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Eine Enigma am Meeresgrund

Legendäre Chiffrier-Maschine der Nazis lag 75 Jahre am Grund der Ostsee

Enigma
Die Enigma vom Ostseegrund. © WWF, Florian Huber/ Submaris

Sie ähnelt einer halbverrotteten Schreibmaschine, doch einst war die Enigma eines der berühmtesten Verschlüsselungsgeräte der Welt. Dieses Exemplar wurde 1945 von einem U-Boot in der Ostsee versenkt und jetzt durch Zufall wiederentdeckt: Taucher der Umweltorganisation WWF wollten eigentlich nach Geisternetzen suchen, fanden dann aber dieses historisch wertvolle Relikt.

Der Code der Enigma galt lange als unknackbar. Denn diese Chiffrier-Maschine nutzte ein komplexes System aus drei, später vier drehbaren Buchstabenwalzen. Diese wurden bei jeder Eingabe eines Buchstabens auf bestimmte Weise gegeneinander verdreht. Weil sich diese Rotation je nach Verkabelung und Walzenreihenfolge variieren ließ, änderte sich der Verschlüsselungscode ständig und war mit herkömmlichen Dechiffriermethoden nicht zu knacken.

Turings Team brachte die Wende

Damit gab die Enigma im Zweiten Weltkrieg dem Deutschen Reich lange einen entscheidenden Vorteil gegenüber den Alliierten. Denn die Positionen ihrer U-Boote waren dank der mit der Enigma verschlüsselten Funksprüche kaum zu orten. Erst als Alan Turing und sein Team im britischen Codeknacker-Zentrum Bletchley Park eine technische Lösung zum Knacken des Enigma-Codes entwickelten, wendete sich das Blatt.

Obwohl während es Zweiten Weltkriegs mehr als 40.000 Enigma-Maschinen in Deutschland hergestellt wurden, sind nur sehr wenige von ihnen erhalten geblieben. Denn als sich abzeichnete, dass die Nazis den Krieg verlieren würden, erteilte das militärische Oberkommando den Befehl, alle Enigmas zu zerstören. 1945 wurden zudem rund 50 U-Boote mitsamt ihrer Chiffrier-Maschinen in der Geltinger Bucht, einem Ostseegebiet vor der Flensburger Förde, versenkt – sie sollten den Alliierten nicht in die Hände fallen.

Zufallsfund am Ostseegrund

Eine der Enigmas aus dieser Versenkungsaktion haben nun Taucher der Umweltschutzorganisation WWF durch Zufall in der Geltinger Bucht entdeckt. Denn eigentlich waren der Forschungstaucher und Unterwasserarchäologe Florian Huber und sein Team von Submaris auf der Suche nach Geisternetzen – losgerissenen Fischernetzen, die im Meer umhertreiben und für Meerestiere ein tödliche Gefahr bilden. Dafür tasteten sie den Meeresgrund mit einem Sidescan-Sonar ab, verdächtige Stellen werden dann von den Tauchern näher untersucht.

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An einer dieser Stellen stießen die Taucher auf diese verkrustete Enigma. Trotz der 75 Jahre am Grund der Ostsee sind Teile ihrer Tastatur und Walzen noch gut erkennbar. Die Taucher haben das wertvolle historische Fundstück geborgen und dem Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein übergeben. Die Enigma vom Meeresgrund wird nun in der Restaurierungswerkstatt des Museums für Archäologie in Schleswig untersucht und konserviert.

„Der WWF arbeitet seit vielen Jahren daran, die Ostsee von gefährlichen Geisternetzen zu befreien. Dabei finden wir regelmäßig größere Objekte, an denen sich die Netze unter Wasser verheddern“, erklärt Gabriele Dederer vom WWF Deutschland. „Die Enigma ist allerdings mit Abstand der historisch spannendste Fund, den wir je hatten.“

Quelle: WWF

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