Wundermittel gegen den Kollaps? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Navigations- und Telematiksysteme

Wundermittel gegen den Kollaps?

Jeder kennt es – man steht mal wieder im Stau. Natürlich wurde er aber erst im Radio gemeldet, als es bereits zu spät war. Von „aktueller“ Verkehrslage kann in den meisten Fällen deshalb kaum die Rede sein… So ist es nicht weiter verwunderlich, dass es der deutsche Autofahrer auf 70 Staustunden pro Jahr bringt- 14 Milliarden Sprit verpuffen dabei. Doch damit soll jetzt Schluss sein, denn neuartige Telematiksysteme – eine Kombination aus Telekommunikation und Informationstechnik – versprechen Besserung.

Hitech als Staukiller?

Satellitenüberwacht und mit ausgetüftelter Technologie an Bord steuert der Autofahrer durchs neue Jahrtausend. Bereits vor der Fahrt kann er sich zu Hause an seinem Computer oder auch am Navigationsterminal im Cockpit über die derzeitige und prognostizierte Verkehrssituation schlau machen. Ans Ziel wird er optisch und akustisch gelotst, auch alternative Fahrtrouten wegen plötzlich auftauchender Staus sind kein Problem für das Navigationssystem. Unterwegs bleibt dem Fahrer natürlich auch noch Zeit sich über die aktuellen Wirtschaftsdaten, Börsenberichte und Sportnachrichten zu informieren. In der Zwischenzeit hat der Bordcomputer bereits einen Parkplatz im Parkhaus, Theaterkarten und einen Tisch im Restaurant reserviert. So sieht zumindest die visionäre Zukunft der Telematikindustrie aus…

Die Realität ist davon aber noch weit entfernt. Zur Zeit wird zwar bereits die dritte Generation der Telematiksysteme getestet, aber das Patentrezept war bisher noch nicht dabei.

Bordcomputer melden freie Parkplätze

Bei den derzeitigen Verkehrsmanagementsystemen kommunizieren die Navigationssysteme über Mobilfunk (GSM) mit den Verkehrsleitzentralen und erhalten so die entsprechenden Daten. Diese intelligenten Kombinationen aus Leitzentrale und Bordcomputer sollen den Verkehr flüssiger, sicherer und ökologischer machen.

Im Gespräch beziehungsweise in der Erprobungsphase ist auch ein digitaler Verkehrsmeldekanal (RDS/TMC), der voraussichtlich zum europäischen Standard werden soll. Die Informationen können über das Autoradio, von zu Hause (TV oder PC), in Raststätten oder Tankstellen abgerufen werden. Der Vorteil hierbei ist die Informationsverknüpfung mit anderen Verkehrssystemen, die bei anderen Systemen häufig nicht gegeben ist. So erhält der Autofahrer damit während der Fahrt Umsteigemöglichkeiten auf andere Verkehrsmittel oder wird auch über freie Parkplätze informiert, und das alles ohne Zeitverlust.

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Spartenkanäle dieser Art und entsprechende Online-Dienste bedeuten eine enorme Erleichterung und werden bald zum Alltag gehören, so jedenfalls die Pläne der Unternehmen. Anzustreben wäre es sicherlich, denn solange die breite Masse nicht die Gelegenheit bekommt ihre Fahrten zu planen, helfen die besten Navigationssysteme einer kleinen Minderheit nichts – ein Stau wird schließlich von der Masse verursacht.

Wiedersehen auf der Umleitungsstrecke

Andererseits ist es logisch, dass Verkehrsbeeinflussung nur gut funktioniert, solange wenige den Hinweisen der Telematiksysteme folgen. Verlassen aber alle die Autobahn, um einen Stau zu umfahren, nutzt das nur denjenigen, die den Rat nicht befolgt haben. Die anderen Autofahrer werden sich kurze Zeit später wieder treffen – im Stau auf der Umleitungsstrecke…

Navigations- und Telematiksysteme sind demnach nur bedingt ein Wundermittel gegen den Verkehrsinfarkt. Kritiker befürchten, dass die aufwendigen Techniken ihre Ziele verfehlen und der Telematik-Trend die Verkehrsproblematik eher noch „verschlimmbessern“ wird. Die Verkehrsleittechniken können in einem Systemwirrwarr enden und die zahlreichen Einzellösungen der Autohersteller dienen im Prinzip lediglich der Absatzförderung. Weiterhin sehen die Kritiker langfristig eine Abkassierung der Bevölkerung voraus, sollten nämlich die Entwicklungen auf die Privatisierung der Straßen hinauslaufen.

Doch bevor die Verkehrsströme systematisch am Stau vorbei geleitet werden, sollte zuallererst über eine grundsätzliche Verkehrsvermeidung nachgedacht werden…

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Stand: 26.06.2001

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Verkehrsinfarkt
Mobilität in der Krise

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Der Drang nach Mobilität
Von Ursachen und Nutzen...

Auswirkungen des Verkehrsinfarkts
Der Mobilitätswahn und seine Folgen...

Wundermittel gegen den Kollaps?
Navigations- und Telematiksysteme

Fahr Bus und Bahn...
Alternative zum Pkw?

Die Kombination machts
Von Park & Ride und Co.

Rund um den Parkraum
Ich drehe schon seit Stunden hier so meine Runden...

Der Griff ins Portemonnaie...
Bezahlen für die Straßenbenutzung

In der Ruhe liegt die Kraft...
Was bringt die Verkehrsberuhigung?

Ein Auto für alle
Car-Sharing, CarPools® und CashCar®

Chronik
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