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Zirkon hilft bei der Rekonstruktion der Kontinentgeschichte

Europas Wurzeln auf der Spur

Eine zentrale Frage der Erdgeschichtler ist, wie die Kontinente entstanden sind und wie sie sich entwickelt haben. Heute wissen wir, dass die Kontinente auf der Oberfläche unseres Planeten langsam hin und her driften. Sie können dabei zusammenstoßen oder in Fragmente zerfallen. Die verschiedenen Areale der Kontinente haben dabei aber nicht das gleiche Alter: Jeder Kontinent setzt sich aus einem komplizierten Flickenteppich unterschiedlich alter Kleinkontinente, sogenannter Terrane, zusammen. Jedes Terran hat seine eigene Geschichte und seine eigene Alterssignatur. Wie aber lässt sich das individuelle Altersmuster bestimmen?

Position und Form der Kontinente vor 250, 160 und 100 Millionen Jahren © Kober, Kromer / Universität Heidelberg

Von Gondwana bis Europa

Eine Antwort darauf haben Geoforscher über die Analyse des Zirkons und die in ihm enthaltenen Uran- und Blei-Isotope erhalten. Sie haben diese Datierungsmethode unter anderem verwendet, um die Gesteine der europäischen Erdkruste zu untersuchen. Die Entwicklung dieses Krustenbereichs ist sehr komplex. Sie begann vor etwa 550 bis 500 Millionen Jahren am Nordrand eines alten, in der südlichen Hemisphäre gelegenen Urkontinents namens Gondwana. Vom Nordrand des Urkontinents brachen etliche große Bruchstücke ab. Sie wanderten als Kleinkontinente nach Norden und gruppierten sich in der Art eines komplizierten Puzzles.

Vor etwa 350 bis 330 Millionen Jahren wurden die Puzzleteile schließlich im Zentralbereich des sich neu bildenden Urkontinents Pangaea zusammengeschweißt. Vor 120 Millionen Jahren aber begann auch der Superkontinent Pangaea in einzelne Kontinente zu zerfallen, der atlantische Ozean öffnete sich, Afrika trennte sich von Südamerika und Nordamerika von Europa.

Wie die mittlerweile erhobenen Zirkondaten dokumentieren, setzt sich die europäische Erdkruste aus kleinen Kontinenten zusammen, die noch vor 500 Millionen Jahren mit dem heutigen Nordafrika zusammenhingen. Wir leben in Zentraleuropa also auf einer Erdkruste, die im frühen Erdaltertum zu Afrika gehörte. Die älteste bekannte Kontinentalkruste findet sich übrigens in Kanada. Sie ist über vier Milliarden Jahre alt. Im Vergleich dazu ist Europa ein geradezu junger Kontinent.

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Bernd Kober, Bernd Kromer / Ruperto Carola , Universität Heidelberg
Stand: 30.11.2012

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Zeitzeugen der Erde
Wie Wissenschaftler die Spuren der Vergangenheit datieren

Die Kohlenstoff-Uhr
Wie funktioniert die Radiokarbonmethode?

Ein Chronometer namens Zirkon
Eine Uhr für die älteste Gesteine

Europas Wurzeln auf der Spur
Zirkon hilft bei der Rekonstruktion der Kontinentgeschichte

Spaltspuren als Wärme-Anzeiger
Was Uran in Mineralen über die Geschichte eines Gesteins verrät

Holz, Seegrund und leuchtende Keramik
Die Zeitaufzeichnungen der Natur

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