Von der Plombe bis zur Kathode - scinexx | Das Wissensmagazin
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Quecksilberanwendungen heute

Von der Plombe bis zur Kathode

Wegen seiner Giftigkeit spielt Quecksilber heute längst keine so große Rolle in der Medizin mehr wie in Antike und Mittelalter. Ganz aus der Heilkunst verschwunden ist das Metall aber nicht: Noch immer stecken beispielsweise 1.300 bis 2.200 Tonnen davon in den Mündern von EU-Bürgern – in Form von Zahnfüllungen.

Quecksilber bildet mit vielen Metallen spontan Legierungen. © Jcrosemann/ istock

Weil Quecksilber mit vielen Metallen spontan Legierungen bildet, eignet es sich hervorragend, um Zahnlöcher zu stopfen. Vermischt man es mit Stoffen wie Silber und Zinn, entsteht zunächst eine flexibel formbare Masse. In den Zahn gedrückt, härtet diese jedoch bald aus: ein sogenanntes Amalgam entsteht. Es ist als Plombe besonders haltbar und kann zudem das Bakterienwachstum hemmen.

Amalgam im Zahn

Das bisschen Quecksilber, das sich beim Kauen abschaben könnte, schadet den Patienten der gängigen Annahme nach nicht. Trotzdem gibt es immer wieder Bedenken, dass auch die geringe Belastung auf Dauer womöglich ein Risiko darstellt. Aus diesem Grund kommen inzwischen zunehmend Alternativen zum Einsatz. Schwangere und stillende Frauen sowie Jugendliche unter 15 Jahren dürfen laut einer EU-Verordnung seit Juli 2018 sogar gar keine Amalgamfüllungen mehr erhalten.

Neben Zahnfüllungen findet sich Quecksilber bis heute in vielen Impfstoffen: als Konservierungsmittel oder Adjuvans. Das Metall ist dort lediglich in homöopathischen Dosen enthalten, die Studien zufolge völlig unbedenklich sind. Trotzdem gibt es für die meisten generell empfohlenen Schutzimpfungen mittlerweile quecksilberfreie Alternativen.

Quecksilberthermometer © Menchi/ CC-by-sa 3.0

Lampen und Thermometer

Doch nicht nur in der Medizin, auch im Technikbereich war und ist Quecksilber ein begehrtes Metall: Die schon bei Raumtemperatur entstehenden Dämpfe des Stoffes werden unter anderem für Leuchtmittel verwendet – zum Beispiel für Energiesparlampen. Denn werden Quecksilberatome mithilfe von elektrischer Spannung angeregt, senden sie intensives UV-Licht aus.

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Heute vor allem noch im wissenschaftlichen Bereich eingesetzt werden Quecksilberthermometer. Das flüssige Metall dehnt sich unter Wärmeeinfluss zwar nur geringfügig, aber fast direkt proportional zur Temperatur aus. Damit ermöglicht es sehr genaue Messungen. Aufgrund seiner Toxizität wird das Metall aber auch aus solchen Anwendungen zunehmend verdrängt.

Wichtiger Elektrolyse-Helfer

Mengenmäßig die größte Rolle spielt das Quecksilber heute noch als Kathodenmaterial bei der sogenannten Chlor-Alkali-Elektrolyse – einem industriellen Verfahren, mit dem die wichtigen Grundchemikalien Chlor, Wasserstoff und Natronlauge erzeugt werden. Zudem kommt Quecksilber nach wie vor weltweit bei der Goldgewinnung zum Einsatz. Auch in diesen Branchen werden inzwischen aber Alternativen erprobt.

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Daniela Albat
Stand: 24.08.2018

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Quecksilber
Wundermetall und gefürchtetes Gift

Das "flüssige Silber"
Von Alchemisten und Mercuralisten

Von der Plombe bis zur Kathode
Quecksilberanwendungen heute

Tonnenweise Emissionen
Der Mensch und seine Quecksilberschleudern

Ein präsentes Gift
Von der Umwelt in unser Essen

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Umweltgifte - Neue Gefahr für die Gesundheit des Menschen?

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