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Das Chamäleon der Medizin

Syphilis

Syphilis-Darstellung
Darstellung eines Syphilis-Kranken von Albrecht Dürer (1496). © gemeinfrei

Angeblich brachte Christoph Kolumbus die „Lustseuche“ mit: Als der Entdecker 1492 von seiner Amerikareise nach Spanien zurückkehrte, hatten er und seine Matrosen den Erreger Treponema pallidum im Gepäck und ebneten damit den Weg für die erste Syphilisepidemie in Europa. So zumindest lautet die gängige Geschichte. Doch inzwischen wissen Forscher, dass die Syphilis bei uns schon im 14. Jahrhundert auftrat – lange bevor Kolumbus zu seiner ersten Entdeckungsreise nach Amerika in See stach.

Wie genau sich die Syphilis-Bakterien einst entwickelten und über den Globus verbreiteten, ist noch immer nicht vollständig geklärt. Fakt ist aber: Heute kommt die Infektionskrankheit in allen Teilen der Welt vor – insbesondere in Entwicklungsländern, aber auch in modernen Industrienationen wie Deutschland.

Es beginnt mit einem Geschwür

Der Mensch ist der einzige Wirt der schraubenförmig gewundenen Treponema-Bakterien. Die Krankheitserreger gelangen in erster Linie durch Schleimhautkontakte bei sexuellen Handlungen in den Körper, können jedoch auch über Bluttransfusionen übertragen werden und bei schwangeren Frauen von der Plazenta auf das ungeborene Kind übergehen.

Eine Infektion mit den Keimen ist nicht immer leicht zu erkennen. Denn Syphilis kann sich in unterschiedlichen Symptomen und Verläufen äußern, was ihr den Beinamen „Chamäleon der Medizin“ eingebracht hat. Typisch für die Erkrankung ist jedoch ein Beginn mit Lymphknotenschwellungen und kleinen Schleimhautgeschwüren. Diese entstehen meist dort, wo die Keime in den Körper eingedrungen sind – zum Beispiel an Penis oder Scheide, im Analbereich oder Mund.

Treponema pallidum
Treponema pallidum-Bakterien unter dem Elektronenmikroskop. © gemeinfrei

Grippeartige Symptome

Nachdem diese Symptome abgeklungen sind, kann es nach etwa acht Wochen zu grippeartigen Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen kommen. Häufig leiden Patienten zudem unter masernartigen Hautausschlägen und Belägen auf der Zunge, manchen Betroffenen fallen die Haare aus. In diesem Stadium hat sich der Erreger bereits über die Blut- und Lymphbahnen im Organismus ausgebreitet. Trotzdem kann die Erkrankung in dieser Phase zum Stillstand kommen.

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Bei einem Teil der Infizierten nimmt die Syphilis einen chronischen Verlauf. Monate oder auch Jahre nach den frühen Symptomen greifen die Treponema-Bakterien dann innere Organe, Knochen, Muskeln und zuletzt auch das zentrale Nervensystem an. Überall am und im Körper entstehen dabei sogenannte Gummen– langsam wachsende Knoten, die aufbrechen und Geschwüre bilden können.

Schwerwiegende Spätfolgen

Die Folgen sind so vielfältig wie fatal: Betroffene Patienten können erblinden, taub werden oder sogar innerlich verbluten, wenn ein syphilitischer Knoten Schäden an der Hauptschlagader verursacht. Auch Lähmungserscheinungen, Wahrnehmungsstörungen und demenzartiger geistiger Verfall gehören zu den möglichen Symptomen von Syphilis im Spätstadium.

Aus diesem Grund ist es von entscheidender Bedeutung, dass eine Infektion möglichst früh erkannt und behandelt wird. Dies gelingt mithilfe des Antibiotikums Penicillin in der Regel sehr gut. In den frühen Stadien der Erkrankung dauert die Therapie nur zwei bis drei Wochen. Je länger die Krankheit besteht, desto langwieriger und komplizierter wird auch die Behandlung.

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Geschlechtskrankheiten - die stille Epidemie
Syphilis, Tripper und Co auf dem Vormarsch

Die STIs gehen um
Sexuell übertragbare Krankheiten nehmen wieder zu

Syphilis
Das Chamäleon der Medizin

Tripper
Kein "übermäßiger Samenfluss"

Trichomoniasis und Chlamydien
Die zwei häufigsten STIs weltweit

Was tun gegen die Epidemie?
Ursachen und Lösungen auf der Spur

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