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Ein echter Sonderling

Warum der Erdmond im Sonnensystem eine Ausnahme ist

Auch wenn er uns selbstverständlich und normal erscheint: Unser Mond ist in vieler Hinsicht ungewöhnlich. Sowohl seine Größe, als auch seine Entstehung machen ihn im Sonnensystem zu etwas Besonderem.

Mond-Kollision
Die Kollision der jungen Erde mit einem marsgroßen Protoplaneten schuf den Erdmond. © NASA/JPL-Caltech

Der dritte Weg

Doch wie entsteht ein Mond? Lange gab es dafür nur zwei mögliche Erklärungen. Der ersten zufolge kann ein Mond in der Frühzeit seines Planeten aus übriggebliebenen Staub- und Gasresten der Urwolke gebildet werden – ähnlich wie auch die Ringe großer Gasplaneten. Während dieses Material um den Planeten kreist, ballen sich die Partikel zu immer größeren Brocken zusammen. Dieser Prozess der Mondbildung lässt sich beispielsweise am Saturn quasi „live“ beobachten.

Die zweite Variante ist das Einfangen: Viele Monde im Sonnensystem sind Kleinplaneten oder Asteroiden, die von der Schwerkraft ihres Planeten aus ihrer alten Bahn gelenkt und festgehalten wurden. Dazu gehören die meisten kleinen, irregulären Monde, aber auch große Trabanten wie Triton, der größte Mond des Neptun.

Aber der Erdmond passt in keine dieser beiden Kategorien. Denn er verdankt seine Entstehung einer katastrophalen Karambolage vor rund 4,5 Milliarden Jahren. Dabei stieß der marsgroße Protoplanet Theia mit der noch jungen Erde zusammen und wurde zerstört. Auch die Erde könnte dabei zu einem großen Teil verdampft sein. Aus der Trümmerwolke bildete sich dann das Zweiergespann Erde und Mond.

Ausnahme unter seinen Nachbarn

Im inneren Sonnensystem ist die Erde damit eine Ausnahme. Denn unter den terrestrischen Planeten sind Monde eher Mangelware. Merkur und Venus haben gar keinen Trabanten und der Mars wird nur von zwei vergleichsweise winzigen Monden umkreist: Phobos ist nur gut 20 Kilometer groß, Daimos nicht einmal ganz 15 Kilometer. Planetenforscher gehen deshalb davon aus, dass die Marsmonde wahrscheinlich entweder eingefangene Asteroiden oder vielleicht auch Reste eines einstigen Ringes sind.

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Deutlich üppiger wird es mit den Monden erst weiter außen im Sonnensystem. Dort wetteifern die großen Gasplaneten Saturn und Jupiter um den größten Hofstaat. Nachdem lange der Jupiter mit 79 Monden die Nase vorn hatte, entdeckten Astronomen im Oktober 2019 zwölf zusätzliche Monde um den Saturn, der diesen mit nunmehr 82 Trabanten zum „König der Monde“ machten. Im September 2020 allerdings musste der Ringplanet diesen Titel wieder abtreten: Weitere Mondentdeckungen am Jupiter legten nahe, dass der Gasriesen vielleicht sogar hunderte Trabanten besitzen könnte.

Was macht einen Trabanten zum Mond?

Das wirft die Frage auf: Was macht einen Mond zum Mond? Und was unterscheidet ihn von Asteroiden, die im Orbit eines Planeten kreisen? Überraschenderweise gibt es bisher keine offizielle Definition für einen Mond. Festgelegt ist nur, dass ein solcher Trabant um einen Planeten kreisen muss. Eine Mindestgröße jedoch gibt es bislang nicht – was einige Astronomen kritisieren: „Irgendwann landet man bei bloßen Ringpartikeln – eine klare Untergrenze wäre daher sehr nützlich“, sagt Edward Ashton von der University of British Columbia.

Jupitermonde
Jupiter und seine vier größten Monde – selbst sie sind im Verhältnis zu ihrem Planeten klein. © Kevin M. Gill/CC-by-sa 2.0

Rein theoretisch kann daher jeder Brocken, sei er noch so klein, momentan als Mond deklariert werden. Nur einen Namen bekommt er dann nicht. Denn die Internationale Astronomische Vereinigung (IAU) vergibt offiziell nur Mondnamen an Trabanten mit einem Durchmesser von mehr als einem Kilometer. Im Sonnensystem sind bislang gut 240 solcher Monde bekannt. Nur 19 Monde im Sonnensystem sind jedoch groß genug, um durch ihre eigene Schwerkraft eine gleichmäßig runde Form angenommen zu haben. Der Erdmond ist mit einem Durchmesser von 3.476 Kilometer der fünftgrößte unter ihnen.

So ähnlich ist sich kein anderes Paar

Die eigentliche Besonderheit unseres Mondes ist jedoch nicht seine absolute Größe, sondern die Größe im Verhältnis zu seinem Planeten. Die Erde ist nur 3,7-mal größer als ihr Trabant – das gibt es bei keinem anderen Planeten im Sonnensystem. Planetenforscher haben mittels Simulationen ermittelt, dass selbst bei Kollisionen ähnlich denen der frühen Erde nur in jedem zwölften Fall ein im Verhältnis zu seinem Planeten so großer Mond entsteht.

Doch genau dies hat die Entwicklung unseres Planeten entscheidend beeinflusst…

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Erde ohne Mond
Was wäre, wenn es den Erdtrabanten nicht gäbe?

Ein echter Sonderling
Warum der Erdmond im Sonnensystem eine Ausnahme ist

Kürzere Tage und raueres Klima
Wenn die lunaren Gezeiten fehlen

Taumelnde Achse
Der Mond als Schutz und Stabilisator

Chemische Zyklen
Haben erst die lunaren Gezeiten das Leben ermöglicht?

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