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Immer mehr Zwillinge

Wie häufig sind Zwillinge – und warum?

Wie häufig kommt es zur Geburt von Zwillingen? Insgesamt sind sie wohl eine eher seltene Erscheinung: Im Jahr 2020 waren laut statistischem Bundesamt etwa 1,8 Prozent der Geburten in Deutschland Zwillinge. Auf 1.000 Geburten kommen also 18 Zwillinge. Eineiige Zwillinge sind dabei wesentlich seltener als zweieiige, nur rund ein Viertel aller Zwillinge sind eineiig. Sie treten seit Jahrzehnten unverändert und weltweit mit einer Wahrscheinlichkeit von circa 0,04 Prozent auf.

Zweieiige Zwillinge dagegen werden immer häufiger. So hat sich laut Studien die Anzahl an Zwillingsgeburten weltweit von den 1980er Jahren bis 2010 um ein Drittel erhöht, obwohl die Anzahl an eineiigen Zwillingen stets gleichblieb. Doch woran liegt das? Was beeinflusst die Entstehung und damit die Häufigkeit von eineiigen und zweieiigen Zwillingen?

Zwillinge Ultraschallbild
Heutzutage kommen immer mehr Zwillinge auf die Welt. © Mikael Häggström/ gemeinfrei

Eineiige Zwillinge: Ursache ungeklärt

Warum es zu der Entstehung von eineiigen Zwillingen kommt und was diese Entstehung beeinflussen könnte, darüber rätseln Forscher bis heute. Bislang wird hier häufig einfach von einem Zufall gesprochen, durch den sich die Zellen spontan auftrennen. Die Forschung versucht jedoch, der Ursache für diesen „Zufall“ genauer auf den Grund zu gehen, sodass heutzutage eine Vielzahl verschiedener Hypothesen existieren.

Neueste Erkenntnisse aus dem Jahr 2021 zeigen, dass eineiige Zwillinge bestimmte epigenetische Marker an ihrer DNA tragen, über die ein Mensch selbst in Abwesenheit seines Zwillings als eineiiger Zwilling identifiziert werden kann. Diese Anhänge am Erbgut beeinflussen die Genaktivität und tragen damit dazu bei, dass sich trotz gleicher DNA verschiedene Zellen und Gewebe im Embryo bilden.

Bin ich ein Zwilling? DNA-Anhänge verraten es

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Aufgrund dessen vermuten Jenny van Dongen und ihre Kollegen von der Freien Universität Amsterdam, dass die Ausbildung dieser epigenetischen Strukturen als Ursache eineiiger Zwillinge in Frage kommt. So sind von den epigenetischen Markern auch Gene für den Zusammenhalt von Zellen betroffen, was erklären könnte, warum der Zellverbund sich aufspaltet. Bislang fehlen allerdings Belege für diese Hypothese.

Eine weitere mögliche Ursache liefert die sogenannte Zellabstoßungs-Hypothese. So stößt jeder Embryo normalerweise „beschädigte“ Zellen ab, in denen Mutationen aufgetreten sind. Die Theorie ist nun, dass diese abgetrennten Zellen sich trotzdem erfolgreich entwickeln und zum zweiten Zwilling werden. Aber auch genetische Faktoren sind nicht vollkommen ausgeschlossen, da sehr selten auch eine dominante Veranlagung für eineiige Zwillinge innerhalb von Familien vorkommt.

Genauso werden Umweltfaktoren aufgrund von auffallend vielen eineiigen Zwillingen in bestimmten Städten untersucht oder ein Zusammenhang mit künstlicher Befruchtung vermutet. Doch trotz der zahlreichen Theorien ist die genaue Ursache der Aufspaltung noch lange nicht geklärt.

Doppelter Eisprung und seine Gründe

Im Gegensatz dazu kann ein doppelter Eisprung als Ursache für die Entstehung zweieiiger Zwillinge heute wissenschaftlich gut erklärt werden: Grundsätzlich führt das Follikel-stimulierende Hormon FSH dazu, dass Eizellen heranreifen und es zum Eisprung kommen kann. Der Eisprung wiederum wird dann durch das Luteinisierende Hormon (LH) hervorgerufen. Wenn diese Hormone vermehrt gebildet werden, kann dies zu einem doppelten Eisprung und in der Folge zweieiigen Zwillingen führen.

Als Auslöser für diese Hormon-Überproduktion kommen laut Forschern verschiedene Faktoren in Frage. Dazu zählt zum einen die Vererbung. Da zweieiige Zwillinge in manchen Familien gehäuft vorkommen, war schon längere Zeit klar, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen. Hier konnten Wissenschaftler bei Müttern zweieiiger Zwillinge bereits zwei Genvarianten identifizieren, die mit der Produktion von FSH und der Empfindlichkeit der Eizellen gegenüber diesem Hormon zusammenhängen. Die genaue Vererbung ist jedoch noch nicht vollständig geklärt.

Auch die künstliche Befruchtung sorgt für die steigende Geburtenrate zweieiiger Zwillinge. © wildpixel/ iStock

Aber auch das Alter der Mutter spielt eine Rolle, da mit dem Alter die FSH Konzentration im Blut ansteigt, genau wie auch durch Hormonbehandlungen bei unerfülltem Kinderwunsch. Daneben begünstigt auch eine künstliche Befruchtung zweieiige Zwillinge, weil dabei meist mehr als ein Embryo eingepflanzt wird.

Weiterhin könnte laut manchen Forschern auch die Größe der Mutter einen Einfluss auf Zwillingsschwangerschaften haben. Der Gynäkologe Gary Steinman vom Long Island Jewish Medical Center in New York stellte in einer Studie fest, dass Mütter von zweieiigen Zwillingen stets größer waren als der Landesdurchschnitt und führte dies auf das Wachstumshormon IGF (Insulin-growth-factor) zurück, das von großen Menschen verstärkt gebildet wird. Dieses soll einen Einfluss auf die Empfindlichkeit der Eierstöcke gegenüber dem Hormon LH haben und so einen doppelten Eisprung begünstigen. Aus dem gleichen Grund soll auch die Ernährung Zwillingsschwangerschaften hervorrufen können. Der Wissenschaftler vermutet, dass Wachstumsfaktoren aus Lebensmitteln wie Fleisch oder Milch die Entstehung zweieiiger Zwillinge begünstigen könnten.

Diese potenziellen Auslöser könnten auch erklären, warum die Zahl zweieiiger Zwillinge in den letzten Jahrzehnten zugenommen hat. Zum einen bekommen Frauen immer später Kinder, zum anderen unterziehen sich immer mehr Paare Kinderwunschbehandlungen wie Hormontherapien oder künstlichen Befruchtungen. Zudem verhindert auch der medizinische Fortschritt bei den risikoreichen Zwillingsschwangerschaften zunehmend Fehlgeburten.

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Zwillinge
Von frühen Trennungen und Leben im Doppelpack

Zwei Kinder auf einmal
Wie Zwillinge entstehen

Immer mehr Zwillinge
Wie häufig sind Zwillinge – und warum?

Identisch – aber nur fast
Wie entstehen die Unterschiede bei eineiigen Zwillingen?

Zwillinge in der Forschung
Anlage oder Umwelt

Ein besonderes Band
Auswirkungen des „Zwilling-Seins“

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