christian. „Sauropoden wie der Diplodocus mit eher kurzen Vorderbeinen nutzten ihn vor allem, um mit ruhendem Rumpf ein großes Areal abzuweiden.“

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Konnten Dinos auf den Hinterbeinen stehen?

Ganz neu ist die Erkenntnis der Flensburger Biologen, dass die Sauropodenhälse trotz ihrer sperrigen Knochengerüste nicht so starr waren, wie bislang angenommen wurde. „Dadurch konnte der Raum, den die Tiere bei ruhendem Rumpf mit dem Kopf erreichen konnten, erheblich vergrößert werden. Dann hätten sie – ohne Energie für die Bewegung des massigen Körpers aufwenden zu müssen – große Mengen an Nahrung aufnehmen können.“

Mit einem derart beweglichen Hals könnte es einigen der mächtigen Tiere sogar möglich gewesen sein, sich auf die Hinterbeine zu stellen, vermutet Christian. Eine Annahme, die unter Wissenschaftlern bislang ebenfalls kontrovers diskutiert wurde.

Um die Halsstellung der Tiere zu rekonstruieren, sind Christian und Dzemski quer durch Europa gereist: In den paläonthologischen Abteilungen großer Museen und Universitäten haben sie an zahlreichen Dinosaurier-Skeletten die Halswirbel untersucht.

„Wir vergleichen an verschiedenen Stellen im Hals den Druck, der auf den Bandscheiben lastet“, erklärt Christian. Aus diesen Werten lasse sich die übliche Stellung des Halses – eben „Staubsauger-Prinzip“ oder Giraffenhals – ableiten. Diese Methode wenden die beiden Wissenschaftler aber auch an heute noch lebenden Tieren an: den Straußen. „Durch die Untersuchung ihrer Halswirbel können wir heraus finden, wie andere Tiere mit einem sehr langen Hals reagieren, wenn sie ihn über längere Zeit in einer ungewöhnlichen Stellung halten“, sagt der Biologe.

Von ihren Forschungen erhoffen sich die Flensburger Forscher noch viele weitere Aufschlüsse über den Stoffwechsel und die gesamte Physiologie der Dinosaurier, über Geschwindigkeit, Energieumsatz und Beweglichkeit.

(idw – Universität Flensburg, 05.04.2005 – DLO)

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