Nager lebt auf 6.739 Meter hohem Andenvulkan – das galt als nahezu unmöglich Eine Maus ist das höchstlebende Säugetier - scinexx | Das Wissensmagazin
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Eine Maus ist das höchstlebende Säugetier

Nager lebt auf 6.739 Meter hohem Andenvulkan – das galt als nahezu unmöglich

Maus
Schon Charles Darwin hat die südamerikanische Mäuseart Phyllotis xanthopygus beschrieben – jetzt zeigt sich, dass sie das höchstlebende Säugetier ist. © historisch

Tierischer Rekord: Eine unscheinbare südamerikanische Maus ist das Säugetier, das in der größten bekannten Höhe leben kann – sie übertrifft selbst tierische Bewohner des Himalaya. Der kleine Nager kommt auf dem 6.739 Meter hohen Gipfel des Andenvulkans Llullaillaco vor, wie Fallenfänge belegen. Diese Höhenanpassung liegt weit über dem bisher bei Säugetieren für möglich geglaubten. Was diese Maus allerdings in der pflanzenlosen Ödnis frisst, bleibt ein Rätsel.

Kaum noch Pflanzenwuchs, eisige Kälte und eine extrem dünne Luft: Auf den Gipfeln der Hochgebirge herrschen alles andere als günstige Bedingungen für Leben. Wer hier überleben will, muss Anpassungen an diese Härten entwickelt haben – das gilt für Pflanzen und Tiere ebenso wie für den Menschen. Für wildlebende Säugetiere galten bislang Höhen von 5.200 bis 5.800 Metern als das obere Limit der Toleranz.

Llullaillaco
Karge Ödnis: Blick auf den 6.739 Meter hohen Andenvulkan Llullaillaco. © Chile365 /CC-by-sa 3.0

Eine Maus auf dem Vulkangipfel

Doch jetzt haben Forscher um Jay Stolz von der University of Nebraska in Lincoln ein Säugetier entdeckt, dass diese Grenzen weit überschritten hat. Aufgespürt haben sie das Tier bei einer Bergexpedition in den chilenischen Anden. Nachdem Einheimische berichtet hatten, dass sie wiederholt Mäuse über Schneefelder in den extremsten Hochlagen der Gegend huschen sahen, stellten Stolz und sein Team in verschiedenen Höhen des Vulkans Llullaillaco Lebendfallen auf.

Sie wurden fündig: Oberhalb von 4.000 Meter Höhe gingen den Forschern gleich mehrere Mäusearten in die Fallen. Zu ihrer Überraschung aber war sogar die Falle am 6.739 Meter hohen Gipfel des Vulkans gefüllt. In ihr saß ein Exemplar der Mäuseart Phyllotis xanthopygus rupestris, einer schon von Charles Darwin auf seinen Reisen beschriebenen Spezies.

Rekord in der Höhe und im Höhenspektrum

„Diese am Berggipfel gefundene Maus repräsentiert einen Höhenweltrekord für Säugetiere“, konstatieren Stolz und sein Team. „Sie übertrifft darin alle bisher aus dem Himalaya und anderen Hochgebirgen dokumentierten hochlebenden Säuger.“ Bislang galt der im Himalaya lebende Großohr-Pfeifhase (Ochotona macrotis) als einer der Rekordhalter, der bis auf Höhen von 5.182 Meter dokumentiert ist und auch schon knapp oberhalb von 6.000 Metern gesichtet worden sein soll.

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Die nur 55 Gramm wiegende, unauffällig sandfarbene Neuweltmaus Phyllotis xanthopygus scheint dagegen noch extremere Hochgebirgslagen zu überstehen. Das Ungewöhnliche daran: Diese Mäuseart ist keineswegs auf Hochgebirge spezialisiert, sondern kommt im Andenraum auch in weit tieferen Lagen vor. Doch wie Stolz und sein Team mittels Genvergleichen herausfanden, gehören alle Vertreter dieser Spezies unabhängig von ihrem Lebensraum zu einem Gentyp.

„Phyllotis xanthopygus schafft es demnach, vom Meeresspiegel bis auf 6.739 Meter Höhe zu leben – sie hat damit die breiteste Höhenverteilung aller Säugetiere“, konstatieren die Wissenschaftler.

Was frisst diese Maus?

Nach Ansicht von Stolz und seinen Kollegen spricht der Fund der Maus in so großer Höhe dafür, dass die Obergrenzen für die Verbreitung von Kleinsäugern und deren physiologische Toleranzgrenzen bislang unterschätzt wurden. „Wahrscheinlich liegt dies schlicht daran, dass die höchsten Gipfel der Erde bislang von Biologen kaum erkundet worden sind“, so die Forscher.

Allerdings wirft der Fund der Maus auf dem Vulkangipfel auch einige Fragen auf: Wie schaffen die Tiere es, unter den harschen Bedingungen dieser Höhen zu überleben? Rätselhaft auch: „Angesichts der Tatsache, dass diese Mäuse 2.000 Meter oberhalb der letzten grünen Pflanzen leben: Was fressen sie?“, fragen Stolz und sein Team. Das müsse man nun durch weitere Expeditionen in die Hochlagen der Gebirge herausfinden. (Proceedings of the National Academy of Science, 2020; doi: 10.1073/pnas.2005265117)

Quelle: Proceedings of the National Academy of Science

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