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Wie alles begann…

Zwei Forscher und ein ehrgeiziger Plan

Zwei Wissenschaftler aus dem Saarland wollten die komplizierte Labortechnik auf Räder stellen. Die Idee war bestechend, die die beiden Leiter des Fraunhofer-lnstituts für Biomedizinische Technik IBMT, Günter Fuhr und Heiko Zimmermann, bereits 2005 mit Blick auf die Arbeit ihrer Kollegen in den biologischen und medizinischen Labors hatten: Ein Truck sollte konzipiert werden, mit dem Forscher und Ärzte selbst anspruchsvolle medizinische Untersuchungen bequem an jedem beliebigen Ort erledigen können. Ein Vorbild dafür gab es nicht, die komplette Technik für das Fahrzeug musste neu kreiert werden.

Peggy Johnston von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) lässt sich den Labor-Truck von den beiden Direktoren des IBMT Heiko Zimmermann und Günter Fuhr sowie dem Leiter der Abteilung Zellbiologie & Angewandte Virologie Hagen von Briesen (von links nach rechts) zeigen. © Bernd Müller

Den richtigen Partner bei dieser kniffligen Aufgabe fanden die Forscher in der Firma Bischoff und Scheck. Das Unternehmen aus Rheinmünster in Baden fertigt mit rund so Mitarbeitern ausgefallene Spezialfahrzeuge an: etwa Feuerwehr-Löschwagen, rollende Testwerkstätten für Automobilbauer sowie Trucks, mit denen Formel-1-Teams von Rennstrecke zu Rennstrecke ziehen. „Die technische Ausstattung für die meisten Fahrzeuge erarbeiten wir von Grund auf neu“, sagt Bernd Bischoff, Mitgründer und technischer Leiter des Unternehmens.

Unikat aus 10.000 Bauteilen

Auch für den Labor-Truck gab es nichts von der Stange. „Um konventionelle Labortechnik fit für den mobilen Einsatz zu machen, musste jedes einzelne Teil angepasst und die Umsetzung der gewohnten Arbeitsabläufe neu erdacht werden“, sagt IBMT-Projektleiter Daniel Schmitt. Ende 2011 war es soweit: Für das nun fertiggestellte mobile Labor begann eine mehrmonatige Planungsphase. Das Resultat war ein äußerst vielschichtiges Konzept für den einzigartigen Wagen.

Sondermodell: Damit die zentnerschweren Kryotanks mit Proben ins Depot geschoben werden können, lässt sich die Seite des Trucks ausfahren. © Bernd Müller

„Rund 10.000 Bauteile, vom kleinsten Gelenk bis zur ausfahrbaren Seitenwand, haben wir konstruiert, gezeichnet und schließlich selbst gefertigt“, berichtet Bischoff. Das Mobiliar des Trucks entstand in der eigenen Schreinerei des Spezialfahrzeugbauers. Dessen Ingenieure kümmern sich auch darum, dass alle Informationen über den Zustand von Fahrzeug und Labortechnik an eine zentrale Leitstelle übermittelt werden können.

„Am Beispiel dieses Labor-Trucks versteht man, wie stark sich aktuelle Entwicklungen aus Elektronik sowie Labor- und Medizintechnologie gegenseitig bedingen“, sagt Bernd Pfeil, Senior Vice President von EBV Elektronik. Die Elektronik-Spezialisten aus Oberbayern sind von Anfang an Partner im „Labor der Zukunft“ und liefern Kernkomponenten für Probenlogistik und Chiptechnologie. „Erst die richtigen Partner erlauben es, eine solche Idee auch umzusetzen“, betont IBMT-Institutsleiter Heiko Zimmermann. „Das Ergebnis zeigt, dass das hier offenbar der Fall war.“

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Ralf Butscher (Text)/ Bernd Müller (Fotos)
Stand: 31.05.2013

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Unterwegs im rollenden Labor
Ein einzigartiger Truck als Labor der Zukunft

Links zum Thema
Mehr über das Labor der Zukunft im Web

Außen LKW, innen Labor
Ein Forschungs-Werkzeug der neuen Art

Wie alles begann…
Zwei Forscher und ein ehrgeiziger Plan

Ein Gedächtnis für Schadstoffe
Der erste Einsatz für die Umweltprobenbank des Bundes

Blut, Urin und viele Fragen
Die Probennahme und -verarbeitung im Labor-Truck

Ab ins Depot
Vom Truck in die "Home-Base" des Schadstoffgedächtnisses

Schnelle Hilfe gegen Grippe und Aids
Einsatzmöglichkeiten des neuen Labor-Trucks

Diaschauen zum Thema

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