Impfschutz durch Antikörper und Abwehrzellen sinkt deutlich schneller wieder ab Grippeimpfung wirkt bei Übergewichtigen schlechter - scinexx | Das Wissensmagazin
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Impfschutz durch Antikörper und Abwehrzellen sinkt deutlich schneller wieder ab

Grippeimpfung wirkt bei Übergewichtigen schlechter

Impfung gegen Grippe © US Navy

Die jährliche Grippeimpfung ist bei Menschen mit Übergewicht weniger wirksam. Die Immunabwehr reagiert bei ihnen schwächer und weniger lang anhaltend auf den Impfstoff. Das berichten US-amerikanische Forscher jetzt im Fachmagazin „Journal of Obesity“. „Frühere Studien hatten schon Hinweise darauf geliefert, dass Übergewicht die Fähigkeit des Körpers hemmt, gegen Influenzaviren zu kämpfen“, sagt Studienleiterin Melinda Beck von der University of North Carolina in Chapel Hill. Jetzt habe man erstmals die Ursachen dafür herausgefunden.

Für ihre Studie hatten die Forscher die Immunreaktion von knapp 500 Freiwilligen untersucht, die sich im Herbst 2009 gegen die saisonale Influenza hatten impfen lassen. Bei einer solchen Influenza-Impfung werden abgetötete Viren oder Teile der Virenhülle gespritzt. Diese regen das Immunsystem an, spezifische Antikörper und Abwehrzellen gegen das Virus zu bilden.

Weniger Antikörper nach einem Jahr

In dieser Immunreaktion habe sich ein deutlicher Unterschied zwischen normalgewichtigen und übergewichtigen Teilnehmern gezeigt, sagen die Forscher. Rund ein Jahr nach Impfung war die Zahl der Antikörper gegen Grippe bei den meisten Übergewichtigen um das Vierfache abgesunken. Bei den Normalgewichtigen sei dies deutlich seltener der Fall gewesen. Dieses Ergebnis könne erklären, warum die Impfung bei übergewichtigen Menschen weniger gut wirkt.

„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass übergewichtige und fettleibige Menschen auch nach einer Impfung wahrscheinlicher an Grippe erkranken können als normalgewichtige“, sagt Beck. Influenza sei eine ernstzunehmende Gesundheitsgefahr, an der pro Jahr bis zu 500.000 Menschen sterben. Wenn der Anteil der Übergewichtigen weiter zunehme, könne zukünftig auch die Anzahl der Grippetoten steigen, warnt die Forscherin. „Wir müssen dieses Problem noch besser verstehen und nach Lösungen dafür suchen“, sagt Beck.

Gedächtniszellen funktionieren weniger effektiv

Zusätzlich funktionierten bei den Übergewichtigen bestimmte Abwehrzellen des Immunsystems weniger effektiv als bei Menschen mit normalem Körpergewicht, wie die Forscher berichten. Die sogenannten CD8+-T-Zellen dienen der Abwehr als Gedächtniszellen. Sie speichern die Merkmale beispielsweise des Grippevirus und aktivieren gezielt andere Abwehrzellen gegen diesen Erreger. Wenn die Impfung eine Infektion mit dem Grippe-Virus nicht verhindern kann, gelten die Gedächtniszellen als zweite Linie der Abwehr. Sie begrenzen die Ausbreitung und Schwere der Infektion.

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Bei den normalgewichtigen Probanden habe diese Aktivierung der Abwehr durch die Gedächtniszellen auch ein Jahr nach Impfung noch funktioniert, sagen die Forscher. Bei den Übergewichtigen sei dagegen nur noch rund ein Viertel der Gedächtniszellen funktionsfähig gewesen. „Wenn aber bei den Übergewichtigen sowohl die Antikörpermenge als auch die Funktionsfähigkeit der Gedächtniszellen im Laufe der Zeit stark nachlassen, dann haben diese Menschen ein größeres Risiko, trotzdem an der Influenza zu erkranken“, sagt Erstautorin Patricia Sheridan von der University of North Carolina.

(University of North Carolina, 26.10.2011 – NPO)

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