Forscher decken überraschenden Unterschied zwischen den Geschlechtern auf Männer erfassen Bewegungen schneller - scinexx | Das Wissensmagazin
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Forscher decken überraschenden Unterschied zwischen den Geschlechtern auf

Männer erfassen Bewegungen schneller

Männer verarbeiten visuelle Bewegungsreize anders als Frauen - aber warum? © Jake Olimb/ thinkstock

Deutlich schneller: Männer können Bewegungen offenbar besser erfassen als Frauen. Eine Studie zeigt: Die Herren der Schöpfung erkennen im Schnitt schneller, ob sich Balken auf einem Bildschirm nach links oder nach rechts bewegen. Die Ursache für diesen Wahrnehmungsunterschied ist noch unklar – sie könnte aber sogar erklären, warum Männer häufiger an Autismus erkranken, berichten Forscher.

Auch wenn viele Klischees zum Unterschied zwischen den Geschlechtern schlicht Quatsch sind: In einigen von ihnen steckt tatsächlich ein wahrer Kern. Zwar ist „das“ männliche oder weibliche Gehirn ein Mythos. Trotzdem scheinen Frauen mitunter anders zu denken und die Welt auch anders wahrzunehmen als Männer – belegt sind inzwischen beispielsweise Unterschiede im räumlichen Vorstellungs- und Orientierungsvermögen, im Stressempfinden oder dem Gedächtnis.

Einen weiteren geschlechtsspezifischen Unterschied haben nun Scott Murray von der University of Washington in Seattle und seine Kollegen aufgedeckt: Männer scheinen Bewegungen schneller zu erfassen als Frauen. Für ihre Studie untersuchten die Forscher, wie gut Probanden erkennen konnten, in welche Richtung sich schwarze und weiße Balken auf einem Bildschirm bewegten – nach links oder nach rechts.

Zusammenhang mit Autismus?

Dabei zeigte sich: Zwar gab es sowohl Frauen als auch Männer, die diese Aufgabe innerhalb kürzester Zeit lösten. Ihnen genügte bisweilen eine Zehntelsekunde, um die Bewegungsrichtung auszumachen. Im Schnitt aber waren die weiblichen Probanden deutlich langsamer. Sie benötigten zwischen 25 und 75 Prozent mehr Zeit als ihre männlichen Kontrahenten. „Das hat uns sehr überrascht“, sagt Murray.

Interessant dabei: Bekannt ist, dass auch Menschen mit Depressionen oder Autismus-Störungen bei solchen Aufgaben in der Regel besser abschneiden als gesunde Kontrollpersonen. Zudem sind Jungen und Männer rund viermal so häufig von Autismus betroffen wie Mädchen und Frauen. Könnte es hier einen Zusammenhang geben?

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Ursache unklar

Die Wissenschaftler vermuten, dass bestimmte Prozesse, die normalerweise die neuronale Aktivität herunterregulieren, bei diesen Krankheitsbildern gestört sind – und dass diese Prozesse bei Männern grundsätzlich schwächer ausgeprägt sind. Bei der Suche nach einer Erklärung für den beobachteten Wahrnehmungsunterschied wurden sie jedoch nicht fündig: „Im funktionellen MRT lassen sich die Unterschiede nicht abbilden“, schreibt das Team.

Klar scheint: Die visuelle Verarbeitung unterscheidet sich zwischen den Geschlechtern. Welche Unterschiede im Gehirn dafür verantwortlich sein könnten, das müssen Murray und seine Kollegen jedoch erst noch herausfinden. Die Antwort kann dann womöglich auch eine andere Frage klären, hoffen die Forscher: Warum ist Autismus bei Männern so viel häufiger als bei Frauen? (Current Biology, 2018; doi: 10.1016/j.cub.2018.06.014)

(Cell Press, 20.08.2018 – DAL)

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