Trichomoniasis und Chlamydien - scinexx | Das Wissensmagazin
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Die zwei häufigsten STIs weltweit

Trichomoniasis und Chlamydien

Die mit Abstand häufigste heilbare Geschlechtskrankheit wird nicht von Bakterien verursacht, sondern von einem Geißeltierchen: Trichomonas vaginalis. Die parasitisch lebende Art schleust sich über die Schleimhäute in den menschlichen Körper ein und verursacht dort die Trichomoniasis – eine Entzündung von Penis, Scheide und Harnröhre.

Der Parasit ist weltweit für 170 Millionen Neuinfektionen pro Jahr verantwortlich. Gerade Männer bemerken die Erkrankung jedoch oft nicht, weil sie bei ihnen meist symptomlos verläuft. Bei Frauen kommt es dagegen nach einiger Zeit zu übelriechendem Scheidenausfluss und Juckreizen im Genitalbereich. Mithilfe von Wirkstoffen wie Metronidazol lässt sich eine Infektion innerhalb weniger Tage bekämpfen. Unbehandelt kann der Trichomonas-Befall langfristig bei Männern wie Frauen zu Unfruchtbarkeit führen.

Chlamydia trachomatis
Chlamydien sind in Europa besonders verbreitet. © CDC/ Wiesner/ Kaufman

Europa ist Chlamydien-Region

Global gesehen ist Trichomoniasis zwar am weitesten verbreitet. Doch in Europa machen weder die Trichomaden, noch die Erreger von Syphilis und Gonorrhoe den Menschen am häufigsten zu schaffen: Bei uns sind Infektionen mit Chlamydien das größte Problem, weltweit sind Erkrankungen durch diese Erreger am zweithäufigsten. In der Europaregion der WHO, die auch Israel, die Türkei und die Länder der früheren Sowjetunion umfasst, tragen 3,2 Prozent der Frauen und 2,2 Prozent der Männer die Bakterien in sich.

Wie viele andere STIs auch bleibt eine Chlamydien-Infektion oftmals unbemerkt und gewinnt erst dadurch ihre Gefährlichkeit. Ohne eine entsprechende medikamentöse Behandlung droht Männern, weitaus häufiger aber Frauen die Unfruchtbarkeit, wenn die Erreger im Körper aufsteigen und die inneren Geschlechtsorgane entzünden. Schätzungen zufolge sind Chlamydien für die Hälfte aller Fälle von Sterilität bei Frauen verantwortlich.

Begünstigen die Bakterien Krebs?

Doch das ist möglicherweise nicht die einzige Spätfolge: In den letzten Jahren haben Forscher auch Hinweise darauf gefunden, dass eine chronische Infektion mit Chlamydien Eierstockkrebs fördern kann. Demnach lösen die Erreger genetische und epigenetische Veränderungen der Eileiterzellen aus und stören unter anderem deren DNA-Reparatur und Apoptose-Programme – wichtige Schutzmechanismen vor Entartung.

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„Wir finden in den infizierten Zellen eine Reihe von Merkmalen, die für die Krebsentwicklung bedeutsam sind“, sagte Thomas Meyer vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin kürzlich der Deutschen Apothekerzeitung. Bestätigt sich dieser Zusammenhang, könnten Chlamydien für viele Fälle von Krebs bei Frauen verantwortlich sein.

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Geschlechtskrankheiten - die stille Epidemie
Syphilis, Tripper und Co auf dem Vormarsch

Die STIs gehen um
Sexuell übertragbare Krankheiten nehmen wieder zu

Syphilis
Das Chamäleon der Medizin

Tripper
Kein "übermäßiger Samenfluss"

Trichomoniasis und Chlamydien
Die zwei häufigsten STIs weltweit

Was tun gegen die Epidemie?
Ursachen und Lösungen auf der Spur

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