Muskel zum Augenbrauenheben sorgt für unwiderstehlichen Blick Das Geheimnis des Hundeblicks - scinexx | Das Wissensmagazin
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Muskel zum Augenbrauenheben sorgt für unwiderstehlichen Blick

Das Geheimnis des Hundeblicks

Hundeblick
So einem Blick kann sich wohl kaum ein Mensch entziehen. © vitalytitov/ istock

Schau mir in die Augen: Ihren sprichwörtlichen Hundeblick haben Labrador, Dackel und Co wahrscheinlich uns Menschen zu verdanken. Denn anders als Wölfe können Hunde ihre Augenbrauen anheben und schauen dadurch besonders kindlich, wie eine Studie enthüllt. Unsere Vorfahren fanden diesen Blick offenbar so unwiderstehlich, dass sie ihn im Laufe der Domestikation des Hundes bewusst oder unbewusst heranzüchteten.

Als unsere Vorfahren vor Tausenden von Jahren begannen, die ersten Wölfe zu zähmen, legten sie den Grundstein für eine ganz besondere Beziehung. Der Übergang zum Haushund hat dabei nicht nur das Aussehen der Vierbeiner verändert. Auch in seinem Sozialverhalten ist der Hund inzwischen so gut an den Menschen angepasst wie kaum ein anderes Tier.

So versteht er zum Beispiel unser Lächeln als Ausdruck guter Stimmung, kann unsere Blicke deuten und sogar den emotionalen Gehalt unserer Äußerungen erkennen. Typisch ist auch, dass Hunde immer wieder Augenkontakt mit ihrem Besitzer suchen – ein Verhalten, dass unter Menschen wesentlich zur Manifestation sozialer Bindungen beiträgt.

Unterschiede im Augenbereich

Interessant dabei: Oft heben die Vierbeiner ihre innere Augenbraue an, wenn sie Herrchen oder Frauchen anschauen. Dies scheint eine durchschlagende Wirkung zu haben. Untersuchungen zufolge finden die Vierbeiner in Tierheimen schneller ein Zuhause, wenn sie häufig ihre Augenbraue heben. Könnte diese charakteristische Bewegung ebenfalls eine Folge der Domestikation sein?

Um dies herauszufinden, haben Juliane Kaminski von der University of Portsmouth und ihre Kollegen nun die Gesichtsmuskulatur von Hunden und ihren wilden Vorfahren miteinander verglichen. Die Untersuchungen an vier Wölfen und sechs Haushunden offenbarten: Die Muskulatur ist bei beiden Spezies weitgehend gleich – abgesehen vom Bereich um die Augen.

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Gesichtsmuskulatur bei Hund und Wold
Der Hund verfügt über zwei stark ausgeprägte Muskeln im Bereich der Augen (rot), die dem Wolf fehlen. © Tim Smith

Stark ausgeprägte Muskeln

Der Muskel, der zum starken Anheben der inneren Augenbraue befähigt, ist bei Hunden besonders ausgeprägt. Bei Wölfen findet sich dieser sogenannte Levator anguli oculi medialis (LAOM) dagegen nicht in dieser Form. Bei ihnen existieren an dieser Stelle nur spärliche Muskelfasern und Bindegewebe, wie die Wissenschaftler berichten.

Auch ein Muskel, der den schläfenseitigen Lidwinkel zu den Ohren zieht, scheint bei Hunden grundsätzlich stärker ausgeprägt zu sein als bei Wölfen: der Retractor anguli oculi lateralis (RAOL). Die einzige Ausnahme bildet in diesem Zusammenhang der Sibirische Husky, eine der urtümlicheren Hunderassen.

Entscheidend für die soziale Interaktion?

„Dies sind verblüffende Unterschiede für zwei Arten, die aus evolutionärer Sicht noch gar nicht so lange voneinander getrennt sind. Wir glauben, dass die schnellen Veränderungen der Gesichtsmuskulatur in direkter Verbindung zu der sozialen Interaktion mit dem Menschen stehen“, konstatiert Mitautorin Anne Burrows von der Duquesne University in Pittsburgh.

Tatsächlich enthüllten Verhaltenstests mit neun Wölfen und 27 Hunden: Wenn sie ein Mensch anschaut, bewegen Hunde ihre Augenbrauen signifikant häufiger und stärker als Wölfe. „Das Anheben der inneren Augenbraue – von uns AU101 Bewegung genannt – scheint für die Bindung zwischen Hund und Mensch entscheidend zu sein. Sie könnte einerseits eine Fürsorge-Reaktion beim Menschen hervorrufen, aber auch die Illusion einer menschenartigen Kommunikation mit dem Vierbeiner erzeugen“, erklärt Kaminski.

Große Augen, kindlicher Blick

Der Grund: Durch diese Bewegung erscheinen die Augen des Hundes größer. Dadurch wirkt das Gesicht kindlicher und weckt in uns den Drang, sich kümmern zu müssen. Außerdem ähnele der Blick dem eines traurigen Menschen, berichtet das Forscherteam. Schaut uns ein Hund auf diese Weise an, können wir uns seinem Blick daher kaum entziehen.

„Insgesamt deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass durch die soziale Interaktion ein starker Selektionsdruck auf die Gesichtsmuskulatur der Hunde entstanden ist“, schließen die Wissenschaftler. Ob bewusst oder unbewusst: Unsere Vorfahren bevorzugten in der Vergangenheit offenbar Hunde, die diese Brauenbewegung beherrschten und so eine besonders tiefe Verbindung mit ihren Besitzern aufbauen konnten.

Mit dieser Erkenntnis eröffnen sich nun weitere interessante Fragen: Welche Unterschiede gibt es zum Beispiel zwischen einzelnen Hunderassen in Bezug auf die Augenbrauenmuskulatur? Und hat die Domestikation bei Tieren wie Katzen oder Pferden zu ähnlichen Veränderungen im Blick geführt? (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2019; doi: 10.1073/pnas.1820653116)

Quelle: University of Portsmouth/ PNAS

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