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Virtueller Patient schont das Gesundheitssystem

Hilfe gegen den Kollaps

„Und außerdem hast du mir doch immer erzählt, vor welchen gravierenden Problemen das Gesundheitssystem zu deiner Zeit stand. Explodierende Krankenkassenbeiträge, eine alternde Gesellschaft, die aufwendig medizinisch versorgt werden musste, eine sinkende Zahl von neuen wirksamen Medikamenten, die zudem immer teurer in ihrer Entwicklung wurden. Wenn du in deiner Jugend genauso geringe Beiträge zur Krankenversicherung gezahlt hättest wie ich jetzt, hätte ich als Kind wohl größere Geschenke zu meinen Geburtstagen von dir bekommen“, sage ich schelmisch und entlocke meiner Oma ein kurzes Lächeln.

Die virtuelle Patientin © SXC

Und tatsächlich hatte die Einführung des virtuellen Patienten neben einer höheren Zahl von Überlebenden auch noch den Effekt, dass die Krankenversicherungsbeiträge spürbar sanken. Aufwendige stationäre Betreuung durch Nebenwirkungen falscher Medikation konnten vermieden werden. Die durchschnittlichen Arbeitsfehltage aufgrund von Krankheiten gingen erheblich zurück. Zwar hatten wir noch immer eine alternde Gesellschaft, aber Alt-Werden war nicht mehr gleichbedeutend mit Krank-Sein. Arztbesuche wurden in vielen Fällen obsolet, da Diagnosen und Behandlungen mit Hilfe des virtuellen Patienten per Smart-Phone erfolgten. Dies hatte auch zur Folge, dass die Zahl der Betrugsfälle von Ärzten durch Falschabrechnungen bzw. Über-Behandlungen zurückging.

Unkenrufen zum Trotz

Damit erwiesen sich Prophezeiungen der Gegner des virtuellen Patienten-Systems als falsch. Sie hielten die Bewegung der personalisierten Medizin für eine Illusion, ausgedacht von den Pharmariesen und Ärzteverbänden, um die ohnehin schon leeren Kassen der Krankenversicherungen noch weiter zu belasten und den Arbeitnehmern noch höhere Beiträge zur Krankenversicherung abzuverlangen. Auch die Befürchtungen, dass keine neuen innovativen Medikamente mehr von den Pharmafirmen entwickelt werden, erwiesen sich als falsch. Damals dachte man noch, für die Pharmaindustrie wäre es nicht mehr rentabel gewesen, Medikamente für eine nur kleine Patientengruppe zu entwickeln.

Computer © PNNL

Mit Hilfe des virtuellen Patienten erfuhr die Pharmazeutik jedoch einen Umschwung. Die Entwicklung neuer Medikamente wurde deutlich beschleunigt und kostengünstiger, da langwierige und teure klinische Studien an Patienten durch Computersimulationen ihrer Wirkungsweise ersetzt werden konnten. „Und schau dir an, zu welchem wirtschaftlichen Aufschwung die personalisierte Medizin geführt hat“, fahre ich fort. Worauf meine Oma nur ein kapitulierendes „Jaja“ erwidern kann. Denn schon kurz nach Beginn des ‚IT Future of Medicine‘-Programms erlebte die Wirtschaft, allen voran der IT-Markt, einen ungeheuren Aufschwung.

Wie damals zur Jahrtausendwende die Erfindung des Internets, erzeugte nun die personalisierte Medizin eine erhöhte Nachfrage nach leistungsfähigeren Computern, biometrischen Sensoren, neuen Speichermedien und dergleichen. Europaweit schossen kleine Start-Ups aus dem Boden. Sie präsentierten der Medizin innovative Produkte zur Messung, Detektion und Quantifizierung von Genomen, Transkriptomen und Proteomen und zum interaktiven Austausch von klinischen Daten. Programmierer schrieben weltweit an Apps, die mit Hilfe des virtuellen Patienten den kranken Menschen die Möglichkeit zur Selbstdiagnose und -behandlung von zuhause aus boten.

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Alexander Kühn /MPI für molekulare Genetik
Stand: 27.04.2012

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Der virtuelle Patient
"Gesundheit 2050" - Preisgekrönter Beitrag zum Essay-Wettbewerb

Geh doch zum Arzt…
Patient im Jahr 2050

Virtuelles Alter Ego als Versuchskaninchen
Personalisierte Medizin macht Behandlung effektiver

Hilfe gegen den Kollaps
Virtueller Patient schont das Gesundheitssystem

Meine Daten gehören mir
Die Sache mit dem Datenschutz

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