Der Griff ins Portemonnaie... - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Bezahlen für die Straßenbenutzung

Der Griff ins Portemonnaie…

„Mautgebühren“ auf deutschen Autobahnen und Straßen? In vielen europäischen Ländern gehören Straßennutzungsgebühren selbstverständlich zum Autofahreralltag dazu, in Deutschland ist dieses Thema jedoch noch heiß umstritten. Während Befürworter darin eine gute Möglichkeit sehen, die Stau- und Umweltprobleme von Städten und Autobahnen zu lösen, sehen Gegner darin nur den leicht kaschierten Griff ins Portemonnaie des Steuerzahlers.

Hauptziel ist hier, wie bei nahezu allen Lösungsvorschlägen für die Verringerung des Stadtverkehrs, die Umschichtung des Berufsverkehrs auf die öffentlichen Verkehrmittel. Das Road Pricing kann zudem dazu beitragen, zumindestens einen Teil der Erhaltungs- und Baukosten der Straßen von den eigentlichen Nutzern bezahlen zu lassen. Der Idealfall wäre hierbei ein sich selbst finanzierendes Straßensystem.

Im internationalen Raum existieren bereits seit einigen Jahren konkrete Erfahrungen in bezug auf Road Pricing, dabei werden unterschiedliche Gebührenmodelle eingesetzt:

Das System in Singapur

In Singapur wurde Ende der 70er Jahre ein erfolgreiches Road Pricing-System eingeführt. Der zu zahlende Betrag lag bei lediglich 5,- pro Tag, wobei Busse, Güterfahrzeuge, Motorräder und Pkws, mit denen mindestens vier Personen fahren, befreit wurden. Diese Zufahrtsgebühr für den Stadtbereich ermöglichte den Ausbau eines hervorragenden öffentlichen Verkehrssystems, mit unter anderem Expressbusverbindung zu Park-and-Ride-Anlagen. Als Folge dieses Systems war ein Rückgang der Autofahrten in das Stadtzentrum um 45 Prozent zu verzeichnen. 1997 wurde eine elektronische Erhebung der Gebühren per Chipkarte mit einem Speicherwert von bis zu S$500 eingeführt. Auch hier waren positive Auswirkungen festzustellen, denn zur Hauptverkehrszeit ging das Verkehrsaufkommens um 15 Prozent zurück und die Spitzenzeiten wurden entzerrt.

Norwegen

In Europa ist Norwegen der Vorreiter beim Road Pricing. Die Autofahrer müssen in Oslo, Bergen und Trondheim Mautgebühren bezahlen. Das Stadtzentrum von Trondheim ist seit 1991 vom so genannte Gebührenring umgeben. Die Gebühren sind nach Tageszeiten gestaffelt, und nach 17.00 Uhr und am Wochenende fallen sie ganz weg. 80 Prozent der Pkws haben ein elektronisches Identifizierungskennzeichen. Mit den Einnahmen werden Verkehrsinvestitionen getätigt, so dass auch bereits eine Verbesserung bei den Einrichtungen des öffentlichen Verkehrs festzustellen war. Auch eine Reduzierung des Stadtverkehrs wurde durch das System erzielt.

Anzeige

Ansonsten können sich Mautstellen noch an Tunneleinfahrten, vor Brücken oder auf Autobahnen befinden. Und dann gibt es noch die Vignette (zum Beispiel in der Schweiz oder Österreich), die für einen bestimmten Zeitraum gilt und zur Fahrt über beispielsweise Autobahnen berechtigt.

Neben den genannten Vorteilen, kann die „City-Maut“ aber auch Nachteile haben. Nämlich wenn sich die Attraktivität der Städte dadurch noch weiter verschlechtert und Abwanderungstendenzen von Einzelhandel und Gewerbebetrieben festzustellen sind. Dieselben möglichen Auswirkungen also, wie auch bei der Parkraumproblematik und der übertriebenen Verkehrsberuhigung.

Und in Deutschland?

In Deutschland ist seit längerem eine Straßennutzungsgebühr für Lkws im Gespräch. Nach Ansicht des Deutschen Städtetages sollen diese aber nicht nur für Autobahnen und Bundesstraßen gelten, sondern auf alle Straßen ausgedehnt werden. Ansonsten wäre eine unerwünschte Verlagerung auf gut ausgebaute und ohnehin schon stark belastete Landes- und Kommunalstraßen abzusehen. Und das würde die Steuerung des städtischen Verkehrs noch weiter erschweren. Positive Folge dieser Abgaben, so hofft man, ist die absehbare Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene, und da die Bahn heute schon die Kosten für ihre Verkehrswege trägt, würde so auch gleichzeitig eine Chancengleichheit zwischen den Konkurrenten wieder hergestellt. Voraussetzung ist dann allerdings, das die Bahn auf die Mehrbelastung auch vorbereitet ist…

  1. zurück
  2. |
  3. 1
  4. |
  5. 2
  6. |
  7. 3
  8. |
  9. 4
  10. |
  11. 5
  12. |
  13. 6
  14. |
  15. 7
  16. |
  17. 8
  18. |
  19. 9
  20. |
  21. 10
  22. |
  23. 11
  24. |
  25. 12
  26. |
  27. weiter


Stand: 27.06.2001

Anzeige

In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Verkehrsinfarkt
Mobilität in der Krise

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Der Drang nach Mobilität
Von Ursachen und Nutzen...

Auswirkungen des Verkehrsinfarkts
Der Mobilitätswahn und seine Folgen...

Wundermittel gegen den Kollaps?
Navigations- und Telematiksysteme

Fahr Bus und Bahn...
Alternative zum Pkw?

Die Kombination machts
Von Park & Ride und Co.

Rund um den Parkraum
Ich drehe schon seit Stunden hier so meine Runden...

Der Griff ins Portemonnaie...
Bezahlen für die Straßenbenutzung

In der Ruhe liegt die Kraft...
Was bringt die Verkehrsberuhigung?

Ein Auto für alle
Car-Sharing, CarPools® und CashCar®

Chronik
Am Anfang war das Holzrad...

Diaschauen zum Thema

keine Diaschauen verknüpft

News zum Thema

keine News verknüpft

Dossiers zum Thema

Mega-Cities - Fehlentwicklung oder Modell für das 21. Jahrhundert?

Anzeige
Anzeige