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Mehr als nur Bevölkerung

Der ökologische Fußabdruck in drei Varianten

Die von Hennig entwickelte Projektion kann natürlich mehr als nur Bevölkerungsdaten darstellen: So hat der Forscher die Rastertransformation genutzt, um beispielsweise Niederschlagsmengen im Jahresverlauf darzustellen. Vergrößerte Gitterberieche zeigen anschaulich, wo es zu einer bestimmten Jahreszeit auf der Erde am meisten regnet.

Karte der globalen Niederschlagsverteilung im Januar und Juli © Benjamin Hennig

Ein weiteres Anwendungsbeispiel ist der Einfluss des Menschen auf den Planeten in Form des ökologischen Fußabdrucks. Auf einer normalen Weltkarte, allein über Farben kodiert, ist dieser kaum aussagekräftig, da die Größe eines Landes wenig über die Zahl der Menschen aussagt, die den entsprechend dargestellten Lebensstil repräsentiert.

Lebensstil und Menschenzahl

Wechselt man die Perspektive und visualisiert dieselben generalisierten Daten aus Sicht der Bevölkerungsverteilung, ergibt sich schon ein anderes, wenngleich noch immer nur bedingt aussagekräftiges Bild. Denn Regionen mit vielen Einwohnern wie China oder Indien erscheinen überrepräsentiert, obwohl ihr Anteil am Ressourcenverbrauch pro Kopf deutlich geringer liegt als beispielsweise in den USA oder Deutschland. Der verschwenderische Lebensstil dieser wohlhabenderen Regionen erscheint dadurch wenig problematisch, weil relativ betrachtet wenige Menschen so leben.

Die Karte zeigt jedoch immerhin deutlich, wie viele Menschen jeweils einem bestimmten Lebensstil nachgehen. Dies lässt erahnen, welche Probleme entstehen, wenn beispielsweise ein verschwenderischer Lebensstil auch in den bevölkerungsstarken Regionen der Erde gelebt werden würde, ohne dass neue Nachhaltigkeitskonzepte für einen steigenden Lebensstandard entwickelt werden.

Karte des ökologischen Fußabdrucks in drei Varianten: A: konventionelle Karte; B: Transformation auf Basis der Bevölkerungsverteilung c: Transformation auf Basis des absoluten ökologischen Fußabdrucks © Benjamin Hennig

Reale Anteile zeigen reale Sündenböcke

Noch ein anderes Bild ergibt sich jedoch, wenn man den ökologischen Fußabdruck in sein reales quantitatives Ausmaß umrechnet. Wenn man also darstellt, wie viele Ressourcen jeder Mensch in einem bestimmten Gebiet verbraucht und dies als Basis der Rastertransformation nimmt. Dann wird deutlich, wie verschwenderisch der Lebensstil der wenigen wohlhabenden Nationen im Vergleich zu den ärmeren Regionen ist, und welche extremen Ungleichheiten sich dadurch auf globaler Ebene ergeben.

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Mehr als nur die bloße Bevölkerungsverteilung zeigt auch die bekannte Satellitenbilddarstellung der Erde bei Nacht. Denn sie ist weniger ein Bild der am dichtesten bevölkerten Gebiete der Erde, sondern hebt vielmehr die Orte hervor, an denen es sich die Menschen leisten können, den Nachthimmel mit Licht zu erhellen. Dasselbe Satellitenbild, transformiert nach einer Bevölkerungsprojektion, zeigt eine andere Realität: Eine Realität, in der viele Menschen in Afrika, Asien und Südamerika in Dunkelheit leben.

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Benjamin Hennig
Stand: 23.11.2012

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Neue Kartenwelten
Eine neue Projektion macht den Menschen und seinen Einfluss zur Basis der Kartografie

Von Mercator bis zum Internet
Karten und Globalisierung

Mehr als nur die Lage von Orten
Anamorphe Karten visualisieren Wechselbeziehungen von Mensch und Umwelt

Verzerrung als Informationn
Das Worldmapper -Projekt

Vom Land zur Rasterzelle
Neue Projektion beruht auf Gitterbasis statt auf Ländergrenzen

Weltbevölkerung und Wahlergebnisse
Beispiele für die Anwendungsmöglichkeiten der neuen Projektion

Mehr als nur Bevölkerung
Der ökologische Fußabdruck in drei Varianten

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