Übergewicht beeinträchtigt wichtige Hirn-Netzwerke und könnte das Alzheimer-Risiko erhöhen Fettleibigkeit macht das Gehirn älter - scinexx | Das Wissensmagazin
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Fettleibigkeit macht das Gehirn älter

Übergewicht beeinträchtigt wichtige Hirn-Netzwerke und könnte das Alzheimer-Risiko erhöhen

Starkes Übergewicht beeinträchtigt die Hirnfunktion und könnte sogar Alzheimre fördern. © thinkstock (Kollage)

Höhere Alzheimergefahr durch Fettleibigkeit? Starkes Übergewicht beeinträchtigt auch das Gehirn. Denn bei Fettleibigen funktioniert ein für das Erinnern und Planen wichtiges Hirnnetzwerk schlechter, wie eine Studie nun bestätigt. Adipositas scheint damit das Gehirn schneller altern zu lassen und könnte auch das Risiko für eine Alzheimer-Demenz erhöhen, wie die Forscher berichten.

Starkes Übergewicht kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Krebs fördern und sogar unser Erbgut stark verändern – so viel ist schon länger bekannt. In jüngster Zeit mehren sich aber auch die Hinweise darauf, dass Fettleibigkeit dem Gehirn schaden kann. So stellten Forscher 2016 fest, dass die weiße Hirnsubstanz bei Menschen mit Adipositas früher abbaut als bei schlankeren Menschen.

Was das konkret bedeutet und welche Hirnprozesse von dieser vorzeitigen Alterung betroffen sind, haben nun Veronica Witte vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften und ihre Kollegen herausgefunden. Für ihre Studie hatten sie die Hirnfunktion von mehr als 700 gesunden 60- bis 80-jährigen Versuchspersonen mit unterschiedlichen Body-Mass-Index (BMI) vergleichend untersucht.

Gestörtes Netzwerk

Das Ergebnis: „Wir haben beobachtet, dass bei stark Übergewichtigen innerhalb eines bestimmten Netzwerks einige Regionen schwächer miteinander verbunden sind“, berichtet Witte. „Dadurch können in diesem sogenannten Default-Mode-Netzwerk (DMN) die einzelnen Regionen schlechter zusammenarbeiten.“

Am Default-Mode-Netzwerk beteiligte Hirnregionen © John Graner/ Walter Reed National Military Medical Center

Das Default-Mode-Netzwerk wird zum einen aktiv, wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf unseren inneren Zustand richten, unseren Gedanken freien Lauf lassen oder uns erinnern. Zum anderen scheint es aber auch jene Aufgaben zu unterstützen, die einer Handlung unmittelbar vorangehen oder sie begleiten. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn wir etwas gezielt planen, koordinieren, Hindernisse einplanen und unsere Impulse kontrollieren.

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Höheres Alzheimer-Risiko?

Das Brisante dabei: Ein weniger vernetztes Default-Mode-Netzwerk ist auch ein frühes Signal für ein höheres Risiko an Alzheimer-Demenz zu erkranken. Anzeichen, die sonst erst im hohen Alter oder bei drohender Demenz zu sehen sind, zeigen sich damit bei stark Übergewichtigen bereits früher im Laufe ihres Lebens. „Adipositas scheint das Gehirn schneller altern zu lassen und damit das Risiko gegenüber einer Alzheimer-Demenz zu erhöhen“, so Witte.

Bisher war nicht klar, ob nicht möglicherweise sogar das Gegenteil der Fall sein könnte: Dass Übergewicht im höheren Alter sogar einen gewissen Schutz gegenüber Alzheimer bieten könnte. Doch dies scheint leider nicht zu gelten, wie die Studie nun nahelegt. „Wir haben bereits lange vermutet, dass ein hoher Body Mass Index auch dem Gehirn schadet. Jetzt haben wir direkte Hinweise dafür gefunden“, sagt Witte.

Noch ist nicht klar, ob sich diese vorzeitige Hirnalterung aufhalten oder umkehren lässt, wenn man beispielsweise im Alter noch abnimmt oder seine Lebensweise radikal umstellt. Das wollen die Forscher nun in weiteren Studien untersuchen. Ebenfalls geklärt werden muss nun auch, ob die Beeinträchtigungen des Default-Mode-Netzwerks bei den Probanden später tatsächlich zu Alzheimer führt. (Human Brain Mapping, 2017; doi: 10.1002/hbm.23605)

(Max-Planck-Gesellschaft, 23.05.2017 – NPO)

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