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„Eis-Lolly“ fängt Bakterien

Neue Methode sammelt potenziell nützliche Mikroben aus dem Untergrund

Auch in der Gattung Pseudomonas gibt es Eisbakterien © CDC

Um Bakterien zu studieren, die in extremer Kälte überleben, müssen Forscher nicht länger in die entlegendsten Polregionen reisen. Stattdessen könnte schon ein Blick in den eigenen Hinterhof hilfreich sein. Denn Wissenschaftler haben eine Methode entwickelt, um die Vertreter dieser Extremisten jetzt auch aus den Böden der gemäßigten Regionen zu isolieren, wie sie in der Fachzeitschrift Environmental Microbiology berichten.

Bakterien, die im Eis der kalten Zonen leben, sind nicht nur speziell an die Kälte angepasst, sie besitzen auch Eigenschaften, die das Eis um sie herum verändern. Ein Beispiel für solche Organismen sind Mikroben der Gattung Chryseobacterium sp.. Sie können die Rekristallalisation des Eises verhindern – die normalerweise ständig stattfindende Umlagerung der Eiskristalle zu anderen Formen und Verbindungen, die unter anderem das Verharschen von Schnee bewirkt. Werden diese Mikroben isoliert und gezielt eingesetzt, könnten sie beispielsweise in der Eisherstellung das Verkrusten der cremigen Eismasse verhindern.

Andere Bakterienarten fördern die Bildung von Eiskristallen bei Temperaturen nahe dem Schmelzpunkt und machen Eis so „haltbarer“ – eine Fähigkeit, die unter anderem bei der Erzeugung von künstlichem Schnee genutzt werden könnte. So ist die Art Pseudomonas borealis Eis bildend und gleichzeitig stabilisierend.

Absorption an Eisoberfläche ausgenutzt

Professor Virginia Walker und ihre Kollegen von der Queen’s Universität in Kanada haben jetzt eine Technik entwickelt, diese potenziell nützliche Eisbakterien gezielt aus dem Untergrund zu isolieren. Ihre Trick: Sie nutzen einen „Eis-Lolly“ als „Köder“ für die Mikroben. In Bodenproben gesteckt, binden die Eismikroben an die Eisoberfläche und können so gesammelt und anschließend im Labor kultiviert und analysiert werden.

Genanalyse als nächster Schritt

„Die Selektion von seltenen Mikroben, die an Eis binden hat Spaß gemacht, aber jetzt beginnt die richtige Arbeit erst“, erklärt Walker. „Denn jetzt müssen wirn herausfinden, welche Gene für diese ‚Anziehung’ verantwortlich sind.“ Die neuen Methode könnte zukünftig die Suche nach Extremisten mit potenziell nutzbaren Eigenschaften deutlich erleichtern, denn statt in die hohen Breiten der Arktis oder Antarktis zu reisen du dort Eisproben zu nehmen, können Forscher möglicherweise zunächst naheliegendere Unterründe durchsuchen.

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(Blackwell Publishing, 29.09.2006 – NPO)

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